Tobias Menne

Wir durchdenken unser Geschäft immer wieder neu

Die Digitalisierung fordert eine Neugestaltung von Unternehmen und deren Geschäftsumfelder. Dies gilt natürlich auch für Bayer. Wie genau dieser Wandel unser Geschäftsmodell beeinflussen wird, lässt sich zwar nicht vorhersagen, aber wenn wir erfolgreich bleiben wollen, müssen wir die Idee des Wandels verinnerlichen. Es ist an der Zeit, aktiv zu werden!

Wie können wir in einer digitalen Welt am besten zur Wertschöpfung beitragen? Diese Frage muss sich nicht nur Bayer stellen, sondern auch jedes andere Unternehmen, egal aus welcher Branche. Einige experimentieren bereits mit neuen Geschäftsmodellen, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu verbessern. Die Digitalisierung führt also zu mehr Wettbewerb unter den etablierten Unternehmen, öffnet zugleich aber auch die Tür für so manchen Markteinsteiger. Das heißt, für uns ist es an der Zeit, bestehende Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und die Chance zu ergreifen, uns erfolgreich für die Zukunft aufzustellen.

Aber was müssen wir dafür tun? Ich denke, wir müssen Antworten auf zwei zentrale Fragen finden:

  1. Wie können wir einen höheren Nutzen für unsere Kunden erreichen und das Kundenerlebnis verbessern? 
  2.  Wie könnte das dazugehörige Geschäftsmodell aussehen?

Ich möchte meine Gedanken zu diesen Fragen gerne mit Ihnen teilen auch Ihre Meinung dazu hören. Deshalb würde ich mich über Anmerkungen im Kommentarfeld freuen. Sie können mich aber auch über Twitter oder LinkedIn kontaktieren oder wir sprechen bei einer Tasse Kaffee darüber.

Tobias Menne
Tobias Menne
Tobias Menne,
Globaler Leiter Digital Farming, Bayer Division Crop Science

Höherer Kundennutzen und besseres Kundenerlebnis

Bayer ist mit seinem Pflanzenschutzgeschäft seit vielen Jahrzehnten erfolgreich. Um an diese Erfolge anknüpfen zu können, müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie wir unsere etablierten Pflanzenschutzmittel durch Daten aufwerten können, und wir müssen unser derzeitiges Kundenerlebnis überdenken. Aber wo fangen wir an? Am besten mit einer Bestandsaufnahme unserer bestehenden Produkte und Dienstleistungen und der dazugehörigen Prozesse. Welche davon sind bereits digital? Welche nicht oder nicht vollständig? Und welche könnten durch digitale Technologien aufgewertet werden?

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Man nehme beispielsweise den Fungizideinsatz. Der ideale Zeitpunkt für die Anwendung lässt sich nur sehr schwer ermitteln. Als Landwirt muss man das Wachstum der Pflanzen, ihre Anfälligkeit für Krankheiten, die Maßnahmen benachbarter Landwirte und das aktuelle und künftige Wetter ständig im Auge behalten. Unsere neu entwickelte digitale Lösung macht diese Aufgabe leichter. Sie ermittelt anhand einer Vielzahl feldspezifischer Daten den richtigen Anwendungszeitpunkt und informiert den Landwirt automatisch, wann es Zeit ist für die jeweilige Anwendung. Dadurch verbessern sich die Chancen auf optimale Erträge.

Tobias Menne - Wir durchdenken unser Geschäft immer wieder neu
Tobias Menne - Wir durchdenken unser Geschäft immer wieder neu
Mit der Scouting-App können die Landwirte genau bestimmen, welches Unkraut auf ihren Feldern wächst.

Gewinnbringende Datenflut

Der Entwicklungsprozess für digitale Lösungen unterscheidet sich erheblich von der Art und Weise, wie Pflanzenschutzmittel entwickelt werden. Eine digitale Lösung wird nicht unbedingt auf einen Schlag entwickelt. Ausgehend von einer Minimallösung, auch als Minimum Viable Product bekannt, fügt man schrittweise bei jedem neuen Release immer neue Funktionen hinzu. Wir arbeiten beispielsweise an einer Scouting-App, die es den Landwirten ermöglicht, mithilfe ihrer Smartphone-Kamera den Zustand ihrer Anbaukulturen und Felder zu ermitteln. Anstatt alle geplanten Komponenten auf einmal zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, haben wir mit einer App für die Unkrautbestimmung begonnen. Diese App ist bereits auf dem Markt erhältlich und wir entwickeln jetzt schrittweise weitere Komponenten, z. B. zur Ernteeinschätzung, zum Insekten-Monitoring, zur Bestimmung von Krankheiten und zur Ermittlung der Nährstoffversorgung, um die Funktionalität der App in den nächsten Monaten zu erweitern. Dank dieser Strategie ist es uns möglich, das Produkt schneller auf den Markt zu bringen, praktische Erfahrungen zu sammeln und die Lösung anhand dieser Kenntnisse zu verbessern.

In dem Landwirte die Scouting-App nutzen, erhalten wir im Gegenzug wertvolle agronomische Informationen, beispielsweise zur regionalen Verbreitung von Unkräutern, Insekten oder Krankheiten. Zusammenhänge zwischen bestimmten Wetterparametern und dem Auftreten bestimmter Krankheiten werden ebenfalls aufgedeckt. Wir können die Auswirkungen dieser massiven Datenflut zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht einschätzen. Klar ist jedoch, dass sie uns helfen kann, unsere digitalen Lösungen und unsere konventionellen Pflanzenschutzmittel weiter zu verbessern. Außerdem wird sie uns helfen, völlig neue und bessere Lösungen für die Landwirte zu entwickeln.

Neuerfindung eines erfolgreichen Geschäftsfeldes

Neben den Änderungen in unseren Wertschöpfungsprozessen ist es notwendig, unsere etablierten Geschäftsmodelle anzupassen und neue Chancen zu ergreifen. Nehmen wir zum Beispiel die Automobilindustrie. Die Autobauer mussten fürchten, potenzielle Kunden an Wettbewerber wie Carsharing-Anbieter zu verlieren, weil es einigen Fahrern nur darum geht, schnell und bequem von A nach B zu kommen. Der Besitz eines Autos ist für sie nur ein notwendiges Übel. Um diesen Trend umzukehren, fingen Automobilhersteller wie GM, BMW und Toyota an, eigene Carsharing-Dienste anzubieten. Damit haben sie ihrem traditionellen Besitzmodell ein ergebnisbasiertes Geschäftsmodell hinzugefügt. Für uns ist es genauso wichtig, nach neuen Möglichkeiten zu suchen, wie wir dem Kunden das gewünschte Endergebnis liefern können – unabhängig davon, wie wir diese Bedürfnisse in der Vergangenheit befriedigt haben.

Als erstes müssen wir uns fragen, was genau wollen und brauchen die Landwirte? Sind sie bereit, mehr für Pflanzenschutzmittel oder gesunde Felder zu zahlen? Ich würde sagen: Lassen Sie es uns herausfinden! Denn genau darum geht es bei der digitalen Transformation. Es gibt nicht nur eine, sondern unzählige Entwicklungsmöglichkeiten. Erfolgreich kann man nur sein, wenn man möglichst viele Chancen erkundet, die sich einem bieten – selbst wenn sich einige als Sackgasse herausstellen sollten. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, damit anzufangen.

Wenn Sie an der Digitalisierung interessiert sind und gerne wissen möchten, welche Chancen sich daraus für die Landwirtschaft ergeben, klicken Sie hier.

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Alle Kommentare

Michael
Donnerstag 17. August 2017, 19:09

Wie wäre eine CO2 Zertifikat Verkauf durch Landwirte? CO2 wird ja jede Menge aufgearbeitet durch Mais etc.

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Kommentar
Von Sonnenblumen und Bohnenfeldern