Martin Gruss

Neonikotinoidhaltige Beizmittel im Rampenlicht

Erst kürzlich hat mich jemand, der wusste, dass ich bei Bayer arbeite, nach dem EU-Verbot „dieser bienenschädlichen Insektizide“ – wie er es ausdrückte – gefragt. Er hatte viel darüber in der Presse gelesen und wollte meine Meinung dazu hören.

Nachdem die Europäische Kommission Ende 2013 drei neonikotinoidhaltige Insektizide verboten hat, lassen sich die Kosten und Nutzen des Verbots jetzt in ein Verhältnis setzen. Die Fakten zeigen, dass das Verbot den europäischen Landwirten erhebliche Kosten auferlegt und weitreichende Umweltauswirkungen nach sich gezogen hat. Eine kürzlich erschienene Forschungsarbeit der HFFA, die den Einfluss des Neonikotinoidverbots auf den europäischen Rapsanbau untersucht, ergab weitreichende wirtschaftliche und ökologische Folgen. Das Verbot verursachte bei den europäischen Rapsbauern Mindereinnahmen von 350 Mio. EUR, ein Minus von 50 Mio. EUR aufgrund von Qualitätseinbußen und weitere 120 Mio. EUR an zusätzlichen Produktionskosten. Hinzu kommt, dass statt der neonikotinoidhaltigen Beizen mehr Blattinsektizide angewendet wurden, was zu einem Anstieg der CO₂-Äquivalente an Treibhausgasemissionen von geschätzten 0,03 Mio. Tonnen und einem höheren Wasserverbrauch von 1,4 Mio. m3 jährlich führt. Die Umstellung auf Raps, der von außerhalb der EU importiert wird, um den weltweiten Bedarf zu decken, hat ebenfalls einen großen Einfluss auf die Umwelt. Zum Beispiel ergeben sich dadurch Biodiversitätsverluste, die einer Brandrodung von 333.000 Hektar indonesischem Regenwald entsprechen.

Landwirte müssen ihren Raps vor Schädlingen wie dem Großen Rapserdfloh schützen, die ihre gesamte Ernte vernichten können. Seit dem Verbot haben sie wiederholt Hilfe bei ihrer jeweiligen Regierung beantragt und zahlreiche Mitgliedstaaten – 2016 waren es allein acht – haben Notfallgenehmigungen für Neonikotinoide in zahlreichen Anbaukulturen wie Raps, Winterweizen und -gerste, Mais und Sonnenblumen erteilt, um ihre Landwirte im Kampf gegen die Schädlinge zu unterstützen.

Martin Gruss
Martin Gruss
Martin Gruss,
Globaler Leiter SeedGrowth der Bayer Division Crop Science
Neonikotinoidhaltige Beizmittel im Rampenlicht
Neonikotinoidhaltige Beizmittel im Rampenlicht
Landwirte müssen ihren Raps vor Schädlingen wie dem Großen Rapserdfloh schützen.

Das EU-Verbot von Neonikotinoiden wurde verhängt, um Bienen zu schützen, doch bisher wurden keine belegbaren Vorteile für Bienen oder andere Bestäuber festgestellt. So lautet das traurige Fazit, das wir jetzt ziehen müssen. Interessanterweise ist kein Land außerhalb der EU dem Verbot gefolgt und eine vor kurzem veröffentlichte Bewertung durch die kanadische Aufsichtsbehörde für Schädlingsbekämpfungsmittel hat die Unbedenklichkeit für die Bestäuber und den Nutzen neonikotinoidhaltiger Insektizide sogar bestätigt. Wir bei Bayer wissen und können zeigen, dass ein verantwortungsvoller Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Rahmen einer integrierten Schädlingsbekämpfung ein weitaus wirksameres Mittel zum Schutz aller Bestäuber vor möglichen Risiken ist.

Nachdem ich die Zusammenhänge erklärt hatte, hat mein Bekannter verstanden, dass die Bienenproblematik sehr viel komplexer ist und ein Verbot von Insektiziden den Ernteerträgen und der Ernährungssicherheit schadet. In meinem nächsten Blogeintrag zu Neonikotinoiden werde ich mich näher mit den negativen Folgen des Verbots für die Landwirtschaft in der EU beschäftigen.

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Von Sonnenblumen und Bohnenfeldern