Chad Watts

Pflanzen mit Pflanzen bekämpfen

Mein Name ist Chad Watts und ich bin der Geschäftsführer des amerikanischen Conservation Technology Information Centers (CTIC). Wir sind eine gemeinnützige Organisation und konzentrieren uns darauf, alle verfügbaren Technologien zu nutzen, um den Naturschutz in der Landwirtschaft voranzubringen. Ich habe über 20 Jahre mit Landwirten daran gearbeitet, natürliche Ressourcen und Wasserqualität zu erhalten. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Landwirten dabei zu helfen, die Umwelt ihres Ackerlandes zu verbessern. Auf meiner Farm in Indiana pflanze ich Zwischenfrüchte an, aus vielen der folgenden Gründe.

Unkraut im Zaum zu halten ist ein vielstufiger Prozess, besonders in der heutigen Zeit der Herbizidresistenzen. Landwirte können sich nicht ausschließlich auf die Anwendung von Herbiziden verlassen. Wir verstehen jetzt besser, wie intensiver Ackerbau die organischen Stoffe im Boden aufzehrt und wie viele Tonnen an Mutterboden wir jedes Jahr durch Erosion verlieren. Zum Glück gibt es eine Methode des integrierten Unkrautmanagements, die sich auch hervorragend zum Aufbau des Bodens eignet: Zwischenfrüchte anbauen.

Viele Landwirte sind überrascht, wie effektiv gute Zwischenfrüchte Unkraut im Zaum halten können. Forschungen der Universität Illinois haben gezeigt, dass die Anbaureihenfolge hierbei entscheidend ist: Säht man zunächst Roggen (18 Kilogramm pro 2.500 Quadratmeter) und anschließend Sojabohnen, so reduziert sich der Katzenschweif, einem Unkraut, das auch als Dürrwurz bekannt ist, um 98 Prozent. Die Zahl beeindruckt noch mehr, bedenkt man wie viele Katzenschweif-Populationen bereits Resistenzen gegen die gängigen Herbizide gebildet haben.

Chad Watts ist Geschäftsführer des Conservation Technology Information Center (CTIC) in West Lafayette, Indiana, USA
Chad Watts ist Geschäftsführer des Conservation Technology Information Center (CTIC) in West Lafayette, Indiana, USA
Chad Watts ist Geschäftsführer des Conservation Technology Information Center (CTIC) in West Lafayette, Indiana, USA

Wie bekämpfen Zwischenfrüchte Unkräuter?

Zwischenfrüchte bekämpfen Unkräuter auf verschiedenen Wegen. Zunächst nehmen sie den keimenden Unkräutern Raum und Sonnenlicht für ihr Wachstum. Darum wirken sie besonders effektiv gegen winterharte Pflanzen wie Katzenschweif. Viele Zwischenfrüchte, wie unter anderem Roggen, verbreiten zudem Chemikalien, die andere Gräser am Keimen und Wachsen hindern. Dieser Effekt nennt sich Allelopathie.

Auch wenn Landwirte die winterharten Zwischenfrüchte mit Herbiziden oder einer Walze entfernen, tragen sie weiterhin zum Unkrautmanagement bei. Die Pflanzenreste dienen auf der Oberfläche als Mulch und bedecken Unkräuter, die im Frühling keimen würden.

Zwischenfrüchte halten nicht nur Unkräuter in Schach. Ihre Wurzeln sorgen auch dafür, dass Nährstoffe im Boden bleiben, anstatt aus der Wurzelzone ins Grundwasser abzufließen. Nach dem Entfernen der Zwischenfrüchte, die in der oberen Schicht des Bodens verrotten, verbleiben die Nährstoffe in der Biomasse. Dort unterstützen sie das Wachstum der nächsten Generation von Nutzpflanzen.

Die Wurzeln der Zwischenfrüchte – ob das faserige Netzwerk von Roggen oder die massiven Pfahlwurzeln von Steckrüben und Rettich – sorgen für eine natürliche Bodenkultivierung. Sie lockern die komprimierten Erdschichten und bahnen Wege für die Wurzeln der anschließend angebauten Nutzpflanzen. Hülsenfrüchte als Zwischenfrüchte binden sogar Stickstoff aus der Atmosphäre im Boden.

Pflanzen bekämpfen Pflanzen: Roggen kontrolliert als  Zwischenfrucht vor dem Anbau von Sojabohnen Unkräuter wie Katzenschweif.
Pflanzen bekämpfen Pflanzen: Roggen kontrolliert als  Zwischenfrucht vor dem Anbau von Sojabohnen Unkräuter wie Katzenschweif.
Pflanzen bekämpfen Pflanzen: Roggen kontrolliert als Zwischenfrucht vor dem Anbau von Sojabohnen Unkräuter wie Katzenschweif.

Integrierte Lösungen für das Unkrautmanagement

Zwischenfrüchte sind ein gutes Beispiel für einen systematischen und nachhaltigen Ansatz der Landwirtschaft, des Unkrautmanagements sowie des Naturschutzes. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Grundlagen für nachhaltige Landwirtschaf. Weitere wichtige Aspekte sind:

  • Konservierende Bodenbearbeitung
  • Direktsaat (ohne Pflug) oder Nutzung eines Reihenpflugs
  • Nährstoffmanagement für Nutzpflanzen nach den 4Rs of Nutrient Stewardship
  • Gutes Unkraut- und Schädlingsmanagement und
  • Ackerrandstreifen.

Ein weiterer großer Vorteil: Für Zwischenfrüchte können oft bundesstaatliche, staatliche oder regionale Förderungen beantragt werden. Zudem bieten in den USA Institute wie z.B. das CTIC, das regionale Conservation District oder das Natural Resources Conservation Service Büro, kostenlose technische Beratungen an. Durch den Anbau von Zwischenfrüchten können Landwirte also den Wert ihres Hofes steigern und ihn zukunftsfähig für die nächsten Generationen machen. Zugleich reichern sie nährstoffarme organische Bodenbestandteile wieder an, bieten der Gesellschaft saubereres Wasser und mindern den Druck durch Unkraut.

Zwischenfrüchte sind mehr als eine gute Umweltschutzmaßnahme – sie sind ein wertvoller Bestandteil eines integrierten Unkrautmanagementsystems. Mit dieser Methode steigern Landwirte ihre Effizienz, Produktivität und ihren Profit.

Conservation Technology Information Center

Das Conservation Technology Information Center (CTIC) ist eine nationale öffentlich-private Partnerschaft, beheimatet in West Lafayette, Indiana (USA). Sie bietet Informationen zu produktiven und profitablen Landwirtschaftssystemen, um Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft und Wildtiere zu erhalten und zu steigern.

Aktuelle Bewertungen (4)
Kommentar
Gewinner der Landwirtschaft - Erfolgsgeschichte in Gelb