Tomaten für den Weltmarkt

Ein fruchtiges
Erfolgsmodell

Tomaten für den Weltmarkt - Ein fruchtiges Erfolgsmodell
Tomaten für den Weltmarkt - Ein fruchtiges Erfolgsmodell
Tomaten gibt es in allen Formen und Farben. Sie wachsen entweder im Gewächshaus oder unter freiem Himmel. Dabei hat jede Anbaumethode ihre speziellen Eigenheiten.

In niederländischen Gewächshäusern rollen die Roboter. Automatisch gleiten sie von einem Tomatenpflücker zum nächsten und sammeln Kisten der beliebten roten Früchte ein. Ein Knopfdruck genügt und das voll beladene Roboterauto fährt aus dem Gewächshaus direkt ins Lager – Magnetschleifen im Boden weisen ihm den Weg. Zwar gibt es die elektronischen Erntehelfer nicht überall auf der Welt, doch vielerorts sind Prozesse bereits vollautomatisiert. In den Gewächshäusern sorgen Computersysteme für konstant wachstumsförderndes Wetter: Die moderne Technik steuert Temperatur und Niederschlag, regelt Bewässerung, Lüftung und Menge des Lichteinfalls – ein Rund-um-Sorglos-Paket für die Tomaten. Denn bei den enormen Tomatenmengen, die heute rund um den Globus gebraucht werden, wäre die Arbeit ohne Automatisierung kaum zu bewältigen.

Der Bayer-Experte Harm Ammerlaan (rechts) berät Erzeuger wie Corné Smulders (links) bei der Sortenwahl.

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) produzieren die Tomatenanbauer der Welt jährlich mehr als 160 Millionen Tonnen. Und die Auswahl ist groß: Im Angebot sind heutzutage hunderte verschiedener Tomatensorten – darunter kleine Cocktailtomaten für den Salat oder sogar schwarze Sorten wie die Black Cherry. Trotz dieser Vielfalt werden Tomaten meist auf nur zwei verschiedenen Wegen vermarktet: als Frischgemüse oder industriell verarbeitet – in Form von Püree, Ketchup oder in Stücken. Und je nach Verwendungszweck müssen sie ganz bestimmte Eigenschaften mitbringen: Frische Tomaten sollen sehr aromatisch und fest sein, damit sie die Reise bis ins Supermarktregal gut überstehen und dem Kunden schmecken. Für die industrielle Verarbeitung hingegen, sollten sie sehr viel Fruchtfleisch haben.

Die Top-Tomatenproduzenten im Jahr 2012

Im Jahr 2012 haben die Landwirte über 161 Millionen Tonnen Tomaten produziert. China ist mit einer Tomaten-Produktion von fast 50 Millionen Tonnen im Jahr weltweit führend – gefolgt von Indien mit fast 18 Millionen Tonnen und den USA mit mehr als 13 Millionen Tonnen.
Quelle: FAOSTAT

Trend zu unter Glas

Mexiko ist ein bedeutender Produzent von Frischtomaten. „In Mexiko schwenken wir seit einigen Jahren vom Anbau im Freiland auf die Zucht im Gewächshaus um“, sagt Carlos Quintanilla Velazquez, Eigentümer der Tomatenfarm El Sureño Invernaderos im mexikanischen San Luis Potosí. Seit 2006 produziert sein Unternehmen Tomaten in Gewächs- und regendurchlässigen Netzhäusern. Seitdem konnte dort beispielsweise die Ernte von Roma-Tomaten von 50 auf 400 Tonnen je Hektar gesteigert werden. Das lateinamerikanische Land produziert inzwischen rund 60 Prozent der Frischtomaten für den US-Markt. „Im Anbau von Freilandtomaten haben uns durch Insekten übertragene Krankheiten zunehmend Probleme gemacht“, fügt David Montoya, Produktionsleiter von El Sureño Invernaderos hinzu. Unter kontrollierten Bedingungen im Gewächshaus ist das weit weniger problematisch. Zudem sind die Pflanzen weniger Hitze- oder Kältestress ausgesetzt.

7.000

verschiedene Tomatensorten werden weltweit kultiviert
(Quelle: Scientific American)

Von der Anbaumethode hängt aber ab, wie man die Pflanzen pflegen muss: Freilandtomaten sind Wind und Wetter ausgesetzt und können leicht von Pilzen oder Viren befallen werden. Bei Trockenheit kann sich der Echte Mehltau breit machen – ein Pilz, der die Blätter der Pflanze befällt. Bei viel Regen werden Tomaten unter anderem von Phytophthora infestans befallen. Dieser Pilz lässt die Früchte verfaulen. Auch Insekten wie die Weiße Fliege können Schäden anrichten, weil sie häufig Krankheitserreger übertragen. Diese Probleme kennt der studierte Agrarökönom Dr. Angelo Caione nur zu gut, der in der Nähe von Foggia in Südostitalien auf seinem 40 Hektar großen Familienbetrieb Tomaten für die industrielle Verarbeitung anbaut. „Die schlimmste Pilzkrankheit ist der Mehltau während regenreicher Zeiten. Aber dank der Produkte von Bayer können wir unsere Früchte sehr gut schützen,“ sagt Caione. Probleme machte darüber hinaus einige Zeit die Baumwolleule, ein Nachtfalter, dessen Larven Blätter und Stängel anfressen und die Früchte anbohren. Caione stellt deshalb seit einiger Zeit Fallen auf, um den Befall mit Nachtfaltern genauer einschätzen zu können. Bayer unterstützt ihn. „Wir bieten den Tomatenproduzenten eine intensive Betreuung und integrierte Lösungen, die alle Stufen des Anbaus umfassen“, sagt Carlo Risi, Gemüsemanager bei Bayer in Italien.

Doch auch durch eine entsprechende Züchtung können Tomaten gegen Pilze oder Viren resistent gemacht werden. Nach der herkömmlichen Methode würde es allerdings Jahre dauern, bis eine Tomatenpflanze mit gewünschter Resistenz am Markt erscheint. Die Gemüsesaatgutexperten von Bayer setzen daher auf Genanalysen. Durch solche Verfahren lässt sich bereits anhand des Erbguts einer jungen Pflanze bestimmen, ob sie gewünschte Eigenschaften aufweist und sich damit für die Züchtung eignet. Das geht sehr viel schneller als bei klassischen Kreuzungsversuchen. „Wir produzieren hochwertige Samen und liefern sie an Tomatenzüchter und Anzuchtbetriebe in aller Welt“, sagt Harm Ammerlaan, Gemüsesaatgutexperte bei Bayer in den Niederlanden. Bei der Züchtung stehen aber nicht nur Resistenzen im Vordergrund, sondern auch Eigenschaften wie Festigkeit oder Geschmack können kontinuierlich verbessert werden – wie beispielsweise bei der Tomate „Intense“.

Harm Ammerlaan

Wir produzieren hochwertige Samen für Tomatenzüchter und Anzuchtbetriebe in aller Welt.

Harm Ammerlaan, Saatgutexperte bei Bayer

Mehr Ernte auf kleinen Feldern

Tomaten in Indien

Der Tomatenanbau in Indien unterscheidet sich grundlegend von der Produktion in anderen Gebieten. Obwohl Indien weltweit der zweitgrößte Produzent ist, werden Tomaten nicht auf großen landwirtschaftlichen Flächen, sondern von Millionen Kleinbauern kultiviert. Da vielen von ihnen das Wissen fehlte, waren die Anbautechniken lange nicht optimal – und die Felder erbrachten nur mäßige Erträge. In großen Schulungsprojekten wies Bayer deshalb schon mehrere Zehntausend Kleinbauern in verbesserte Anbautechnologien ein. Seither haben sich die Erträge vervielfacht.

Und auch in Indien wächst das Bewusstsein für gesunde und hochwertige Lebensmittel. Es ist also essenziell, die verwendeten Pflanzenschutzmittel richtig einzusetzen. Dank der Schulungen und des Anbau-Know-hows hat sich auch hier die Situation deutlich gebessert. So profitieren auch Supermarktketten und Verbraucher von einer steigenden Tomatenqualität.

Intense-Tomate

Der niederländische Tomatenanbauer Corné Smulders gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er über Intense spricht: „Diese Tomate ist etwas ganz Besonderes, denn sie hält ihren Saft, auch wenn man sie drückt. Sie eignet sich deshalb ideal als Schnitttomate für Fastfood-Ketten, bei denen es darauf ankommt, dass die Tomatenscheibe nicht das Sandwich oder den Hamburger durchweicht.“ Im Jahr 2008 startete Smulders mit dem Anbau dieser Sorte. Inzwischen ist Intense fester Bestandteil im Sortenspektrum seines Betriebs nahe Eindhoven in den Niederlanden. Dort erntet er auf etwa drei Hektar hochwertige Tomaten unter Glas

Verbesserte Qualität

In Nordwesteuropa wird Intense in Gewächshäusern produziert. Der Vorteil dieser Anbaumethode: Die Pflanzen lassen sich nicht nur unter optimalen, standardisierten Bedingungen anbauen und züchten, sondern sind vor Schädlingen besser geschützt – und auch vor schlechtem Wetter. Das hat auch die Produzenten im sonnenreichen Mexiko überzeugt, die seit einigen Jahren immer mehr Frischtomaten in Gewächshäusern anbauen. Innerhalb weniger Jahre ist die genutzte Gewächshausfläche

Sie eignet sich deshalb ideal als Schnitttomate für Fastfood-Ketten, bei denen es darauf ankommt, dass die Tomatenscheibe nicht das Sandwich oder den Hamburger durchweicht.

Corné Smulders, niederländische Tomatenanbauer

für das Strauchgemüse von annähernd Null auf heute rund 10.000 Hektar angewachsen – zehnmal mehr als in den Niederlanden. In manchen Gebieten stieg der Ertrag von durchschnittlich 50 auf 250 bis 600 Tonnen Tomaten pro Hektar. „Und nicht nur der Ertrag, auch die Qualität der Früchte hat zugenommen. Sie schmecken besser, sind fester, größer und sehen besser aus“, sagt Ricardo Ramos, Gemüsesaatgutexperte von Bayer in Nordamerika.

Ein weiterer Vorteil der Gewächshäuser: Das Wasser für die Bewässerung geht nicht, wie im Freiland, durch Verdunstung verloren. Zwar nutzt man in heißen Regionen im Freilandanbau heute eine automatisch gesteuerte Tröpfchenbewässerung. Doch wiederverwenden lässt sich das Wasser nicht. Im Gewächshaus hingegen wird das Wasser effizienter genutzt: Viele Anbauer sammeln Regenwasser, reinigen es und speisen damit die Bewässerungsanlage. Flüssigkeit, die in Nährsubstraten versickert oder sich als Kondenswasser niederschlägt, wird aufgefangen, gereinigt und erneut für die Bewässerung genutzt. Das spart zusätzlich Wasser. Die Hochtechnologie in den Gewächshäusern ist auch in diesem Punkt beeindruckend – selbst wenn noch nicht überall Roboterfahrzeuge auf Tomatenernte unterwegs sind.

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