Adrian Percy

Zusammenarbeit beschleunigen

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich während meines Studiums Klassiker der Forschungsliteratur gewälzt habe, die von angesehenen Wissenschaftlern des frühen 20. Jahrhunderts geschrieben wurden. Was mir damals auffiel – und mich auch heute noch erstaunt –, ist der schiere Umfang ihrer Werke und all die Jahre, die in ihre Forschungsarbeit geflossen sind.

Heute hat man dagegen die Wahl, entweder rasch zu veröffentlichen oder von der Bildfläche zu verschwinden. So erscheinen die Arbeiten dieser Meister vielleicht wie ein Anachronismus; doch wo wären wir heute ohne ihre bahnbrechenden Leistungen? Sir Isaac Newton, der zu den wichtigsten Wissenschaftlern aller Zeiten zählt, würdigte die Bedeutung seiner Vorgänger, indem er bescheiden bemerkte: „Wenn ich weiter geblickt habe, dann deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stehe.“

Zur Zeit Newtons und auch für einen Großteil der folgenden drei Jahrhunderte kam die Wissenschaft oft nur schleppend voran. Für Grundlagenforschung benötigte Informationen herauszufiltern war alles andere als einfach und einer Handvoll Gelehrter vorbehalten, die über die Zeit, Hingabe und Mittel verfügten, um Untersuchungen sachgemäß durchzuführen. Und die Verbreitung ihrer Entdeckungen ging so langsam vonstatten, dass ein Nachwuchswissenschaftler vielleicht erst Jahre später davon hörte. Dann erst konnte er auf deren Vorarbeit aufbauen. Kaum zu glauben, wie sehr sich das alles verändert hat!

Im heutigen Internetzeitalter werden wissenschaftliche Arbeiten oft sofort online gestellt, noch ehe sie gedruckt erscheinen. So kann eine Vielzahl an Forschern von verschiedenen Ländern aus gemeinsam an einer Abhandlung arbeiten. Zudem werden einige Veröffentlichungen durch sogenannte Open-Access-Zeitschriften fast jedem zugänglich gemacht, wodurch der Kommunikationsfluss der Wissenschaftsgemeinde immer weiter zunimmt. Die schnelle Informationsübermittlung besitzt zwar vielleicht nicht die gleiche Tiefe wie die Forschungsliteratur von anno dazumal, aber dadurch kann der Wissensgewinn immer mehr an Fahrt aufnehmen. Dies war vor einigen Jahrzehnten noch eine utopische Vorstellung.

Adrian Percy
Adrian Percy
Adrian Percy
ist Leiter des Bereichs Forschung und Entwicklung der Bayer-Division Crop Science.

Doch nicht nur durch Veröffentlichungen werden der Forschung neue Impulse verliehen. Unternehmen mit einem Schwerpunkt auf Forschung & Entwicklung suchen ebenfalls auf sehr beeindruckende Art und Weise den Schulterschluss mit Wissenschaftlern. Bei Bayer arbeiten wir seit jeher mit zahlreichen Universitäten, Forschungsinstituten, öffentlich-privaten Partnerschaften und mit Menschen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Landwirtschaft zusammen. Im Folgenden sind nur einige der vielen Partner von Bayer aufgelistet. Durch diese Kooperationen sollen nachhaltige Lösungen für die großen Themen der modernen Agrarwirtschaft gefunden werden:

  • Embrapa, ein staatliches Agrarforschungsinstitut in Brasilien, arbeitet mit uns an der Erbgut-Sequenzierung eines Krankheitserregers, der einen zerstörerischen Pilz verursacht: den sogenannten Asiatischen Sojarost.
  • Das Respect the Rotation Advisory Board fördert 50 unabhängige Forscher an Universitäten und Agrarexperten, damit sie das schwerwiegende Problem der Unkrautresistenzen unter die Lupe nehmen und Leitlinien erarbeiten können.
  • Phenotyping for Products ist eine auf fünf Jahre angelegte Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich. Hierbei sollen Auswirkungen von Pflanzeneigenschaften, verbessertem Erbgut und Biologika auf die Morphologie und Leistung von Pflanzen untersucht werden.
  • Centre for Crop Health and Protection: Mit diesem internationalen Zentrum für Innovationen in Großbritannien bündeln wir unsere Kräfte, um langfristige Lösungen zur Verbesserung der Pflanzengesundheit voranzubringen.
  • Mit der gemeinnützigen Organisation Project Apis m. sind wir eine auf mehrere Jahre angelegte, eine Million Dollar umfassende Zusammenarbeit eingegangen (Healthy Hives 2020), in deren Rahmen wir unabhängige Forschungsprojekte fördern, die die Gesundheit von Honigbienenvölkern verbessern sollen.

Dies war nur ein kleiner Einblick in unsere zahlreichen Partnerschaften und Kooperationen, aber die treibende Kraft für all diese Projekte beruht auf einer grundlegenden Annahme: Unser geballtes Wissen kann mehr bewirken als das einer einzigen Person oder Organisation. Und obwohl mich die unglaubliche, bahnbrechende Forschung – die in den Laboren und Einrichtungen von Bayer weltweit durchgeführt wird – mit Stolz erfüllt, bin ich doch genauso stolz auf unsere Bemühungen um Kooperationen und Partnerschaften. Dies alles ist Teil unseres kontinuierlichen Strebens nach mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Wenn man bedenkt, dass wir in den nächsten 30 Jahren mehr Nahrungsmittel auf weniger Ackerfläche erzeugen müssen als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit, dann glaube ich, dass Zusammenarbeit der einzig mögliche Weg zum Erfolg ist.

Vor kurzem konnte ich bei dem AgVocacy Forum von Bayer über dieses und weitere Themen sprechen. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird seit zehn Jahren ein breiter Querschnitt an Menschen, Kompetenzen, Erfahrungen und Sichtweisen in einem offenen und fruchtbaren Austausch von Ideen, Erkenntnissen sowie Anschauungen vereint, durch den die Zukunft der Landwirtschaft gestaltet wird. Dort habe ich aus erster Hand erfahren, wie bedeutend und wirkungsvoll Kommunikation und Partnerschaften sind. In einem Zeitalter, in dem wir einen immer schnelleren und beispiellosen Technologiewandel erleben, ist es beruhigend zu wissen, dass persönliche Gespräche uns immer noch die beste Chance bieten, die größten Herausforderungen unserer Zeit zu meistern. Ich glaube, Sir Isaac Newton wäre stolz.

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Landwirtschaft im Wandel - Die nächste Generation ist bereit