Jürgen Keppler

Bienenstudie in einem noch nie dagewesenen Ausmaß

Dr. Jürgen Keppler wirft einen Blick hinter die Kulissen der Studie in Mecklenburg-Vorpommern, eines der größten Feldversuche an Raps zu den Auswirkungen von Neonicotinoiden auf Bienen in Europa.

Der Verlust an Honigbienenvölkern in den letzten Jahren, insbesondere in Europa und Nordamerika, hat in vielen Ländern der Welt Besorgnis ausgelöst. Das ist verständlich, da Bienen und andere Bestäuber landwirtschaftlichen und natürlichen Ökosystemen einen unverzichtbaren Dienst erweisen.

Während viele wissenschaftliche Gutachten auf Kombinationen von Faktoren hinweisen, die die Bienengesundheit beeinträchtigen, entschied die EU im Jahr 2013, den Einsatz mehrerer Neonicotinoide durch behördliche Maßnahmen einzuschränken, während ihre Folgen auf die Bienengesundheit genauer untersucht werden sollten. Zu diesen Produkten gehört das Saatgutbehandlungsmittel Elado®, das das Neonicotinoid Clothianidin enthält und als Standard für den Schutz von Raps vor Schädlingen anerkannt ist.

Bayer ist mit der ungerechtfertigten Entscheidung der Europäischen Kommission nicht einverstanden und vertritt die Ansicht, dass sie nicht zur Verbesserung der Bienengesundheit beitragen wird. Das Unternehmen unterstützt jedoch weitere Untersuchungen zu den betroffenen Schädlingsbekämpfungsmitteln.

Ich bin Jürgen Keppler, Gruppenleiter für Ökotoxikologie in der Bayer-Division Crop Science, und seit meinem Eintritt bei Bayer vor 15 Jahren in der Bienenforschung und Risikobewertung tätig. Als Agrarwissenschaftler liegt mir daran, dass wir die richtige Balance finden: Wir haben eine Verantwortung, günstige agronomische Voraussetzungen optimal zu nutzen und auf nachhaltige Weise zur Ernährung der Weltbevölkerung beizutragen – auch durch den Schutz von Bestäubern.

Bei der Entwicklung von Pflanzenschutzprodukten werden umfangreiche Laboruntersuchungen unter strengen Testbedingungen durchgeführt, um das Risikopotenzial zu charakterisieren. Wenn in der Laborumgebung Gefahren nicht ausgeschlossen werden können – was auf bestimmte Neonicotinoide im Zusammenhang mit Bienen zutrifft –, sind weitergehende Wirkungs- und Expositionsstudien unter realistischeren Anwendungsbedingungen zum Nachweis erforderlich, dass Produkte und Anwendungsarten zugelassen werden können.

Zeitgleich zur Durchführung und Auswertung dieser Arten von Studien, um die Zulassungen für eingeschränkte Produkte zu erhalten, organisierte Bayer eine Feldstudie der Auswirkungen von Clothianidin auf drei Bestäuberbienenarten in Mecklenburg-Vorpommern, einem der wichtigsten europäischen Anbaugebiete für Raps. Diese Studie hatte eine noch nie dagewesene Größenordnung: Die Wirkung auf Bienen auf einer Rapsanabaufläche von 65 km², die vollständig mit Elado® behandelt worden war, wurde mit einem angrenzenden Landstück von ebenfalls 65 km² verglichen, wo keine Neonicotinoid-haltigen Mittel Einsatz fanden. Die Untersuchung wurde von einem in Feldstudien spezialisierten Auftragsforschungsinstitut vorgenommen. Außerdem waren eine Reihe namhafter Bienenexperten für die verschiedenen Bienenarten, darunter Wildbienen, Hummeln und Honigbienen, unabhängig von dem Auftragsforschungsinstitut und von Bayer an der Studie beteiligt.

Juergen Keppler
Juergen Keppler
Dr. Jürgen Keppler, 
Leiter der Ökotoxikologie bei Bayer Division Crop Science. Verantwortlich für Bienenforschung und Risikobewertung.

Bei Hunderten von Hektar war es schwierig, geeignete Landwirte zu finden. Es musste die richtige Landschaft sein, mit nur wenigen anderen blühenden Nutzpflanzen in der Umgebung. Ich habe den Versuch in der Phase besucht, in der die Bienen Nektar und Pollen sammeln und mit dem Produkt in Kontakt kommen, und war beeindruckt von der Einsatzbereitschaft des Teams und den angewandten Kontrollen. Das ganze Team war für mehrere Wochen oder Monate auf einem Campingplatz in Bungalows untergebracht.

Wichtig ist, dass die Studie keine nachteiligen Auswirkungen auf die Entwicklung von Honigbienenvölkern, Hummelbeständen oder die Fortpflanzung von Solitärbienen gezeigt hat.

Darüber hinaus gewannen die Forscher neue Erkenntnisse über die in der Studie eingesetzten Bienenarten. 1.500 Solitärbienenlarven wurden je Teststandort freigesetzt, was im Folgejahr zu mehreren Tausend Nachkommen führte und wirklich aussagekräftige Schlussfolgerungen zuließ.

Abschließend lässt sich sagen: Es gibt zahlreiche Publikationen über die potenziellen Wirkungen von Neonicotinoiden auf Bienen, wobei die meisten Studien im Labor mit zum Teil unrealistischen Konzentrationen durchgeführt werden. Diese Überwachung im großen Maßstab hat es uns ermöglicht, frühere Schlussfolgerungen für Honigbienen zu bestätigen und nachzuweisen, dass die Anwendung von Clothianidin-haltigen Saatgutbehandlungsmitteln auf Raps für Bienenbestäuber unter realistischen Bedingungen unbedenklich ist.

Die Ergebnisse der hier beschriebenen Studie wurden als Artikelreihe in der Fachzeitschrift Ecotoxicology veröffentlicht.

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