Vielfalt in der Landwirtschaft

Ein Beruf mit
vielen Facetten

Moderne Landwirtschaft bedeutet: ein nachhaltiges Unternehmen führen, komplexe körperliche Arbeit leisten sowie Fachwissen und Geschäftssinn besitzen.
Moderne Landwirtschaft bedeutet: ein nachhaltiges Unternehmen führen, komplexe körperliche Arbeit leisten sowie Fachwissen und Geschäftssinn besitzen.
Landwirte sichern die Ernährung von morgen. Neben ihrer Schlüsselfunktion als Nahrungsproduzenten erfüllen sie viele weitere Rollen, die der Umwelt, der Wirtschaft und der Gesellschaft zugutekommen.

Landwirte sind Multitalente. Sie sind Tüftler, Unternehmer, Arbeitgeber oder Landschaftsgestalter. Ihre tägliche Arbeit umfasst weitaus mehr, als Kühe zu melken und Getreide für unser Brot anzubauen. Der Beruf des Landwirts ist vielschichtig und interdisziplinär – und das wirkt sich positiv auf den Erfolg des Farmbetriebs und die Umwelt aus.

Innovatoren: Landwirtschaft wird Hightech

Mithilfe einer Karten-App auf seinem Smartphone prüft ein Farmer auf dem Weizenfeld den Zustand der Feldfrüchte. Auf dem Display sieht er Satellitenbilder, die zum Beispiel die Bodenbeschaffenheit und Topografie der Felder zeigen. Aus diesen Daten ermittelt die App die geeignete Menge Pflanzenschutzmittel für die jeweiligen Flächenabschnitte. Der Landwirt kann direkt draußen auf dem Feld seine Entscheidungen treffen. Was wie eine Zukunftsvision klingt, ist in vielen Landwirtschaftsbetrieben bereits Realität. Mit hochmodernen Ansätzen treibt Bayer diese Entwicklung voran – wie Tobias Menne, Leiter des Bereichs Digitale Landwirtschaft bei Bayer, erklärt: „Die digitale Landwirtschaft verleiht den Farmern sozusagen Superkräfte. Wir helfen ihnen dabei, ihre Entscheidungen so präzise, effizient und einfach wie möglich zu treffen. Zudem erleichtern die digitalen Lösungen das Leben der Landwirte, weil sie sich viel mehr Zeit für ihre Entscheidungen nehmen können.“

Corbin Schuster, Landwirt in Südaustralien

Wir müssen uns selbst und die nachfolgende Generation ermuntern, moderne Technologien kennenzulernen und zu nutzen. Denn diese beeinflussen immer stärker unser Handeln.

Corbin Schuster, Landwirt in Südaustralien
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Milliarden Menschen
40 Prozent der erwerbstätigen Weltbevölkerung arbeitet im Agrarsektor.

Innovationen haben die Landwirtschaft schon immer vorangetrieben. Besonders deutlich zeigt sich dies in Industrieländern: Vor 115 Jahren konnte ein Landwirt nur vier Menschen ernähren, weil die damalige Technik sehr begrenzt war. Als 1950 landwirtschaftliche Maschinen eine größere Rolle spielten, waren es schon zehn Personen. Dank weiterer Innovationen in den Bereichen Züchtung, Pflanzenschutz und Datenerfassung im Ackerbau kann ein einzelner Landwirt heute genug Nahrung für 129 Menschen produzieren. Und es wird immer wichtiger, dass Landwirte neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen bleiben, denn: Die Weltbevölkerung wächst derzeit um 80 Millionen Menschen pro Jahr. Im Jahr 2050 werden die Landwirte voraussichtlich zehn Milliarden Menschen ernähren müssen – und das angesichts schwindender landwirtschaftlich nutzbarer Flächen, begrenzter natürlicher Ressourcen und eines unbeständigeren Klimas.

Landwirte als Ernährer der Industriestaaten

Abgesehen von dieser globalen Verantwortung wollen viele Landwirte mit neuesten Technologien möglichst gute Startbedingungen für ihre Nachfahren schaffen. „Wir müssen uns selbst und die nachfolgende Generation ermuntern, moderne Technologien kennenzulernen und zu nutzen. Denn diese beeinflussen immer stärker unser Handeln“, erklärt Corbin Schuster, Landwirt in Südaustralien. „Meine Familie ist seit sieben Generationen hier. Und ich möchte, dass die Farm auch die nächsten sieben Generationen lang fortbesteht. Der Schlüssel dazu ist der effektive Einsatz moderner Technologien“, fügt er hinzu.

Unternehmer: Landwirte stärken die Wirtschaft

Trotz großer Anstrengungen und langfristiger Strategien, die für die weltweite Ernährungssicherung sorgen sollen, wird häufig unterschätzt, wie umfassend der Beruf des Landwirts ist. „Viele Menschen machen sich kaum Gedanken über die Agrarproduktion und die vielen Facetten des landwirtschaftlichen Berufes“, erklärt Klaus Kirsch, Global Manager des Projekts Bayer ForwardFarming.

Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft

Im Durchschnitt trug die Landwirtschaft im Jahr 2013 weltweit zu etwa drei Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Je nach Region sind die Unterschiede jedoch erheblich: In Südasien macht die Landwirtschaft 19 Prozent des BIP aus. In Nordamerika ist es lediglich ein Prozent.

Landwirte sind jedoch nicht nur Welternährer, sondern auch Unternehmer – und spielen eine wichtige Rolle für die Weltwirtschaft. Nach Angaben der Welthandelsorganisation WTO nahmen die weltweiten Exporte landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Jahre 2013 um knapp sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – und erreichten einen Wert von 1.745 Milliarden US-Dollar. Außerdem trug der Agrarsektor fast zu einem Zehntel zum weltweiten Warenhandel im Jahr 2013 bei.

Zugleich müssen sich die Landwirte komplexen Herausforderungen stellen. Ihr Handeln hängt stark von äußeren Faktoren ab – wie den Märkten und Wechselkursen. Landwirte brauchen daher auch wirtschaftliches Know-how, um die Chancen und Risiken für ihren Betrieb zu erkennen. Auch deshalb schließen sie sich in Berufsverbänden zusammen, um stets über wichtige Entwicklungen informiert zu sein, die sich auf ihren Beruf auswirken können. Eine der wichtigsten Aufgaben des australischen Landwirtschaftsverbands National Farmers’ Federation ist es deswegen sicherzustellen, dass australische Farmer die unternehmerische Seite der Landwirtschaft bewältigen. „Das ist ganz entscheidend, denn als Farmer braucht man handwerkliches Geschick und Köpfchen. Landwirte müssen kompetente Fachleute sein, die verantwortungsvoll mit Ländereien umgehen“, erklärt Simon Talbot, Geschäftsführer der National Farmers’ Federation.

Der Agrarsektor ist zudem der größte Arbeitgeber der Welt. 1,3 Milliarden Menschen arbeiten in der globalen Landwirtschaft. Das entspricht 40 Prozent der erwerbsfähigen Weltbevölkerung. Allein in Afrika ist über die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig.

Nachhaltigkeitsexperten: Landwirte schonen die Umwelt

Vielen Landwirten liegt der Erhalt der Umwelt am Herzen. Sie bemühen sich, ihre Betriebe nachhaltig zu führen. Das Projekt Bayer ForwardFarming unterstützt diesen Ansatz. Über die weltweite Wissensplattform für nachhaltige Landwirtschaft werden praktische Anwendungen gemeinsam mit den Landwirten erprobt: „Bayer ForwardFarming trägt zu einer nachhaltigen Landwirtschaft bei, die im Einklang mit den wirtschaftlichen Zielen der Landwirte steht“, sagt Kirsch. Das Projekt setzt dabei auf folgende Kernelemente: integrierter Pflanzenbau, hochwertiges Saatgut, chemischer und biologischer Pflanzenschutz, maßgeschneiderter Service sowie strategische Maßnahmen und Partnerschaften.

Einer der ersten Betriebe, der am Projekt ForwardFarming teilnahm, war Hof ten Bosch in Belgien. Die Brüder Jan und Josse Peeters führen den Hof und engagieren sich, wirtschaftlichen Erfolg mit dem Schutz der Umwelt zu verbinden. „Als Bayer ForwardFarm zeigen wir, wie sich Unternehmenserfolg als Farmbetrieb mit der Umweltverantwortung vereinbaren lässt – und das umfasst auch die Biodiversität“, erklärt Jan Peeters. Vor vier Jahren begannen die Brüder dank der Bayer-Unterstützung mit dem Walloon Agricultural Research Centre zusammenzuarbeiten, um Maßnahmen gegen die Erosion auf Kartoffelfeldern zu entwickeln. „Dadurch konnten wir unseren Ertrag 2011 um sieben Prozent gegenüber den üblichen Erträgen von 40 bis 45 Tonnen Pommes-frites-Kartoffeln pro Hektar steigern“, so Peeters weiter.

Ebenfalls wichtig für Hof ten Bosch: die Gesundheit der Bienen und der Erhalt der Artenvielfalt. Deshalb errichteten die Brüder Bienenhotels, die neue Nistplätze bieten. Im Jahr 2015 stellten sie zudem ein weiteres und größeres Insektenhotel als Nist- und Brutmöglichkeit auf, das zahlreiche andere Bestäuber und Nutzinsekten anlocken soll.

Jan Peeters, Farmer in Belgien

Als Bayer ForwardFarm zeigen wir, wie sich Unternehmenserfolg als Farmbetrieb mit der Umweltverantwortung vereinbaren lässt – und das umfasst auch die Biodiversität.

Jan Peeters, Farmer in Belgien

In naher Zukunft werden sich weitere Betriebe in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden dem Bayer ForwardFarming-Projekt anschließen. Die Bandbreite der Feldfrüchte und Erzeugnisse reicht dabei von Weintrauben und Zwiebeln über Zuckerrüben bis hin zu Kartoffeln und Winterweizen.

Ein wichtiger Aspekt des Projekts besteht darin, Landwirten den sachgerechten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu vermitteln. So schützen sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Umwelt. Ein Beispiel für eine neue Aufbringungsform, die besonders bienenfreundlich ist, ist das Dropleg-System. „Durch die innovativ eingestellten Düsen werden die Bienen geschont, weil das Pflanzenschutzmittel nicht auf die Blüten gelangen kann“, erklärt Reinhard Friessleben, Leiter Applikationstechnik bei Bayer.

In anderen Ländern schützen Landwirte die Umwelt, indem sie bestimmte Anteile ihrer Ackerflächen unberührt lassen. So muss zum Beispiel der brasilianische Farmer Vinícius Formighieri Lazarini 20 Prozent seines Landes als Umweltschutzfläche erhalten: „Wir dürfen die Natur in diesem Gebiet nicht stören“, erklärt er. „Wir versuchen, den Bereich aufzuforsten und kontinuierlich zu verbessern.“ Die brasilianische Regierung hat Gesetze erlassen, denen zufolge ein bestimmter Anteil der Flächen unberührt bleiben muss. Aufgrund dieser Forstschutzgesetze können von insgesamt 85 Millionen Hektar potenziell landwirtschaftlich nutzbarer Flächen in Brasilien derzeit nur etwa 15 Millionen Hektar genutzt werden.

Technik, Nachhaltigkeit und sozialökonomische Aspekte spielen eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft. Die Menschen, die dafür verantwortlich sind – vor allem Landwirte – haben keinen einfachen, einseitigen Beruf. Ihre vielschichtige Arbeit beeinflusst unsere Welt auf unterschiedlichste Weise. Alle Facetten tragen dazu bei, die Landwirtschaft der Zukunft voranzutreiben und die weltweite Ernährung zu sichern – eine der größten Herausforderungen unseres Jahrhunderts.

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Von Sonnenblumen und Bohnenfeldern