Biologischer Pflanzenschutz für Obst und Gemüse

Pilz gegen Nematode

Bayer-Mitarbeiter Marc Rist begutachtet Wurzeln in einem Gewächshaus in Monheim.
Bayer-Mitarbeiter Marc Rist begutachtet Wurzeln in einem Gewächshaus in Monheim.
Winzige Fadenwürmer können Paprika, Tomaten, Bananen und Co. extrem schädigen. Ein biologisches Pflanzenschutzmittel von Bayer aus Pilzsporen kann die Wurmeier zerstören und helfen, Erträge zu sichern.

Der unsichtbare Feind verbirgt sich im Boden: Nematoden – auch bekannt als Fadenwürmer – befallen die Wurzeln wichtiger Obst- und Gemüsesorten. Laut Marc Rist, Forscher bei Bayer, verändert der Nematodenbefall den Hormonhaushalt in der Pflanzenwurzel. Die Folge: Die Zellen teilen sich verstärkt – das führt zu einem unregelmäßigen Pflanzen- und Wurzelwachstum. Wenn die Nematoden aus ihren Eiern geschlüpft sind, bohren sich die Larven der Fadenwürmer in die Wurzeln – und verursachen weiteren Schaden. „Die Pflanze wird geschwächt und krank. Über die klumpigen Wurzeln kann sie kaum Wasser- und Nährstoffe aufnehmen. Das macht die Pflanze auch anfälliger für andere Schädlinge und Krankheiten“, sagt Rist.

Tritt ein Nematodenbefall auf, kränkeln die Gewächse, tragen kleine und gelbliche Blätter und zeigen ein verkümmertes Wachstum. Den Landwirten drohen hohe Ernteausfälle. „Für mich stellen Nematoden ein ernsthaftes Problem dar“, bestätigt der türkische Paprika-Bauer Nihat ­Yildirim. „Sie verbreiten sich blitzschnell und können meine Ernteerträge drastisch verringern.“ Von Tomaten und Kartoffeln bis zu Mais und Trauben – Experten schätzen die Ernteverluste durch Nematoden über die verschiedenen Arten von Nutzpflanzen weltweit auf bis zu 20 Prozent. Das entspricht einem Schaden im Wert von 100 Milliarden US-Dollar. Das Tückische: Die Fadenwürmer selbst sind so winzig, dass sie mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Auch an der Pflanze selbst ist der Befall oft nicht zu erkennen. Nur geschulte Landwirte wissen, wo sie bei den Wurzeln hinschauen müssen und wie sie die richtige Diagnose stellen.

Nihat Yildirim erntet Paprika und kontrolliert ihre Größe und Qualität.

Für mich stellen Nematoden ein ernsthaftes Problem dar. Sie verbreiten sich blitzschnell und können meine Ernteerträge drastisch verringern.

Nihat ­Yildirim, türkischer Paprika-Bauer.
12%

der globalen Nutzpflanzenproduktion werden durch Nematodenbefall zerstört. Das entspricht einem Schaden von 100 Milliarden US-Dollar.
Quelle: Society of Nematologists

Nematoden kontrollieren

Es gibt mehr als 4.000 unterschiedliche pflanzenparasitäre Nematoden. Hinzu kommt: Die Fadenwürmer sind robust. Manche Arten können vier bis fünf Jahre in der Erde überleben – ganz ohne eine Wirtspflanze. „Nach vier bis fünf Wochen kann ein Nematodenweibchen mehrere Hundert Eier produzieren“, sagt Rist.

Er und seine Forscher-Kollegen von Bayer möchten den Schaden durch Fadenwürmer verhindern und entwickeln BioAct™, ein biologisches Pflanzenschutzmittel, das Pilzsporen enthält: Purpureocillium lilacinum Stamm 251. BioAct lässt sich durch Tröpfchenbewässerung einfach an die Wurzeln bringen und zerstört die Eier eines breiten Spektrums an pflanzenparasitären Nematoden. So sind Obst- und Gemüsepflanzen vor gefräßigen Schädlingen geschützt. Die Pilzsporen haften an den Eiern der Fadenwürmer, durchdringen ihre Membran und saugen sie leer. Bernhard Hitzberger, Produktmanager für BioAct, betont weitere Vorteile des Produkts: „Landwirte können ihre Felder und Plantagen mit BioAct mehrfach und in unterschiedlichen Wachstumsphasen bis kurz vor der Ernte be­handeln.

Globale Ernteeinbußen durch Fadenwürmer

Ihre Gefahr sollte man nicht unterschätzen. Von Tomaten über Kartoffeln bis hin zu Mais und Trauben – Nematoden sorgen in all diesen Kulturen weltweit für immense Ernteeinbußen von teilweise bis zu 50 Prozent.

Bayer entwickelt einen integrierten Ansatz, um die Fadenwürmer zu kontrollieren: Dazu vereinten die Forscher BioAct mit anderen Pflanzenschutzprodukten wie dem neuen Nematizid Velum™ Prime. Feldversuche in Zentralamerika zeigten, dass vor allem mehrjährige Gewächse wie Bananen besonders gut auf diese Kombination ansprechen und gesündere Pflanzen mit einem höheren Gewicht der Fruchtstände ausbilden. „Es ist eine echte Herausforderung, den zerstörerischen Nematoden Herr zu werden. Deswegen braucht es neue Methoden wie den integrierten Ansatz von BioAct und Velum Prime“, sagt Hitzberger.

BioAct ist als wasserdispergierbares Pulver und Granulat erhältlich und bietet eine effektive und flexible Nematodenkontrolle. „Zudem verbessern unsere Forscher BioAct weiter und entwickeln flüssige Formulierungen, mit denen sich das Produkt bequemer ausbringen lässt“, sagt Rist. Der Biologe und seine Kollegen treiben die Erforschung dieser landwirtschaftlichen Herausforderung voran.

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