Sarah Hovinga

In der Landwirtschaft zu arbeiten ist langweilig? Auf keinen Fall!

Wenn man mich im Alter von 16 Jahren gefragt hätte, was ich beruflich einmal machen wolle, wäre mir die Landwirtschaft ganz sicher nicht in den Sinn gekommen.

Stattdessen habe ich mit dem Gedanken gespielt, im medizinischen Bereich zu arbeiten, Anwältin zu werden oder mich vielleicht sogar den Geisteswissenschaften zu widmen. Ich glaube, als Jugendliche war ich in der Vorstellung einer schwarz-weißen Welt gefangen, in der man sich für seinen Beruf zwischen sehr unterschiedlichen, genau festgelegten Pfaden entscheiden musste. Ich konnte einfach nicht erkennen, wie viele Grautöne und Überschneidungen es bei Berufswegen gibt, und war vollkommen blind für Bereiche wie die Agrarwirtschaft. Ich dachte, Nahrungsmittel anzubauen sei etwas für Herrn und Frau Jedermann: Latzhosen und Holzfällerhemden tragen und tagein, tagaus die Erde auf den Feldern bearbeiten, die sich bereits seit hundert Jahren im Familienbesitz befinden. Also ganz bestimmt nichts für ein wissbegieriges Mädchen aus der Gegend des ehrwürdigen Redwood-Nationalparks in Kalifornien.

Während meiner Schulzeit wusste ich nicht wirklich, was ich machen wollte, doch ich tendierte zu den Naturwissenschaften. Ehe ich mich versah, arbeitete ich ehrenamtlich in einem botanischen Garten der Universität von Kalifornien in Davis. Dort entdeckte ich meine Liebe für Pflanzen. Einige Zeit später fand ich einen Praktikumsplatz im Labor eines Start-up-Agrarunternehmens und bemerkte: Hey, ich kann etwas aus meiner Liebe für Pflanzen machen! In diesem Moment hat die Landwirtschaft mich in ihren Bann gezogen. Ich konnte im Labor Einblick in viele Bereiche erhalten: von der Pflanzenpathologie über die Mikrobiologie und Chemie bis hin zur Fermentation und Formulierung von Pflanzenschutzmitteln. So habe ich im Laufe der letzten 11 Jahre in der Agrarwirtschaft gearbeitet und die vielen beruflichen Möglichkeiten kennengelernt, die die Landwirtschaft zu bieten hat. Man kann im Vertrieb, auf dem Kommunikationsgebiet oder im Zulassungsbereich tätig sein. Man kann die Welt bereisen, mit Kindern arbeiten oder Ernährungsprogramme entwickeln. Die Möglichkeiten, die sich einem durch die Agrarwirtschaft eröffnen, sind so vielseitig und ertragreich wie die üppige Ernte, die sie einbringt.

Einer der Hauptgründe dafür, dass ich so gerne in der Landwirtschaft tätig bin, sind die Menschen. In meinem unmittelbaren Umfeld arbeite ich gemeinsam mit Forschern, die so intelligent sind, dass sie an der Umsetzung der Teleportation tüfteln könnten. Sich jeden Tag mit diesen warmherzigen, passionierten und klugen Kollegen auszutauschen und Seite an Seite zu wirken, lässt mich zu einer besseren Wissenschaftlerin und einem besseren Menschen werden. Manchmal begutachte ich mit unseren Agronomen die Umsetzung einer Studie im Feld, treffe einen Züchter oder reise in ein anderes Land, um mir die jeweiligen Landwirtschaftsmethoden vor Ort anzusehen. So lerne ich immer etwas dazu und fühle mich anschließend sehr bereichert. Diese Erlebnisse verleihen mir das Gefühl, dass ich demselben Team angehöre, das gleiche Ziel vor Augen habe und wir gemeinsam dafür arbeiten. Meines Erachtens sind Menschen, die in der Lebensmittelerzeugung tätig sind, kreativ, zukunftsorientiert, bodenständig und respektvoll – und zwar unabhängig davon, ob sie auf dem Feld oder im Labor arbeiten.

Sarah Hovinga
Sarah Hovinga
Sarah Hovinga,
Leitende Wissenschaftlerin, Biologics Projekt- und Produktunterstützung, Krankheitsmanagement, Bayer Division Crop Science

Ein weiterer Grund, warum ich die Arbeit in der Agrarwirtschaft liebe, ist ganz eindeutig der wissenschaftliche Aspekt: Von den Fortschritten im Bereich Digital Farming, mit dem die Zukunft nachhaltiger Landwirtschaft gestaltet wird, bis zu der umfangreichen Forschung, die in die Vielfalt an nahrhaftem Obst und Gemüse einfließt, das wir täglich verzehren. Ohne die Fortschritte moderner Agrarwirtschaft könnten wir Nahrungsmittel nicht in solch rauen Mengen herstellen. Ein Beispiel hierfür ist die Mechanisierung der Landwirtschaft. Dadurch konnten unter anderem Effizienz und Sicherheit erhöht werden, und die Arbeit in der Agrarwirtschaft wurde noch bedeutender und fortschrittlicher. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem ich zusammen mit einem Bauern auf einem Kartoffelacker in Minnesota stand und voller Bewunderung bei der Ernte zusah. Er drehte sich zu mir um, sah meinen erstaunten Blick, den ich der Erntemaschine zuwarf, und sagte nur: „Dann sieh mal zu, dass du da hochkommst, wenn du mitfahren möchtest.“ Nachdem ich in die zweistöckige Maschine eingestiegen war, sah ich freudestrahlend dabei zu, wie die Kartoffeln aus der Erde gegraben wurden. Danach wurde die an den Knollen haftende Erde abgeschüttelt und die Kartoffeln gelangten über ein Fließband in ein anderes Fahrzeug mit einem großen Sammelbehälter, von wo aus sie dann zur Lagerung und Verarbeitung abtransportiert wurden.

Zu guter Letzt wären da noch die Freude und das Wissen darüber, wie Pflanzen angebaut werden, sowie die Verbindung, die ich zu meinem Essen spüre. Hierin besteht ein weiterer klarer Vorteil, wenn man in der Landwirtschaft arbeitet. Schließlich nimmt das Essen unter all den Dingen, die wir Menschen tagaus, tagein tun, zeitlich wohl einen sehr großen Teil ein. Wäre es nicht toll, wenn man bei jedem Stück Obst oder Gemüse oder jeder Portion Müsli die Geschichte dahinter kennen würde? Wäre es nicht wunderbar, wenn Millionen Menschen das gleiche Erlebnis miteinander teilen könnten? Und wäre es nicht fantastisch, einen Beitrag zu dieser Geschichte leisten und stolz auf die vollbrachte Arbeit sein zu können? So fühle ich mich bei den meisten Mahlzeiten. Ich denke an die Menschen, die Forschung, die Leidenschaft, die Entfernung, den Prozess und das Netzwerk hinter diesem Gut. Dies geschieht alles, damit es auf meinem Teller landen kann – für mich und durch mich.

Eine berufliche Laufbahn in der Landwirtschaft ist eine hochmoderne, erfüllende und lehrreiche Reise. Meiner Meinung nach läuft dies alles wieder darauf hinaus, mit guten Menschen im selben Team zu sein und an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten: die Welt auf nachhaltige Art zu ernähren und mit jedem Tag noch bessere Lösungen zu finden.

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