Henriette Keuffel

„Meine Berufung ist
die Landwirtschaft“

Master-Studentin Henriette Keuffel: „Meine Berufung ist die Landwirtschaft“
Master-Studentin Henriette Keuffel: „Meine Berufung ist die Landwirtschaft“
Henriette Keuffel strebt eine Laufbahn im Agrarsektor an. Die Master-Studentin berichtet über ihre Begeisterung für die Landwirtschaft und erklärt, warum sie dieses Engagement in die Öffentlichkeit trägt.

Das landwirtschaftliche Leben hat mich schon immer fasziniert. Ich bin auf einem Hof in Deutschland aufgewachsen, als Mädchen vom Land, umgeben von Kühen, Schweinen, Pferden und Ackerbau. Als Teenager habe ich dann allerdings das Landleben aus den Augen verloren. Während meines Studiums der Betriebswirtschaftslehre arbeitete ich vor ein paar Jahren als Praktikantin auf einem Milchviehbetrieb in Neuseeland, und meine Kindheitserinnerungen an das Leben auf dem Bauernhof kamen mir wieder in den Sinn. Es war natürlich harte Arbeit – beispielsweise morgens um drei Uhr aufstehen zum Melken. Aber die Arbeit mit den Tieren machte Spaß und ich habe es genossen, wieder auf einem Traktor zu sitzen. Ich genoss die Vielfalt der Tätigkeit sehr, ebenso die Nähe zur Natur.

Diese Erfahrung hat mich stark geprägt – so stark, dass ich mich dazu entschloss, nach meinem Bachelor-Abschluss eine Laufbahn in der Landwirtschaft einzuschlagen. Es gibt für mich keinen anderen Bereich, in dem ich so gut Ideen verwirklichen und Lösungen für neue Herausforderungen ausprobieren kann wie in der Landwirtschaft. Egal, ob man mit Viehhaltung sein Geld verdient oder mit Pflanzenbau: Jeden Tag trifft man auf Situationen, die man mit landwirtschaftlichem Wissen meistern kann.

Daraufhin habe ich nach meinem Bachelor-Abschluss im Bereich Wirtschaft beschlossen, einen Master-Abschluss im Fach Agrarwirtschaft an der Universität Stuttgart-Hohenheim anzustreben. Während dieser Ausbildung geht es sowohl um betriebswirtschaftliche als auch um landwirtschaftliche Themen. Aus meiner Sicht ist das eine hervorragende Fächerkombination: Einerseits ist landwirtschaftliches Verständnis nötig, um die Bedürfnisse der Landwirte zu verstehen, andererseits ist auch Betriebswirtschaft wichtig, damit das Geschäft läuft. Mit meiner akademischen Ausbildung konnte ich mir einen guten Überblick verschaffen und meine Fähigkeiten in bestimmten Interessensgebieten erweitern, etwa dem Steuerwesen und dem Controlling. Man kann einen Hof nicht vernünftig führen, wenn man sich nicht mit Buchhaltung auskennt.

Master-Studentin Henriette Keuffel

Landwirtschaft ist einer der modernsten Industriezweige der Welt.

Master-Studentin Henriette Keuffel hat ihre Berufung in der Landwirtschaft gefunden. Der Master-Abschluss ermöglicht ihr viele Perspektiven.

Durch Kurse an der Universität erwarb ich beispielsweise auch Fachwissen zum Thema Präzisionslandwirtschaft. Dieses Wissen ist für die Praxis äußerst wichtig. Wir besuchen regelmäßig Betriebe, um zu sehen, wie neue Anwendungen zum Einsatz kommen. Dabei stützen wir uns etwa auf Ertrags- und Behandlungs-Pläne für Nutzpflanzen, die den Anbau nicht nur ‚smarter’ machen sondern auch zeitgemäßer. Landwirtschaft ist einer der am weitesten digitalisierten Wirtschaftszweige unserer Zeit. Mich hat sehr beeindruckt, wie diese sich rasch entwickelnden digitalen Werkzeuge den Bauern bei der Feldarbeit helfen. Sie erleichtern die Tätigkeiten gegenüber früher deutlich. Feldsensoren bestimmen beispielsweise, den passenden Bedarf an Dünger und Pflanzenschutzmittel für jedes Areal der Anbaufläche – das spart Ressourcen und Geld.

Diese Einblicke helfen mir auch bei meinem Studentenjob in einem multinationalen Konzern, der Maschinen für Landwirtschaft und Bauwesen herstellt. Ich arbeite in der Abteilung für Präzisionstechnik. In der Landwirtschaft gibt es einen Megatrend hin zur Digitalisierung. Obwohl wir es hier mit einer der ältesten und grundlegendsten Wissenschaften der Welt zu tun haben, ist sie von modernster Technik wie digitalen Anbau-Technologien umgeben. Diese Entwicklungen können dazu beitragen, im Jahr 2050 bis zu 10 Milliarden Menschen zu ernähren. Wir brauchen daher gerade in der Landwirtschaft eine offene, innovationsfreudige Mentalität, um diese Technologien umzusetzen.

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Landwirtschaft braucht junge Talente

Darum ist es so wichtig, dass junge Menschen mit Pioniergeist in die Landwirtschaft streben. Während des Jugendagrar-Gipfel Youth Ag Summit 2015 im australischen Canberra habe ich so viele inspirierende junge Menschen mit tollen Ideen getroffen – eine einzigartige Gelegenheit, sich zu vernetzen. Das Treffen war außergewöhnlich. Einhundert junge Menschen aus 33 Ländern trafen sich, um ihre Interessen, ihre Sorgen, aber auch ihre Begeisterung für die Landwirtschaft zu teilen. Wir kamen alle aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen und Kulturen. Trotzdem versuchten wir gemeinsam Lösungen dafür zu finden, wie sich eine wachsende Weltbevölkerung ernähren lässt. Manchmal öffnet der Kontakt mit anderen neue Blickwinkel auf die eigenen Probleme. Und man erkennt, was man im eigenen Umfeld bewirken kann, um Ideen in die Tat umzusetzen. Diese Erfahrung in Australien bestärkte meinen Wunsch, mich gemeinsam mit anderen Begeisterten für Innovationen in der Landwirtschaft einzusetzen.

Den Dialog mit der Öffentlichkeit fördern

Meine Begeisterung hielt an, so dass ich nun auch freiwillig für verschiedene Initiativen tätig bin. Zum Beispiel unterstütze ich das Young Farmers' Forum in Deutschland und beantworte als Agrarexpertin Verbraucherfragen zum Thema moderne Landwirtschaft. Ich denke, dass ein fairer und offener Austausch mit der Öffentlichkeit entscheidend dazu beiträgt, Vorurteile wie die Angst vor Pflanzenschutzmitteln abzubauen. Dennoch geht es nicht darum, Menschen zu überreden, sondern eher darum, Verständnis zu schaffen für sinnvolle und zeitgemäße landwirtschaftliche Methoden. Egal, ob es sich um einen Geschäftsmann in der Stadt oder einen Bauer auf dem Land handelt: Letztendlich wünschen wir uns alle sichere Nahrungsmittel aus nachhaltigem Anbau, mit Blick auch auf künftige Generationen. Landwirte machen dies möglich.

Landwirtschaft ist ganz anders als sich viele Menschen vorstellen. Die romantische Vorstellung von einem Landwirt, der zwei Schafe und ein paar Hühner hält, ist längst überholt. Landwirtschaft ist einer der modernsten Industriezweige der Welt. Aus meiner Sicht sind die Berufsaussichten für Akademiker wie mich sehr vielfältig. Ich weiß nicht, wohin mich meine Laufbahn führen wird, ob ich als Beraterin tätig sein oder einen eigenen Betrieb führen werde. Aber in einem Punkt bin ich mir ganz sicher: Ich möchte nie den Kontakt zur praktischen Landwirtschaft verlieren, denn darin habe ich meine Berufung gefunden.

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Landwirtschaft im Wandel - Die nächste Generation ist bereit