Clemens Delatrée

Clever in die
Landwirtschaft von morgen

Clemens Delatrée
Clemens Delatrée
Mit digitalen Werkzeugen optimieren Landwirte ihre Agarpraktiken – für gesunde Felder und hohe Erträge. Digital-Farming-Experte Clemens Delatrée erklärt, welche Chancen und Herausforderungen diese Entwicklung begleiten – und gibt praktische Tipps.

Die konventionelle Landwirtschaft steht vor einer großen Herausforderung: Um uns selbst und die Tiere, von denen wir uns ernähren, auch in Zukunft mit genügend Nahrung versorgen zu können, muss die Landwirtschaft effizienter werden. Die landwirtschaftliche Intensivierung ist nicht allein die Lösung dafür. Auf der Erde ist nicht mehr viel neuerschließbare Fläche übrig: Insgesamt rechnen Experten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) mit nur noch etwa vier Prozent Flächenwachstum. Dazu kommt, dass Landmaschinen nicht unendlich größer werden können und auch Saatgut und Pflanzenschutz nur bis zu einem gewissen Grad Erträge steigern. Um die Effizienz der konventionellen Landwirtschaft also noch weiter zu steigern und die Produktivität der Böden auch langfristig zu erhalten, müssen wir Ressourcen intelligenter einsetzen. Das betrifft sowohl die kostbaren natürlichen Güter wie Wasser und Böden als auch Dünger oder Pflanzenschutz.

Die vernetzte Farm hilft uns, dieses Ziel zu erreichen. Das Konzept leitet sich vom Trend zum sogenannten Internet der Dinge ab: Im Endverbrauchermarkt spricht man aktuell viel von Home Automation, und es gibt jetzt schon Apps, die es ermöglichen, die Beleuchtung, die Heizung oder die Rollläden fernzusteuern. Die Landwirtschaft ist in diesem Punkt schon weiter: Längst ist es möglich, mit GPS ausgestattete Landmaschinen selbstgesteuert über das Feld fahren zu lassen. Zeitgleich generieren sie Ertragskarten oder Karten, die die Pflanzengesundheit in einem Feld darstellen. Das gibt es alles schon heute. Es wird gerne unter dem Begriff Precision Farming zusammengefasst. Und ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Verfügbarkeit von möglichst vielen dieser erhobenen Präzisionsdaten bessere Entscheidungen in der täglichen Betriebspraxis erlaubt.

Die daraus entstehenden Vorteile sind vielfältig: Heute sind Landwirte beispielsweise in der Lage, spezielles Saatgut mit integrierten Pflanzenschutzmaßnahmen zu kombinieren, um bessere Ernten zu erzielen. Das Vernetzen der Informationen, zum Beispiel welches Saatgut mit welchem Pflanzenschutz in welchem Boden und bei welchem Klima am besten gedeiht, ist clevere Landwirtschaft oder auch Smart Farming. Der nächste Schritt wäre, aktuelle und historische Wetterdaten mit satellitengestützten Biomasse- oder Chlorophyllmessungen und Ertragsdaten zu kombinieren. Daraus ließe sich dann – beispielsweise auch im Zusammenhang mit speziellen Sorteneigenschaften – der optimale Pflanzenbau ableiten. Dieses integrierte Vorgehen ist um Klassen besser als die derzeit vorhandenen Insellösungen. Wir nennen das Decision Farming. Und viele Experten sind der Ansicht, dass dieser Ansatz die Landwirtschaft weiter revolutionieren wird.

Clemens Delatrée

Alle Beteiligten sollten zielorientiert zusammenarbeiten, um dem Landwirt eine Informationsplattform zu bieten, die er an seine Bedürfnisse anpassen kann.

Clemens Delatrée, CEO green spin

Unter anderem wird eines dabei besonders wichtig sein: Der Landwirt soll mit dieser Entwicklung nicht wegrationalisiert werden. Im Gegenteil, wir müssen die Dinge immer aus der Sicht des Landwirts betrachten und wir dürfen dabei sein Wissen, das oft über Generationen weitergegeben wird, nicht in Abrede stellen. Trotzdem kommt es dem Landwirt entgegen, wenn er eine Entscheidungshilfe an die Hand bekommt, die ganz speziell auf ihn zugeschnitten ist. Er kann damit seinen Beruf noch verantwortungsvoller ausüben, da er eine Datengrundlage hat, die seine Entscheidungen untermauert. Und jedem, der den Willen hat, Dinge zu verbessern, werden diese Systeme auch nutzen.

Eine weitere wichtige, zu klärende Frage ist, wie wir diese Dienstleistungen organisieren wollen. Grundsätzlich gilt: Es werden immer mehr Daten generiert. Die Landmaschinen, der Satellit, die Wetterstation – alle erzeugen Daten, die möglichst automatisch in die vernetzte Farm integriert werden sollen. Das Entscheidende ist: Wie kann ich diese enorme Datenmenge aufbereiten – und zwar so, dass sie mir nutzt? Das ist Aufgabe des Systemdienstleisters.

Technologie und Dienstleistung verzahnen

Nur wenn Daten automatisiert analysiert, kombiniert und interpretiert werden können, wird ihr volles Potential nutzbar. Heute gibt es viele digitale Plattformen, die die verschiedensten Datenquellen aufnehmen und verknüpfen können, um daraus ein tieferes Verständnis dafür aufzubauen, was auf dem Feld passiert. Jedoch haben wir die Erfahrung gemacht, dass Anbieter den Landwirten zu wenig ausgewerteten Inhalt als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stellen, den sie einfach analysieren und anwenden können.

Clemens Delatrée
Clemens Delatrée
Digital Farming in der Praxis: Clemens Delatrée zeigt, wie Landwirte ihre Felder mithilfe von Precision Farming-Werkzeugen beobachten können.

Darüber hinaus hat sich die Industrie eher darauf konzentriert, eine große Anzahl solcher Plattformen zu schaffen, um Landwirten unterschiedliche Digital-Farming-Lösungen anzubieten. Doch die Landwirte, die die verfügbare Technologie bereits nutzen, kritisieren, dass sie dutzende, einzelne Programme parallel anwenden müssen. Die jeweiligen Anbieter stellen oft keine kombinierten Lösungen bereit, die die Nutzerfreundlichkeit erhöhen würden. Viele Landwirte haben davon gehört und zögern, Technologien zu nutzen, die ihnen helfen würden, bessere Entscheidungen für ihr Unternehmen zu treffen. Die aufwendige Datenpflege macht Digital Farming für Landwirte zu ineffizient. Deshalb fordere ich die Verantwortlichen dazu auf, mehr in die Verzahnung von Technologien und Dienstleistungen zu investieren, damit Landwirte von der digitalisierten Agrarwirtschaft stärker profitieren können.

Auch ein gewisses Maß an Transparenz ist dabei wichtig, damit Landwirte nachvollziehen können, was mit ihren Daten passiert. In diesem Kontext möchte ich Landwirte auch dazu ermutigen, proaktiv nachzufragen, wie ein potentieller Anbieter mit dem Thema Datensicherung umgeht, bevor sie sich für eine Lösung entscheiden. Zudem sollten sie beachten, dass nur Cloud-basierte Systeme die riesige Datenmenge bewältigen können und gleichzeitig eine unabhängige Sicherheitskopie der eigenen Daten darstellen. Das Vertrauen der Nutzer ist bei solchen Lösungsansätzen entscheidend, zumindest auf dem europäischen und nordamerikanischen Markt.

Wie auch immer wir es angehen, die Branche sollte sich dabei nicht zu sehr in Wettbewerbsgedanken verlieren. Die Anbieter sollten sich nicht gegenseitig ausbremsen, sondern über den gemeinsamen Austauschprozess dafür sorgen, den Landwirten offene und untereinander kompatible Lösungen anzubieten zu können. Denn schließlich geht es darum, den Landwirten möglichst viele Optionen zu bieten, damit sie die Menschheit ernähren und auch zukünftig zur Nahrungssicherheit beitragen können. Die Realisierung der vernetzten Farm ist hierbei eine große Herausforderung – aber wenn wir es schaffen, auch ein Riesenerfolg.

Partner für hochauflösende Agrardaten

Nach seinem Diplom-Abschluss in Geographie arbeitete der Jungunternehmer Clemens Delatrée zunächst als Ernteanalyst bei einer Fernerkundungsfirma und anschließend in der Unternehmensberatung. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer der Dienstleistungsfirma green spin im unterfränkischen Würzburg. Das Startup hat sich auf die weltweite Auswertung und Konsolidierung von Satelliten-, Wetter- und anderen Geodaten spezialisiert. So charakterisiert das Unternehmen Standorte anhand ihres Ertragspotenzials und stellt diese Information einem breiteren Interessentenkreis – vom Farmer bis zum Industrieunternehmen – zur Verfügung.

Ähnliche Artikel

Aktuelle Bewertungen (13)
Kommentar
Gewinner der Landwirtschaft - Erfolgsgeschichte in Gelb