Dr. Kristian Möller

Mehr Transparenz
schaffen

Mehr Transparenz Schaffen
Kristian Moeller
Der Trend zu mehr Transparenz durchdringt alle Lebensbereiche – auch die Nahrungsmittelindustrie. Noch vor einigen Jahren ging es vor allem um das ,tell me‘: Also viele landwirtschaftliche Betriebe kommunizierten, dass sie eine nachhaltige Agrarpraxis betreiben.

Der Trend zu mehr Transparenz durchdringt alle Lebensbereiche – auch die Nahrungsmittelindustrie. Noch vor einigen Jahren ging es vor allem um das ,tell me‘: Also viele landwirtschaftliche Betriebe kommunizierten, dass sie eine nachhaltige Agrarpraxis betreiben. Heute orientiert man sich mehr in Richtung des ,show me‘. Deshalb suchen Landwirte nach Möglichkeiten, mit denen sie ihr Versprechen transparent nachweisen können: die sichere und nachhaltige Produktion unserer Lebensmittel. Und diese neue Art der Transparenz wird nicht zuletzt befeuert durch die Digitalisierung. Denn beispielsweise die sozialen Netzwerke fördern den direkten Austausch zwischen Landwirten, Verbrauchern und Händlern. Diese Art der Kommunikation wird zukünftig weiter wachsen. Damit sind die Landwirte aber auch sehr schnell direkter Kritik oder gar Vorurteilen ausgeliefert.

Den Wunsch nach mehr Transparenz können Landwirte aktiv gestalten – beispielsweise durch die Zertifizierung ihrer Produkte. Diese sind der Schlüssel zu weitaus mehr Transparenz und helfen Landwirten bei der Dokumentation ihrer landwirtschaftlichen Praxis. Damit können sie die hochwertige Qualität ihrer Erzeugnisse glaubhaft belegen – und diese wird auch im Handel und beim Endverbraucher deutlicher wahrgenommen. Das stärkt die Geschäftsbeziehungen der zertifizierten Landwirte, weil auch die Zwischen- und Einzelhändler von der zuverlässig hohen Qualität, der Sicherheit und Rückverfolgbarkeit der Produkte profitieren. Zudem verschafft die Zertifizierung den Landwirten auch entscheidende Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten, die keine Zertifizierung vorweisen können. Zertifizierungen sind also nicht nur der Schlüssel zu mehr Transparenz, sie erhöhen auch die Wirtschaftlichkeit eines Landwirts. Denn nachweisbare Qualität lässt sich am Markt besser verkaufen.

Standard zur Orientierung

Freiwillige Aktivitäten für Zertifizierungen, wie die GLOBALG.A.P.-Zertifizierung, unterstützen diese Prozesse. GLOBALG.A.P. ist ein Standard für die sichere und nachhaltige Produktion von Lebensmitteln. Er vereinfacht das Miteinander innerhalb der globalen Partnerschaften im Lebensmittelbereich. So muss nicht jeder Akteur der gesamten Lieferkette selbst seine Produkte kontrollieren. Stattdessen kann er sich auf Standards verlassen, die kontrolliert umgesetzt werden. Das vermeidet unwirtschaftliche Doppelungen entlang der Lieferkette, weil eine einheitliche Sprache existiert.

Die GLOBALG.A.P.-Kriterien bestehen aus 240 Fragen, die für die Erzeugung relevant sind. Dazu gehören beispielsweise die Bereiche Umweltschutz, Rückverfolgbarkeit und Lebensmittelsicherheit. Unser Standard verlangt unter anderem mehr Effizienz in der Produktion: Er verbessert die Geschäftsergebnisse und hilft bei der Einsparung lebenswichtiger Ressourcen. Ebenso erfordert er eine landwirtschaftliche Praxis, die bestmögliche Voraussetzungen für zukünftige Generationen schafft. Jede Farm mit einem GLOBALG.A.P.-Zertifikat ist in unserer Datenbank registriert. Wir arbeiten derzeit intensiv daran, dass sich alle Landwirte weltweit mit lokalen und globalen Lieferketten verlinken können.

GLOBALG.A.P.
GLOBALG.A.P. steht für gute Agrarpraxis und setzt Standards für die globale Zertifizierung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Es ist eines der weltweit führenden Qualitätssicherungssysteme in der Landwirtschaft mit einem Fokus auf Lebensmittelsicherheit. Hinzu kommt ein transparentes Integritätssystem für eine weltweit einheitliche Umsetzung der Anforderungen. GLOBALG.A.P. entwickelt kundenspezifische Lösungen für die Zertifizierung und Prüfung von Betrieben und den Aufbau von Trainingsprogrammen. Heute sind rund 155.000 Primärproduzenten in 119 Ländern zertifiziert. GLOBALG.A.P.-Anforderungen konzentrieren sich in erster Linie auf die Produktsicherheit und Umweltverträglichkeit sowie die Gesundheit, Sicherheit und das Wohlergehen von Mensch und Tier. 

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GLOBALG.A.P. kooperiert seit seiner Entstehung auch sehr eng mit Bayer und anderen führenden Agrarunternehmen. Im Jahr 2014 beispielsweise haben GLOBALG.A.P. und die Food Chain Partnership-Initiative von Bayer gemeinsam vier Expertenschulungen in Mittelamerika, Afrika, Europa und im Raum Asien-Pazifik durchgeführt, um Kompetenzpartner von Bayer zu qualifizieren. Sie sorgen in den landwirtschaftlichen Betrieben für Qualitätssicherung nach unseren Richtlinien. Gemeinsam haben wir das neue Serviceprogramm BayGAP-Tool entworfen. Es besteht aus drei Kernbereichen: intensive Schulung in der Gruppe, individuelle Anbauberatung und Qualitätssicherung. Damit wurde ein Grundstein gelegt, um auch Kleinbauern zu helfen, die Anforderungen „Guter Landwirtschaftlicher Praxis“ erfüllen zu können und lokale Kunden gemäß deren Anforderungen beliefern zu können.

Zukunftspläne entwickeln

Das ist aber nur ein Teil unserer Arbeit. Zukünftig will GLOBALG.A.P. noch mehr Ressourcen für eine Unterstützung landwirtschaftlicher Betriebe bereitstellen. Das bedeutet: mehr Training und Infrastruktur. Zudem wollen wir noch mehr Anreize schaffen, diese Praktiken auch anzuwenden. Diejenigen, die tatsächlich nachhaltiger produzieren, müssen sich von den Konkurrenten ohne Zertifizierung eindeutig abheben. Denn wer verantwortungsvolle Landwirtschaft betreibt, muss auch die Früchte ernten – und soll wirtschaftlich davon profitieren. Wir müssen also einen Markt für sichere und landwirtschaftliche Warentrennung schaffen. Denn Händler und Endverbraucher werden diese garantiert hochwertigen Produkte erkennen und wertschätzen. So trennt sich sehr einfach die Spreu vom Weizen.

Diese Vorgehensweise ist kein Selbstzweck, sondern eine Notwendigkeit: Denn Landwirte stehen vor der großen Herausforderung, die ständig wachsenden Ansprüche des Markts zu erfüllen. Zertifizierungen können deshalb hilfreiche und geschickte Mittel sein, um die Sicherheit ihrer Produkte zu demonstrieren. Durch Transparenz gewährleisten zertifizierte Betriebe die Integrität ihrer Produkte und sichern sich das Vertrauen ihrer Kunden. So vergrößern sie ihr Potenzial, langfristig größere Erträge zu erwirtschaften, und tragen zu einer starken und sicheren Lieferkette innerhalb der gesamten Nahrungsmittelindustrie bei.

Verfasst von Dr. Kristian Möller, Geschäfts­führer des Qualitätssicherungssystems GLOBALG.A.P.

Dr. Kristian Möller

Landwirte suchen nach Möglichkeiten, mit denen sie ihr Versprechen transparent nachweisen können: die sichere und nachhaltige Produktion unserer Lebensmittel.

Dr. Kristian Möller, Geschäfts­führer des Qualitätssicherungssystems GLOBALG.A.P.
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