Ölraps auf dem Vormarsch
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Ölraps auf dem Vormarsch - Gelber Star
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Nach Soja ist Raps die zweitwichtigste Ölsaat weltweit. Das verdankt der Raps vor allem den Pflanzenzüchtern. Auch Bayer-Experten arbeiten daran, dass sich die Raps-Erfolgsgeschichte in Europa fortsetzt.
Die Abkürzung ‚Canola‘ steht für Canadian oil, low acid.
Die Abkürzung ‚Canola‘ steht für Canadian oil, low acid.
Die Abkürzung ‚Canola‘ steht für Canadian oil, low acid.

Schoten-Check: Wenn Herbert, Kevin und Marc Serfas im Frühjahr die Rapspflanzen der kanadischen Farm Iron Springs begutachten, lässt das gelbe Blütenmeer um sie herum ihre Herzen höher schlagen. „Raps macht einfach gute Laune“, sagt Kevin Serfas. Für die Landwirte erreicht die Freude wenige Monate später ihren Höhepunkt: Wenn sich die Blüten in Schoten verwandelt haben und die schwarzen, ölhaltigen Samen erntereif sind. Dass Raps heute die zweitwichtigste Ölsaat nach Soja ist, liegt auch an den Pflanzenzüchtern: Sie erschufen eine Sorte mit deutlich weniger Bitterstoffen wie beispielsweise Erucasäure. Sie machte das Öl bis 1974 ungenießbar und sogar gesundheitsbedenklich. „Deswegen spielte Rapsöl lange Zeit keine Rolle auf dem Markt. Das hat sich mit den Canola-Sorten grundlegend geändert“, erklärt Andree-Georg Girg, Globaler Ölsaatenmanager bei Bayer. Die Abkürzung ‚Canola‘ steht für Canadian oil, low acid. Denn die Züchtung stammt aus Kanada, dem weltweit größten Raps-Erzeugerland.

An Wert gewann die Kulturpflanze Raps, als es gelang, Sorten mit niedrigem Glucosinolatgehalt im Rapsschrot zu züchten. Seit Mitte der 80er-Jahre werden diese sogenannten ‚00-Sorten‘ angebaut, deren Schrot als Proteinträger im Tierfutter genutzt werden kann. Damit war der Erfolgskurs der gelben Blütenpflanzen vorgezeichnet.

Dieter Bockey, Referent der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP)

Die schrittweise Entwicklung, Kohlenstoffdioxid aus fossilen Quellen durch erneuerbare Energieträger zu verdrängen, wird ohne Pflanzenöle nicht möglich sein.

Dieter Bockey, Referent der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP)

Die weltweite Anbaufläche hat sich seitdem mehr als vervierfacht auf rund 35 Millionen Hektar. Die Rapsölproduktion hat sich sogar fast verzehnfacht. Mit 72 Millionen Tonnen erreichte die Rapsernte im Jahr 2014 ein historisches Rekordhoch. „Insbesondere die Erträge in Kanada und der Europäischen Union trugen hierzu bei“, sagt Dieter Bockey, Referent der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP). Allein in der EU waren es erstmals mehr als 24 Millionen Tonnen. In Mitteleuropa wird hauptsächlich Winterraps kultiviert, der einen Kältereiz benötigt, um zu blühen und Samen zu bilden. Ausgesät wird er Ende August bis Mitte September und geerntet im Frühsommer. „In Kanada, Australien und Indien wird ausschließlich Sommerraps angebaut“, so Bockey.

Canola

Die Abkürzung ‘Canola’ steht für Canadian oil, low acid.

Rapsöl zählt heute zu den gesündesten Ölen. Vor allem sein Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren macht es in den Küchen der Welt zu einem beliebten Begleiter. „Gerade auf dem asiatischen Markt ist Rapsöl sehr gefragt. Auch Fastfood-Ketten setzen vermehrt auf das gesunde Speiseöl“, erklärt Girg. Bayer ­arbeitet und forscht an Rapssorten, die mit weiteren Vorteilen aufwarten können. Unter der Marke InVigor™ haben die Pflanzenexperten neue Züchtungen mit speziellen Eigenschaften kreiert. „An den Erfolg, den wir mit InVigor bereits in Kanada erzielt haben, wollen wir jetzt in Europa anknüpfen“, erklärt Girg. So bietet Bayer beispielsweise eine Rapssorte mit einem besonders hohen Ölsäuregehalt an. Der Vorteil: Das Öl, das aus den Samen gepresst wird, ist sehr hitzeresistent und bleibt deswegen während der Verarbeitungsprozesse in der Lebensmittelindustrie stabil. Eine Fetthärtung, bei der ungesunde Trans-Fettsäuren entstehen würden, ist so nicht notwendig. Im Fachjargon heißen diese Rapskulturen auch HOLL-Sorten: Die Buchstabenkombination steht für ,high oleic, low linolenic‘ und bedeutet: Diese Rapssorte besitzt einen hohen Gehalt der einfach gesättigten Ölsäure, aber nur eine geringe Menge an Linolensäure.

Anbau und Ernte in der EU

Stärke kultivieren

Mit der neu gezüchteten Hybrid-Rapssorte InV 1010 hat Bayer eine ertragreiche Variante mit hohen Ölgehalten entwickelt, die auch den ackerbaulichen Ansprüchen genügt, und InVigor L140P bietet eine hohe Schotenfestigkeit, um Ernteverluste zu verringern. „Wir führen die Hochleistungssorten derzeit in verschiedenen europäischen Ländern ein“, erklärt Girg, beispielsweise in Frankreich: Dort haben sich die Experten von Bayer zum Ziel gesetzt bis zum Jahr 2020 zu den Topanbietern von Rapssaatgut zu gehören. Um das InVigor-Portfolio in Frankreich zu etablieren, plant Bayer, dort jedes Jahr eine regional angepasste Rapssorte auf den Markt bringen.

72

Millionen Tonnen
2014 erreichte die weltweite Rapsernte mit 72 Millionen Tonnen ein Rekordhoch.
Quelle: US-Landwirtschaftsministerium

„Das Vertrauen in InVigor in Kanada ist sehr hoch und das motiviert uns für die Aufgabe, die uns jetzt in Europa bevorsteht. Dennoch wird dies kein Selbstläufer“, weiß der Rapsexperte. Lediglich eine bessere Sorte anzubieten, reicht heute nicht aus: Die Konkurrenz ist groß – alleine in Deutschland gibt es mehr als 200 Rapssorten, gegen die sich die Samen von Bayer beweisen müssen. Die polnischen Rapsbauern haben schon Erfahrungen mit dem neuen Bayer-Saatgut sammeln können: In der Anbausaison 2014 ließen sich damit sehr gute Ernten erzielen. „Die wichtigste Eigenschaft, auf die wir bei der Auswahl neuer Sorten Wert legen, ist das maximale Ertragspotenzial“, sagt Stanislaw Szpara, Agrarberater für Agro-As in Polen.

Stanislaw Szpara, Agrarberater für Agro-As in Polen

Um die europäischen Landwirte mit den angepassten Sorten zu beliefern, hat Bayer zudem eine neue Anlage zur Raps-Saatgutaufbereitung in Monheim errichtet: Das European Oilseed Processing Center nahm Ende September 2015 seinen Betrieb auf. Dort werden die neuen Hybridsamen aufbereitet und gebeizt, damit sie sich auf dem Acker zu kräftigen Pflanzen mit hohen Erträgen entwickeln. „Hochwertiges Saatgut ist natürlich nur die eine Seite der Medaille: Ohne das geeignete Pflanzenschutzprogramm ist die Rapsernte gefährdet, denn zahlreiche Krankheiten und Schädlinge haben es auf Blüten, Schoten und Samen abgesehen“, erklärt Girg. Deswegen bietet Bayer ein Pflanzenschutzpaket an, dass Raps den Landwirten zur Erntezeit noch mehr Freude bereitet. Und künftig können die Landwirte mit Hightechmethoden noch mehr für den Erfolg ihrer leuchtend gelben Felder tun. „Bayer ist Pionier, was digitale Diagnose-Tools für Rapskulturen angeht – beispielsweise, um Schädlinge früher zu erkennen oder Ertragskarten und Bestandsdichten zu erstellen“, so Girg weiter. „In Kanada laufen bereits erste Projekte – und auch in Europa wird die Digitalisierung die Karriere der gelben Blüten weiter ankurbeln“, ist der Rapsexperte überzeugt.

Die wichtigste Eigenschaft, auf die wir bei der Auswahl neuer Sorten Wert legen, ist das maximale Ertragspotenzial.

Stanislaw Szpara, Agrarberater für Agro-As in Polen

Vielseitige Varianten

Zudem wird Raps auch als Rohstoff für Biodiesel eingesetzt. Das hat zu einer Ausdehnung der Felder in Europa geführt. Allerdings hat sich die Europäische Union zum Ziel gesetzt, die Produktion von Biotreibstoff aus Nahrungspflanzen wie Raps, Mais und Soja zu begrenzen und die Treibhausgas-Emissionen zu regulieren. „Die Politik ist bisher eine Antwort schuldig geblieben, wie die förderpolitischen Rahmenbedingungen für Biokraftstoffe insgesamt nach 2020 aussehen“, konstatiert Bockey. „Sollte der Marktzugang in die Europäische Union versagt werden, wird die europäische Biodieselindustrie neue Märkte im EU-Ausland erschließen müssen.“ Zudem gibt der UFOP-Referent zu bedenken: „Auch die schrittweise Entwicklung, Kohlenstoffdioxid aus fossilen Quellen durch erneuerbare Energieträger zu verdrängen, wird ohne Pflanzenöle nicht möglich sein.“

Ob als Treibstoff, als nachwachsender Rohstoff oder als Basisprodukt für die Lebens- und Futtermittelindustrie: Raps ist vielseitig verwendbar. Von den knapp zehn Millionen Tonnen Rapsöl, die im Erntejahr 2014/2015 in der Europäischen Union produziert wurden, dienten sieben Millionen Tonnen technischen Zwecken und 2,6 Millionen Tonnen Nahrungszwecken. Wenn der Bedarf in Europa weiter steigt, zeigt sich Girg optimistisch: „Mit unserem Portfolio an unterschiedlichen Sorten und Erfahrungen aus Kanada sind wir dafür gut vorbereitet. Und den Erfolg beeinflussen letztlich auch die Konsumenten, wenn sie sich für das gesündere Rapsöl entscheiden.“

Hybridzüchtung: Starke Eltern, höhere Erträge

Bei Saatgut von Raps setzen die Pflanzenexperten heute auf sogenannte Hybride. Denn sie bieten die größten Chancen auf gute Ernten. Um eine Hybridsorte herzustellen, die ertragreich ist oder gesünderes Öl liefert, müssen Züchter zunächst eine männliche und eine weibliche reinrassige Pflanzenlinie mit den gewünschten Genen entwickeln. Die Vaterpflanze sorgt für die Bestäubung und nur das Saatgut der weiblichen Pflanze wird zum Anbau der hoch ertragreichen Hybridpflanze genutzt.

Unterschiedliche Ansätze

Um die europäischen Landwirte mit den angepassten Sorten zu beliefern, hat Bayer zudem eine neue Anlage zur Raps-Saatgutaufbereitung in Monheim errichtet: Das European Oilseed Processing Center nahm Ende September 2015 seinen Betrieb auf. Dort werden die neuen Hybridsamen aufbereitet und gebeizt, damit sie sich auf dem Acker zu kräftigen Pflanzen mit hohen Erträgen entwickeln. „Hochwertiges Saatgut ist natürlich nur die eine Seite der Medaille: Ohne das geeignete Pflanzenschutzprogramm ist die Rapsernte gefährdet, denn zahlreiche Krankheiten und Schädlinge haben es auf Blüten, Schoten und Samen abgesehen“, erklärt Girg. Deswegen bietet Bayer ein Pflanzenschutzpaket an, dass Raps den Landwirten zur Erntezeit noch mehr Freude bereitet. Und künftig können die Landwirte mit Hightechmethoden noch mehr für den Erfolg ihrer leuchtend gelben Felder tun. „Bayer ist Pionier, was digitale Diagnose-Tools für Rapskulturen angeht – beispielsweise, um Schädlinge früher zu erkennen oder Ertragskarten und Bestandsdichten zu erstellen“, so Girg weiter. „In Kanada laufen bereits erste Projekte – und auch in Europa wird die Digitalisierung die Karriere der gelben Blüten weiter ankurbeln“, ist der Rapsexperte überzeugt.

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