Pekka Pesonen

Herausforderungen mit
Innovationen meistern

Pekka Pesonen
Pekka Pesonen
Die EU zählt zu den Garanten der Ernährungssicherung weltweit. Damit dies so bleibt, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen. Liam Condon, Vorstandsmitglied der Bayer AG und Präsident der Division Crop Science, im Gespräch mit Pekka Pesonen, Generalsekretär von COPA-COGECA.

Liam Condon Etwa 20 Prozent des weltweit produzierten Weizens wird in der Europäischen Union angebaut. Weizen ist zu einem der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Welt geworden. Ein Fünftel des weltweiten Kalorienbedarfs wird durch Weizen und seine Produkte gedeckt. Im Laufe der vergangenen 20 Jahre ist die Weizenproduktion weltweit nur um ein Prozent jährlich gestiegen. Mit der wachsenden Weltbevölkerung nimmt jedoch die Nachfrage zu. Außerdem verändern sich die Ernährungsgewohnheiten in den Entwicklungsländern. Der Trend geht hin zu eiweißhaltigeren Lebensmitteln, wie sie in Indus­trie­nationen konsumiert werden. Für europäische Landwirte, die ihr Einkommen sichern, Lebensmittel erzeugen, die Umwelt schützen und die Bedürfnisse der Verbraucher berücksichtigen müssen, bietet diese Entwicklung Chancen. Sie stellt die Landwirte jedoch auch vor Herausforderungen. Wenn die europäische Landwirtschaft ihre Rolle als „Kornkammer der Welt“ auch zukünftig ausfüllen soll, brauchen wir nachhaltige Lösungen.

Pekka Pesonen Absolut. Wir bürgen mit für die weltweite Ernährungssicherung und tragen damit eine sehr große Verantwortung. Nach Angaben der Europäischen Kommission haben die EU-Länder allein 2013 landwirtschaftliche Produkte und Rohstoffe mit einem Gesamtwert von 120 Milliarden Euro exportiert. Um auch in Zukunft die globale Nachfrage nach Nahrungsmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion befriedigen zu können, müssen wir die drei Pfeiler der Nachhaltigkeit erhalten: die gesellschaftliche, die wirtschaftliche und die ökologische Säule. Dafür benötigen Landwirte unter anderem angemessene Risikomanagement-Systeme und stabile finanzielle Rahmenbedingungen, mit denen sich Un­sicherheiten durch schlechtes Wetter verringern lassen. Außerdem brauchen die Landwirte Frühwarnsysteme, die rechtzeitig auf die Verbreitung von Schädlingen und Krankheiten hinweisen, und Mechanismen, die Verluste durch Schädlings- und Krankheitsbefall kompensieren. Darüber hinaus fehlt es Landwirten häufig an wirksamen Alternativen im Pflanzenschutz. Das hat Auswirkungen auf die Produktionsmengen und schmälert Erträge. Erst kürzlich mussten aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen fast zwei Drittel aller aktiven Wirkstoffe vom Markt genommen werden. Gleichzeitig führen die neuen EU-Bestimmungen für Rückstandshöchstmengen dazu, dass immer weniger Wirkstoffe zugelassen werden. Insbesondere das Verbot chemischer Wirkstoffalternativen könnte zu vermehrten Problemen mit resistenten Krankheitserregern und Schädlingen führen. Und das gefährdet wiederum die Ernten.

COPA-COGECA
COPA-COGECA
COPA-COGECA: Die Stimme der Landwirte
Als Zusammenschluss der beiden großen landwirtschaftlichen Dachor­ganisationen in der EU vertritt Copa-Cogeca die Interessen von 26 Millionen Landwirten und 38.000 landwirtschaftlichen Genossenschaften in Europa. Copa-Cogeca hat es sich zum Ziel gesetzt, die allgemeinen Interessen der Landwirtschaft zu vertreten, Beziehungen zu EU-Einrichtungen ebenso wie zu anderen Vertreterorganisationen auf EU-Ebene zu pflegen und Lösungen zu finden, die den Interessen beider Partnerorganisationen entsprechen. 

Liam Condon Stimmt. Pflanzenschutzmittel spielen in dieser Hinsicht eine große Rolle, denn ohne ihren Einsatz würden Erträge um 40 Prozent sinken. Die Landwirte brauchen einen Werkzeugkasten, um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein, sowie Hilfe für nachhaltige Ertragssteigerungen und Unterstützung gegen die Entwicklung von Resistenzen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor dabei sind Investitionen in Forschung und Entwicklung. Wir arbeiten engagiert an der Entwicklung lokal angepasster, stresstoleranter und ertragreicher Pflanzensorten sowie neuer biologischer und chemischer Pflanzenschutzmittel. Doch dazu brauchen wir verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen. Die Entwicklungszeit eines Pflanzenschutzmittels bis zur Marktreife beträgt etwa zehn bis elf Jahre. Das bedeutet enorme Kosten von bis zu mehr als 200 Millionen Euro. Während ihrer Entwicklung werden die Produkte unter strengen Bedingungen und behördlicher Aufsicht geprüft. Im Mittelpunkt stehen nicht nur toxikologische Eigenschaften. Es geht auch darum, dass nach richtiger Anwendung keine Wirkstoffrückstände im Boden und in Lebensmitteln verbleiben. Bevor ein Produkt auf den Markt kommt, führen europäische Hersteller je nach Art des Produkts zahlreiche weitere Tests durch, die eine sichere Anwendung gewährleisten sollen.

Pekka Pesonen Für die Landwirte ist es außerdem wichtig, dass es nur einen Markt für Pflanzenschutzprodukte gibt – ohne unnötige Segmentierungen. Diese führen zu einer Wettbewerbsverzerrung und bedeuten, dass Produkte für Lückenindikationen oder Sonderkulturen nur eingeschränkt verfügbar sind.

Pekka Pesonen

Europa muss seine Rolle als Kornkammer der Welt auch morgen noch ausfüllen können.

Pekka Pesonen, Generalsekretär von COPA-COGECA

Liam Condon Was wir vor allem brauchen, ist ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer – sowohl untereinander als auch mit der Öffentlichkeit. Basis für Entscheidungen von Unternehmen, Regierungen und Gesellschaft müssen wissenschaftliche Lösungen sein, die gesellschaftliche Bedürfnisse erfüllen. Wir sind überzeugt, dass ein wechselseitiger Informationsaustausch und ein ehrlicher, konstruktiver Dialog mit allen Beteiligten nötig sind. Nur so können Verständnis und Offenheit gegenüber neuen Lösungen und Technologien entstehen. Projekte wie unser „Future Forum“-Programm und unsere Plattform „Farming’s Future Dialogues“ tragen zu diesem Austausch bei und konnten sich bereits als Plattformen für den Wissenstransfer bewähren. Diese und ähnliche Projekte stärken unsere Partnerschaften und schaffen neue Kooperationschancen.

Pekka Pesonen Ich teile diese Sicht. Damit die Notwendigkeit von Pflanzenschutzlösungen anerkannt wird, müssen alle – Landwirte, Hersteller und Verbraucherorganisationen – im Rahmen eines wissenschaftlich basierten Ansatzes zur Risikominimierung zusammenarbeiten. Um Innovationen in die Landwirtschaft und auf den Markt bringen zu können, brauchen wir eine stärkere Zusammenarbeit und mehr gegenseitiges Verständnis. Es geht dabei um nichts Geringeres als um die Versorgung der Menschen mit hochwertigen, gesunden und bezahlbaren Nahrungsmitteln. Im Gegenzug benötigen die Landwirte verlässliche und wirksame Werkzeuge für den Pflanzenschutz. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der Wissens- und Informationsaustausch zwischen fachkundigen Vertretern aus Industrie, Vertrieb und Verbraucherverbänden. Alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen, denn nur so können wir landwirtschaftliche Technologien weiterentwickeln und Europas Rolle als Kornkammer der Welt auch zukünftig ausfüllen.

Liam Condon

Basis für Entscheidungen von Unternehmen, Regierungen und Gesellschaft müssen wissenschaftliche Lösungen sein, die gesellschaftliche Bedürfnisse erfüllen.

Liam Condon, Vorstandsmitglied der Bayer AG und Präsident der Division Crop Science
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