Australische Farmer mit amerikanischen Wurzeln
Australische Farmer mit amerikanischen Wurzeln

Die Baumwollpioniere Die Baumwollpioniere

Daniel Kahl (rechts), Baumwollfarmer der dritten Generation bei Merced Farming, zusammen mit seinem Bruder Sam (links) und seinem Vater James.
Daniel Kahl (rechts), Baumwollfarmer der dritten Generation bei Merced Farming, zusammen mit seinem Bruder Sam (links) und seinem Vater James.
In den 1960er-Jahren kurbelten Unternehmer aus den USA die Baumwollindustrie Australiens an. Paul Kahl, Gründer von Merced Farming, ist einer davon.

Ein sonniger Tag in den Sechzigerjahren: Paul Kahl prüft die Baumwollpflanzen seines Feldes im australischen Bundesstaat New South Wales. Ein zufriedenes Lächeln umspielt sein Gesicht, denn die schneeweißen Früchte zeigen ihre ganze Pracht – und versprechen eine gute Ernte. Der Erfolg ist der Familie Kahl bis heute treu geblieben. Nachdem Paul Kahl mit seiner Frau 1961 aus Kalifornien ausgewandert war, gründeten sie Merced Farming in Wee Waa, etwa 500 Kilometer nordwestlich von Sydney gelegen. Zusammen mit anderen US-amerikanischen Unternehmern stehen sie für die Anfänge der modernen Baumwollindustrie in Australien.

Erfolgsgeschichte mit langer Historie

Im Jahr 2015, mehr als 50 Jahre später, existiert Merced Farming immer noch. Paul Kahls Sohn James und die drei Enkel Daniel, Sam und Matthew setzen die Arbeit fort. „Die Felder sind unser Zuhause. Sie waren immer ein besonderer Ort für uns. Teil dieses Familienbetriebs zu sein, ist eine große Motivation“, sagt der älteste Enkel Daniel Kahl. Er und seine Brüder sind entschlossen, das Agrarunternehmen weiter voranzutreiben. „Unser Vater hat uns gezeigt, wie wir unsere Stärken kombinieren können, damit sich die Pflanzen auf dem Feld und die betriebs­wirtschaftlichen Zahlen gleich gut entwickeln“, fährt Daniel Kahl fort.

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Es gibt weltweit 43 Baumwollarten, von denen einige auf Bäumen wachsen.

Quelle: Cotton Australia

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Es gibt weltweit 43 Baumwollarten, von denen einige auf Bäumen wachsen.

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Millionen Menschen könnten jährlich mit Jeans, Socken, Unterwäsche und einem Shirt versorgt werden – allein mit der Ernte australischer Baumwollfarmer.
Quelle: Cotton Australia

Heute ist Merced Farming auf 4.000 Hektar angewachsen und produziert bis zu 10.000 Baumwollballen pro Jahr. Diese Menge würde ausreichen, um die Einwohner der Millionenstadt Köln einmal von Kopf bis Fuß einzukleiden. Der Ertrag ist zwar zufriedenstellend, doch James Söhne führen das Unternehmen in Zeiten begrenz­ter Ressourcen. Besonders die Wasserknappheit ist ein ernstes Problem. „Australien ist ein Land der Trockenheit. Das wirkt sich negativ auf unsere Böden aus. In Australien steht der Wasserbedarf ganz oben auf der Agenda“, erklärt James Kahl, der über 40 Jahre Erfahrung in der Landwirtschaft aufweisen kann. „Letzten Endes sind wir Landwirte auch Wassermanager. Innerhalb eines Jahres werden etwa acht Millionen Liter Wasser pro Hektar benötigt, um zehn Baumwollballen zu produzieren. Doch häufig fehlt das kostbare Nass“, fährt er fort. Dennoch haben die australischen Landwirte einen Weg gefunden, diese Herausforderung zu meistern: In den Baumwollregionen Australiens wird das Wasser in großen Reservoirs gespeichert und dann über ein Kanalsystem zu den Feldern geleitet.

Teil dieses Familienbetriebs zu sein, ist eine große Motivation.

Daniel Kahl, Baumwollfarmer der dritten Generation bei Merced Farming

Eine weitere Herausforderung für die Familie Kahl ist der Umgang mit Unkräutern, Schädlingen und Pflanzenkrankheiten. Um diesen vorzubeugen, setzt die Familie auf eine strenge Fruchtfolge. Die Jahresproduktion der Farm besteht zur Hälfte aus Baumwolle, zu einem Viertel aus Getreide oder Mais und zu einem weiteren Viertel aus Weizen oder Mungbohnen. „Damit verhindern wir, dass sich Resistenzen auch gegen Insektizide oder Herbizide entwickeln. Und wir bewahren den Nährstoffhaushalt, der sich durch den Anbau von Monokulturen negativ verändern würde. Wir helfen der Natur, damit sich keine schwachen, pflegeintensiven Gewächse bilden“, sagt James Kahl. Das Pflanzenschutzprogramm der Familie kommt so auch den Böden der Farm zugute. „Unsere bevorzugte Fruchtfolge schont unseren Ackerboden. Wir müssen weiter daran arbeiten, diesen Zustand zu verbessern – ebenso wie den Kohlenstoffgehalt und damit die Leistungsfähigkeit der Böden“, ergänzt Kahl.

Baumwoll-Verwendung nach der Entkörnung

Vertrauen in Technologie

Die Landwirte der Kahl-Familie setzen bei der Pflege ihrer Nutzpflanzen auch auf moderne Technologien. „Die Baumwollindustrie ist ein Schlüsselsegment der australischen Landwirtschaft – und nimmt neue Technologien schnell an“, sagt James Kahl. Viel Unterstützung bietet dabei der Cotton Growers Service (CGS), insbesondere im Digitalbereich. Die Organisation unterstützt Baumwollerzeuger mit modernen Techniken wie iPads, Satelliten und Drohnen, die Daten zum Wachstum und zur Gesundheit der Pflanzen auf den Feldern sammeln. James Kahl: „Diese Informationen verbessern unsere Entscheidungen, sodass wir mit weniger Einsatz hochwertigere Fasern produzieren können.“ 450 Millionen Menschen können jährlich mit Kleidung aus der australischen Baumwolle versorgt werden.

Merced Farming verbindet traditionelle mit innovativen Elementen und jahrzehntelange Erfahrung mit modernen Technologien. Diese Kombination machte nicht nur die Familie Kahl erfolgreich, sondern ist auch das Fundament der gesamten Baumwollindustrie Australiens. James Kahl bemerkt stolz: „Heute sind wir das Land mit der weltweit höchsten Qualität und den größten Erträgen beim Baumwollanbau. Und diese Position unserer Industrie möchte ich mit meiner Familie ausbauen – trotz aller Herausforderungen.“

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Alle Kommentare

Hans
Montag 01. August 2016, 09:44

Sehr interessanter Artikel!

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Kommentar
Von Sonnenblumen und Bohnenfeldern