Youth Ag-Summit in Canberra, Australien

‚3 kleine Dinge‘
für den Wandel

Fotos, Spaß und Spannung pur: Auf dem Youth Ag-Summit 2015 in Australien.
Fotos, Spaß und Spannung pur: Auf dem Youth Ag-Summit 2015 in Australien.
Ernährungssicherung betrifft uns alle – und es ist an der jungen Generation, Lösungen für die Zukunft zu finden. Vor diesem Hintergrund fand der Youth Ag-Summit 2015 in Australien statt.

„Wir wollen junge Führungskräfte zusammenbringen, damit sie ihre Ideen und Expertise austauschen, aber auch ihre Leidenschaft teilen. Sie treibt uns an, die Menschen unseres Planeten zu ernähren. Wir glauben, dass Innovationen entstehen, wenn Kreativität, Zusammenarbeit und die Begeisterung für das eigene Handeln zusammenkommen.“ Mit diesen Worten eröffnete Bernd Naaf, Leiter Business Affairs & Communications der Division Crop Science bei Bayer, den Youth Ag-Summit (YAS) 2015 in der australischen Hauptstadt Canberra. Auf dieser außergewöhnlichen Versammlung trafen sich 100 Vertreter aus 33 Ländern – mit einem einfachen gemeinsamen Ziel: Wege finden, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Den diesjährigen YAS, der auf die erste Veranstaltung 2013 in Kanada folgte, richtete Bayer zusammen mit dem Future Farmers Network (FFN) aus. Darin sollte der Jugend eine Plattform geboten werden, um zu diskutieren, wie eine wachsende Weltbevölkerung ausreichend ernährt werden kann. Gleichzeitig sollte das Treffen die jungen Landwirte dazu inspirieren, sich als aktiven Teil eines globalen Wandels zu verstehen. Auf der Agenda standen einfache und packende Themen wie Innovation, Nachhaltigkeit und Führung.

Um sich als einer der 100 Finalisten am YAS in Canberra zu qualifizieren, mussten die Kandidaten einen Aufsatz zum Thema „Anforderungen an die globale Ernährungssicherung“ verfassen. Laura Checa beispielsweise studiert Agrartechnik. In ihrem Essay behandelte sie den Mangel an jungen Farmern in ihrem Heimatland Spanien.

„Es gibt nicht genug junge Landwirte. Viele Menschen interessieren sich nicht für Landwirtschaft, weil sie mit zu vielen Problemen verknüpft zu sein scheint. Außerdem haben wir in den Industrieländern die Nähe zur Natur verloren, wertschätzen unsere Nahrung nicht mehr und neigen dazu, Lebensmittel zu verschwenden. In Entwicklungsländern dagegen fehlt es an geeigneten Lagermöglichkeiten, sodass dort viel Nahrung verdirbt“, erklärt sie. In ihrem Essay plädiert Checa für eine neue Stufe des Urban Gardening. Sie schlägt vor, bepflanzte Zierflächen in Obst- und Gemüsebeete umzuwandeln. Damit bekäme die Stadtbevölkerung einen engen Bezug zur Landwirtschaft und zugleich könne gegen die Lebensmittelverschwendung vorgegangen werden.

Laura Checa

Ich suche nach einem Weg, Menschen davon zu überzeugen, Lebensmittel nicht zu verschwenden.

Laura Checa, Youth Ag-Summit-Teilnehmerin aus Spanien

Hu Pu kommt aus der chinesischen Hauptstadt Peking. Dort arbeitet er an seiner ­Promotion und verbringt viel Zeit im Labor. Für ihn war es deshalb nur folgerichtig, sich in seinem Essay mit wissenschaftlichen Ansätzen zu befassen. „Ich bin ein echter Laborfreak und möchte Lösungen finden, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Deshalb habe ich einen Aufsatz über synthetische Biologie geschrieben, die immer populärer wird. Es geht darum, die Probleme mithilfe der Gentechnik zu lösen. Zum Beispiel müsste vielerorts der Salzgehalt im Boden gesenkt werden, um mehr fruchtbares Land zu gewinnen“, erklärt Pu.

Hu Pu kommt aus der chinesischen Hauptstadt Peking. Dort arbeitet er an seiner ­Promotion und verbringt viel Zeit im Labor. Für ihn war es deshalb nur folgerichtig, sich in seinem Essay mit wissenschaftlichen Ansätzen zu befassen. „Ich bin ein echter Laborfreak und möchte Lösungen finden, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Deshalb habe ich einen Aufsatz über synthetische Biologie geschrieben, die immer populärer wird. Es geht darum, die Probleme mithilfe der Gentechnik zu lösen. Zum Beispiel müsste vielerorts der Salzgehalt im Boden gesenkt werden, um mehr fruchtbares Land zu gewinnen“, erklärt Pu.

Edward Silva, Teilnehmer aus den USA, hat seinen Aufsatz auf das Farmleben ausgerichtet – was nicht sonderlich verwundert: Seine Familie baut Mandeln und Weintrauben an und hält eigenes Vieh auf ihrer Farm in Kalifornien. Silva beschreibt, dass es weltweit rund 500 Millionen kleine Farmbetriebe gibt, die tatkräftige Unterstützung benötigten, um ihren Beitrag zur Ernährung von mehr als neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 leisten zu können. „In meinem Aufsatz suche ich Antworten auf die Frage: Wie lassen sich die Möglichkeiten von Unternehmern ausbauen, einfach zugängliche, passende Technologien für die Kleinbauern zu entwickeln? Kleinen Farmbetrieben fällt es schwer, genauso effizient, effektiv und profitabel zu wirtschaften wie große Landwirtschaftsbetriebe. Aber mit der richtigen Technologie könnten sie nachhaltiger und rentabler agieren“, erklärt Silva.

Junge Visionäre in Aktion

Zu Tagungsbeginn konzentrierten sich die Teilnehmer auf 15 Topthemen, die aus den 100 Aufsätzen ausgewählt wurden. Silva erklärt, was damit passiert: Jeden Tag stimmen alle über diese Themen ab, um eine Prioritätenliste mit fünf Topthemen zu entwickeln. „Die 100 Teilnehmer wurden in Gruppen eingeteilt und haben diskutiert, welche Themen für sie die wichtigsten sind. Sie haben sich gefragt, wie sich die heutige Jugend bei der Ernährungssicherung von neun Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 am besten einbringen kann. Durchgehend wichtig waren die Themen Bildung und Kompetenzentwicklung, ebenso wie die Kommunikation über den Wert der landwirtschaftlichen Berufe und Bildungsmaßnahmen für Jugendliche. Diese Auswahl war nicht erstaunlich“, so Silva. „Aber es gab auch überraschende Themen wie R&D für Innovationen sowie Agrarprodukte, für die neue Produktionsweisen erschlossen werden.”

Am Ende der Woche standen fünf Topthemen fest: Erziehung, Kommunikation, verantwortungsvoller und nachhaltiger Konsum, Innovation sowie persönliche Führungsqualitäten. Sie bildeten die Grundlage für die Canberra Youth Ag-Erklärung. Dieses wichtige Dokument enthält eine Vielzahl an Lösungsansätzen und Handlungsvorschlägen. Laura Grubb aus Australien und Samba Ouma Zablon aus Kenia stellten sie im Oktober 2015 dem Komitee der Vereinten Nationen für globale Nahrungsmittelsicherheit in Rom vor. Die Erklärung ist aber nicht das einzige Ergebnis des YAS: Jeder Teilnehmer hat seine ganz persönliche sogenannte ‚3 kleine Dinge‘-Herausforderung angenommen und sich überschaubare Ziele gesetzt, um etwas zu verändern.

Hu Pu

Schon mit kleinen Dingen kann ich etwas zum Wohle der Gesellschaft beitragen.

Hu Pu, Youth Ag-Summit-Teilnehmer aus China
Laura Grubb und Samba ­Ouma Zablon durften die Youth Ag-Erklärung dem Komitee der Vereinten Nationen für globale Nahrungsmittelsicherheit vorstellen.

Laura Checa möchte ihre persönliche ‚3 kleine Dinge‘-Herausforderung damit beginnen, einen bienenfreundlichen Garten in ihrer spanischen Heimatstadt anzulegen. „Ich glaube, uns ist nicht bewusst, wie wichtig Bienen sind. Sie spielen eine große Rolle für die Bestäubung, die Landwirtschaft und die Artenvielfalt. Darum sollten wir uns kümmern. Zweitens beschäftigt mich die Verschwendung von Lebensmitteln. Deshalb möchte ich mir gerne etwas überlegen, um den Menschen in meiner Nachbarschaft klarzumachen, dass Lebensmittel nicht vergeudet werden dürfen“, sagt sie.

Für Hu Pu war der YAS eine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, eine Welt außerhalb Chinas kennenzulernen und zu erfahren, dass er viele Möglichkeiten hat. Pu möchte sich bei einer gemeinnützigen landwirtschaftlichen Organisation in China engagieren. „Bislang standen für mich meine eigenen Angelegenheiten im Vordergrund und ich habe dabei wenig an die Gesellschaft gedacht. Aber während des Summit wurde mir klar, dass ich eine Verantwortung habe – und dieser möchte ich gerecht werden. Schon mit kleinen Dingen kann ich etwas zum Wohle der Gesellschaft beitragen. Zweitens hoffe ich, meine Eltern davon überzeugen zu können, dass Gentechnologie nicht so schädlich ist, wie sie glauben. Beim YAS habe ich mir das Selbstvertrauen und die Geduld dafür erarbeitet. Der dritte Punkt besteht darin, jede Mahlzeit aufzuessen, die ich bestelle oder zubereite. Es ist eine Schande, dass wir hier auf dem Summit überlegen, wie wir die Menschheit ernähren sollen, während gleichzeitig große Mengen Lebensmittel ­vergeudet werden – vor allem in vielen Industrieländern“, erklärt Pu.

Edward Silva beginnt in Kalifornien seine ‚3 kleine Dinge‘-Herausforderung damit, sich einer der Prioritäten des YAS zu widmen – der Bildung. Erstens plant er, ein lokales agrartouristisches Geschäft aufzubauen, damit sich Landwirte und Verbraucher besser vernetzen können. Der zweite Punkt auf seiner To-do-Liste dreht sich darum, die Arbeit von 30 YAS-Teilnehmern aus der ganzen Welt bekannt zu machen – im Rahmen einer Publikation zum Thema Nahrungsmittel-Transport, die von der US-Organisation Food Tank ins Leben gerufen wird.

Als dritten Punkt hat er sich eine kühne und spannende Aufgabe gestellt: „Es gibt eine Wettbewerbsplattform namens HeroX. Dort kann ich Probleme veröffentlichen, die mich beschäftigen und beispielsweise mit der weltweiten Unsicherheit in Ernährungsfragen zu tun haben. Als Anreiz für Lösungsvorschläge kann ich Geld sammeln, um das Problem zu lösen. Bewerben kann sich im Grunde jeder – ganz gleich ob Ingenieur, Architekt, Wissenschaftler oder Nichtwissenschaftler, um das von mir gestellte Problem bestmöglich zu lösen. Derjenige, dessen Lösung gewählt wird, bekommt einen Geldpreis. Das ist eine gute Strategie, um Menschen zur Problemlösung zu ermutigen“, sagt er.

YAS 2015 trägt Früchte

Nach Ende des zweiten Youth Ag-Summit kehrten die Teilnehmer in ihre Heimat zurück – mit den Fähigkeiten und dem Selbstvertrauen im Gepäck, einen Wandel bewirken zu können. Hu Pu resümiert: „Die Veranstaltung war sehr gut organisiert – ich sehe Funken zwischen den Teilnehmern fliegen. Wir können sicher keine Patentrezepte liefern oder vielversprechende Projekte ins Leben rufen, die alle Fragen klären. Aber es war fabelhaft, dass sich Teilnehmer aus der ganzen Welt auf die wirklichen Herausforderungen konzentriert haben, vor denen wir stehen.“ Der Summit hat einen bleibenden Eindruck bei Pu und den anderen Teilnehmern hinterlassen. „Wir werden künftig Führungskräfte sein. Das Wohlergehen der Menschen wird auf unseren Schultern lasten. Darum ist es großartig, dass wir diese Erkenntnis bereits in so jungen Jahren gewinnen konnten. So haben wir noch genug Zeit und Möglichkeiten“, fasst Pu zusammen.

Edward Silva

Ich plane ein lokales Agrartouristikunternehmen, um Landwirte und Verbraucher besser zu vernetzen.

Edward Silva, Youth Ag-Summit-Teilnehmer aus den USA

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