Louisa Burwood-Taylor

Kapitalanleger entdecken die Landwirtschaft

Einige meiner schönsten Kindheitserinnerungen verbinde ich mit der Landwirtschaft. Ich habe meine Ferien immer im südwestlichen Wales verbracht, einer wunderschönen bäuerlichen Region in Großbritannien. Sie war damals hauptsächlich von der Viehzucht geprägt und ich habe mich dort um die Milchviehherden befreundeter Bauern gekümmert oder Kälber gefüttert. Das hat mir wirklich großen Spaß gemacht.

Nach dem Schulabschluss bin ich nach Costa Rica gereist, wo mein Onkel einen Milchviehbetrieb hatte und zugleich die ersten Bio-Erdbeeren der Region anbaute! Ich habe mehrere Monate auf dieser „Huerta“ gearbeitet und die Arbeit hat mir die Augen für eine völlig andere Art der Landwirtschaft geöffnet – sowohl agrarwirtschaftlich als auch kulturell.

Da ich in London aufgewachsen bin, zog es mich zunächst in eine andere Richtung, und als sich die weltweite Finanzkrise vor meinen Augen ausbreitete, beschloss ich, mich dem Finanzjournalismus zuzuwenden. So kam ich nach Asien, wo ich zunächst über Aktien und später über Kapitalanlagen berichtete. Mein besonderes Interesse galt alternativen Anlagen, die bei den Anlegern immer beliebter wurden, weil sie wegen der Volatilität, die die globale Finanzkrise in die öffentlichen Märkte hineingebracht hatte, nervös waren. Es dauerte nicht lange, bis sich der Kreis für mich schloss: Zurück in Großbritannien veröffentlichte ich eine neue Publikation zu Kapitalanlagen in der Landwirtschaft!

Die Landwirtschaft als mögliche Kapitalanlage gewann allmählich an Bedeutung, weil sie für die Menschen real und greifbar war – etwas, das man sich bildlich vorstellen und verstehen kann. Im Vergleich zum Aktienmarkt waren die Erträge landwirtschaftlicher Flächen zudem beeindruckend, gerade als die Rohstoffpreise ihren Höchststand erreichten und Ackerland in den USA so teuer war wie nie zuvor.

Louisa Burwood-Taylor
Louisa Burwood-Taylor
Louisa Burwood-Taylor,
Chefredakteur, AgFunderNews, USA und AgVocate

Als ich für den Agri Investor zu berichten begann, war mir sofort klar, dass ich hier meine Nische gefunden habe. Nische ist vielleicht das falsche Wort, denn es beeindruckt mich immer wieder, wie vielfältig und komplex die Agrarwirtschaft ist!

„AgTech“ war ursprünglich nur ein kleiner Ausschnitt der gesamten landwirtschaftlichen Investmentlandschaft, in der Startups 2012 gerade mal 500 Mio. USD aufnahmen. Als ich im Juli 2015 zum AgFunder-Team kam, befanden wir uns gerade inmitten eines Rekordjahres für AgTech-Investitionen; am Ende des Jahres schlugen Investitionen von 4,6 Mrd. USD zu Buche.

Es ist die Zeit des Erwachens: Endlich dringt durch, dass die Landwirtschaft in vielerlei Hinsicht technologisch ins Hintertreffen geraten ist, obwohl sie 10 Prozent des weltweiten BIP ausmacht und die Welt ernährt!

Das Potenzial, die Landwirtschaft noch effizienter zu gestalten, die Produktivität zu verbessern und für eine nachhaltige Entwicklung des Sektors zu sorgen, ist unglaublich groß. Die AgTech-Startups beschäftigen sich mit ökologischen Produktionsmitteln, Sensoren, Drohnen, Indoor-Farming-Technologien und Betriebsführungssoftware.

Unternehmer aus anderen Branchen steigen in die Landwirtschaft ein und bringen ihr Know-how aus diesen Technologiebereichen mit ein. Wir sehen aber auch, dass Landwirte und Agrarunternehmen selbst neue Lösungen entwickeln.

Wir bei AgFunder erfassen fortlaufend neue Marktentwicklungen und berichten über Kapitalanlagen und innovative Technologien. Dadurch haben wir ein globales Netz von 27.000 aufgebaut. Und wir hoffen, wir haben damit zur Entwicklung des Ökosystems beigetragen, vor allem indem wir Informationen weitergeben, mit denen Investoren und Startups einen Business Case für den Sektor entwickeln können.

Die Anlagetätigkeit in diesem Bereich unterliegt gewissen Schwankungen. 2016 fiel das Investitionsvolumen um 30 Prozent. Verschiedene Faktoren haben ihren Teil dazu beigetragen, unter anderem der generelle Rückzug aus allen Wagniskapitalbranchen. Das lag größtenteils daran, dass 2015 ein echtes Blockbuster-Jahr war, mit einer Rekordzahl sogenannter Einhörner, d. h. Startups, die mit über einer Milliarde Dollar bewertet werden. Die Investoren waren deshalb 2016 besonders vorsichtig. Auch wenn die Investitionen betragsmäßig zurückgegangen sind, die Anzahl der Deals ist um 10 Prozent gestiegen, woran man auch erkennt, dass immer mehr Unternehmer und Investoren sich der Landwirtschaft zuwenden – und das aus gutem Grund! Ich liebe diesen Moment, wo es klick macht: Wenn Anleger zu AgFunder kommen und erkennen, dass sie einer der wichtigsten Branchen weltweit ihren Stempel aufdrücken können, durch Investitionen in neue Agrartechnologien, die neue landwirtschaftliche Methoden, die Ernährungssicherheit und die globale Stabilität fördern. Inzwischen herrscht mehr Betrieb als je zuvor und es gibt keinerlei Anzeichen für ein baldiges Abflachen. Es gibt Möglichkeiten für jeden, selbst für die, die nicht im Traum daran gedacht haben, mal in die Landwirtschaft einzusteigen, so wie ich. Wir bei AgFunder haben es uns zur Aufgabe gemacht, bei der Finanzierung der nächsten landwirtschaftlichen Revolution zu helfen und so viele Menschen wie möglich mitzunehmen.

Besonders mag ich an meinem Job, dass ich immer etwas Neues dazulerne. Ich spreche jeden Tag mit unzähligen Menschen, die Innovationen für die Landwirtschaft entwickeln, darin investieren oder selbst in der Landwirtschaft tätig sind. An einem Tag lerne ich etwas über Gene Editing und das Mikrobiom und am nächsten Tag diskutiere ich darüber, wie man Satellitenbilder und künstliche Intelligenz nutzen kann, um Saatgut effizient auszubringen und Pflanzenschutzmittel nur dort anzuwenden, wo es sein muss. Die Vorstellung, die viele von der Landwirtschaft haben, wird praktisch auf den Kopf gestellt! Sie ist so unglaublich vielfältig – und auch so spannend!

Indem ich Investoren, Unternehmer und andere landwirtschaftliche Akteure mit Informationen über aktuelle Entwicklungen in der Anlagewelt versorge, fungiere ich weiterhin als Fürsprecher für die Landwirtschaft, d. h. als AgVocate. Ich halte es für wichtig, dass wir alle gemeinsam danach streben, unsere künftige Ernährung zu sichern, indem wir in eine nachhaltige Landwirtschaft investieren, nicht nur durch Finanzinvestitionen, sondern auch indem wir selbst Zeit und Mittel investieren.

Die Weltbevölkerung wird bis 2050 auf annähernd 9,6 Milliarden anwachsen und die Produktion von genügend gesunden und nahrhaften Lebensmitteln für alle erfordert eine gute Zusammenarbeit und Mitwirkung innerhalb des Agrarsektors und darüber hinaus. Es ist wichtig, dass jeder, der an dieser wichtigen Aufgabe beteiligt ist, seine Geschichte erzählt und als #AgVocate für die Landwirtschaft eintritt. Achten Sie auch auf die Blogs anderer Teilnehmer, die als #AgVocate auftreten. Der morgige Blogeintrag kommt von Roger Lowe, EVP, Grocery Manufacturers Association. Er spricht über die SmartLabel™-Initiative.

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Von Sonnenblumen und Bohnenfeldern