Robert Glennon

Das Zeitalter der Wasserumverteilung

Robert Glennon ist Professor und der Autor von Unquenchable: Amerikas Wasser-Krise und was zu tun ist. In diesem Blog teilt er seine Ideen über die nachhaltige Nutzung von Wasser.

Der Wasserbedarf für kommunalen, industriellen und landwirtschaftlichen Gebrauch ist vergleichbar mit dem Spiel „Reise nach Jerusalem.“ Es gibt einfach nicht genug Wasser für alles, ohne dass teure und ökologisch bedenkliche Staudämme gebaut werden müssen, Flüsse und Ströme weniger Wasser führen oder Grundwasser gepumpt werden muss, was keine nachhaltige Lösung ist.

Wir können Wasser weder produzieren noch zerstören – das jetzt verfügbare Wasser ist alles, was wir jemals haben werden.

Es gibt nur einen Weg, die nutzbare Wassermenge zu erhöhen: die Meerwasserentsalzung. Diese Option kann aber nur in akuten Bedarfssituationen helfen, in denen auch genug Geld vorhanden ist. Der Entsalzungsprozess ist kostspielig, energieintensiv und umwelttechnisch schwierig.

Also müssen wir mit dem Wasser leben, das wir haben.

Unser Wasservorrat ist eigentlich nichts anderes als das Haushaltsbudget in einer Familie. Am Monats- oder Jahresende hat das Geld entweder gereicht, wir müssen an unsere Ersparnisse gehen oder uns etwas von der Bank leihen.

Wir können sparen.

Die gute Nachricht ist, dass wir innerhalb unseres „Wasserbudgets“ leben können. Als Erstes können wir in unserem Wasserverbrauch sparsam sein.

Wir können wiederverwenden.

Eine zweite Möglichkeit ist die Wiederverwendung von Wasser. Schon immer hat der Mensch Wasser wiederverwendet. Zur Verwendung als Trinkwasser ist dieses Wasser nicht geeignet, doch für andere Zwecke ist die Qualität gut genug. Verwenden wir es doch für die Bewässerung von Golfplätzen, Parks und Friedhöfen oder in der Industrie z. B. für Kraftwerke.

Robert Glennon
Robert Glennon
Robert Glennon ist Professor an der University of Arizona und der Autor von Unquenchable.

Wir können umstrukturieren.

Für das Wassermanagement stehen uns zwei weitere Instrumente zur Verfügung: Preissignale und Marktkräfte. Wir brauchen sinnvolle Wassertarife mit steigenden Blocktarifen und auch eine sichere Versorgung für Geringverdiener.

Wir können Verantwortung umverteilen.

Unser letztes Instrument weist in die Zukunft: Wir treten ein in das Zeitalter der Wasser-Umverteilung. Nutzen wir doch die Marktkräfte, um das Wasser dorthin umzuverteilen, wo es möglichst hohe Wertschöpfung erbringt. Das Handelspotenzial ist riesig. Ein Acre-foot Wasser (ca. 1200 m³), der zum Anbau von Luzerne genutzt wird, generiert im Handel ca. 900 USD. Die gleiche Menge Wasser generiert im Salatanbau ca. 4.600 USD und in der Produktion von Computerchips sogar 13 Millionen USD. Eine enorme Werte-Diskrepanz – das schafft Raum für Verhandlungen.

Unsere Aufgabe ist klar: Wir müssen Möglichkeiten finden, die Wasserversorgung für wachsende Städte zu sichern, ohne unseren ländlichen, landwirtschaftlich geprägten Gemeinden zu schaden.

Wir können Landwirten dabei helfen, noch effizienter zu wirtschaften.

Meine Lösung für dieses Problem lautet, dass Städte und Industrie die Landwirte für die Modernisierung ihrer Bewässerungsinfrastruktur bezahlen sollten.

Entwickeln wir also ein Finanzierungsprogramm für die Modernisierung der Bewässerungsinfrastruktur. Die Städte würden den Landwirten alles Notwendige für die Einrichtung von hocheffizienten Systemen zur Verfügung stellen, und im Gegenzug bekämen sie dafür die Rechte am so eingesparten Wasser. Es gewinnen beide Seiten. Die Landwirte würden weiterhin genauso viele Pflanzen anbauen, dabei aber ein bisschen weniger Wasser verbrauchen. Die Städte würden Wasser für Wachstum erhalten. Diese Lösung dient daher beiden Parteien – Landwirten und Städten. Und was auch wichtig ist: Die Landwirte können so ihren Betrieb weiterführen und damit wird auch die Zukunft der ländlichen Gemeinden gesichert.

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