Gemüseanbauer in Australien

Gemüseanbauer in Australien

Ein ganzjähriges

Geschäft

Ein ganzjähriges

Geschäft

Gemüseanbauer in Australien - Ein ganzjähriges Geschäft
Gemüseanbauer in Australien - Ein ganzjähriges Geschäft
Die landwirtschaftlichen Betriebe der australischen Ostküste sind berühmt für ihr hochwertiges Gemüse. Mit klugen Anbaustrategien gelingt es vielen Farmern dort, das ganze Jahr über zu produzieren.

Sonne und Regen wechseln sich an diesem Tag ab auf der Koala Farm im Lockyer Tal an Australiens Ostküste. Über dem Horizont der Gemüsebau-Region, 90 Kilometer westlich von Queenslands Hauptstadt Brisbane, schillert ein Regenbogen. Der ausgetrocknete Boden scheint den Niederschlag gut gebrauchen zu können.

Plötzlich wird der leichte Regen stärker. Derart heftige Niederschläge sind für Landwirte häufig ein Alarmsignal, da sie Vorboten für Überschwemmungen sein können. Doch Anthony und Diane Staatz bleiben gelassen. Sie ziehen ihre Gummistiefel an und gehen hinaus zu ihrem Treibhaus – für sie ist es ein ganz normaler Arbeitstag. Anthony bedient einen Schalter an der Wandkonsole, dann sehen er und Diane zu, wie sich über ihnen das Dach behutsam schließt. Wenige Augenblicke später nehmen sie das Geräusch des Regens nur noch als sanftes Summen wahr. Die Salatpflanzen im Inneren des Treibhauses sind durch das Dach geschützt. Die Möglichkeit, wenn nötig „den Himmel zu bewegen“ gibt Staatz’ Betrieb die Flexibilität, das ganze Jahr über Gemüse zu produzieren.

Den Himmel bewegen

Für das Land, das viele Down Under nennen, ist das keine Selbstverständlichkeit. Australien gilt als der trockenste bewohnte Kontinent, das Landesinnere muss mit geringsten Niederschlagsmengen auskommen. Insofern ist für australische Landwirte entscheidend, wie viel Wasser sie zur Bewässerung nutzen können. „Indem wir den Himmel anstelle der Pflanzen bewegen, können wir auf wechselndes Wetter flexibel reagieren, um das beste Klima für das Pflanzenwachstum zu schaffen”, sagt Anthony Staatz. „So können wir unsere Kunden zwölf Monate im Jahr mit gleichbleibender Gemüsequalität versorgen.”

„Diese Besonderheit unterscheidet uns von vielen anderen”, erläutert Staatz, der den Familienbetrieb 1990 mit seiner Frau Diane gründete. Außer in ihrem Betrieb in der ostaustralischen Stadt Gatton, im Lockyer Tal, produzieren sie Römer-Salatsorten wie Doppelpack Baby Cos, Midi Cos – mittelgroße Romanosalate – sowie Brokkoli in Cambooya, einem Ort im australischen Hinterland, etwa 60 Kilometer von Gatton entfernt. Das Klima in Cambooya ist noch trockener als in Gatton. „Die Kombination mehrerer Standorte bietet uns die Vielseitigkeit, um zwölf Monate im Jahr Gemüse zu ernten”, erklärt Anthony Staatz.

Brokkoli
Raten Sie mal

Ein durchschnittliches Stück Brokkoli deckt mehr als unseren täglichen Bedarf an Vitamin C ab.

Glückwunsch!
Brokkoli ist ein Vitamin C-Booster. Ein durchschnittliches Stück deckt 220 Prozent unseres täglichen Bedarfs ab.
Quelle: U.S. Food and Drug Administration
Überraschung!
Brokkoli ist ein Vitamin C-Booster. Ein durchschnittliches Stück deckt 220 Prozent unseres täglichen Bedarfs ab.
Quelle: U.S. Food and Drug Administration

Kontinuierliches Wachstum

Von mehreren Standorten profitiert auch die Rugby Farm, die 1912 als Familienbetrieb gegründet wurde. Dank regelmäßiger Erweiterungen gehört dieser Betrieb inzwischen zu Australiens größten Gemüseproduzenten und baut in vier Regionen Queenslands auf 5.600 Hektar Gemüse an. „Unsere Größe ist entscheidend dafür, dass wir profitabel bleiben”, sagt Rugby-Farm-Direktor Matt Hood.

Die Rugby Farm hat ihre Standorte in den vergangenen zehn Jahren stark erweitert, um ihre Kunden zwölf Monate im Jahr mit Gemüse zu versorgen. Matt Hood zufolge spiegelt seine Strategie einen globalen Trend wieder: „Die größeren Betriebe übernehmen weltweit den Großteil der Produktion”, erklärt er. „Das traditionelle Modell des Familienbetriebes ist in Australien unter Druck geraten.”

Die Modernisierung bringt für Matt Hood eine deutlich stärkere Automatisierung der Landwirtschaft mit sich: „Die Zeiten, in denen wir uns darauf verließen, dass ein Mann einen Job erledigt, sind eindeutig vorbei. Wir mussten größere Traktoren und größere Geräte anschaffen, damit dieser eine Mann mehr leisten kann. In Zukunft werden mehrere kleinere Maschinen erledigen, was früher ein Mitarbeiter mit seinem Traktor geschafft hat”, sagt er. Dementsprechend hat die Rugby Farm stark in landwirtschaftliche Flächen investiert, um sowohl saisonale Produkte als auch Ganzjahres-Erzeugnisse anbauen zu können. „In den vergangenen fünf Jahren floss ein großer Teil unserer Investitionen in die Verpackungs- und Versand-Optimierung”, beschreibt Hood weiter. „Wir haben die Nahrungsmittelsicherheit verbessert und extrem arbeitsintensive Abläufe, die nach der Ernte anfallen, automatisiert.”

Das traditionelle Modell des Familienbetriebes steht in Australien eindeutig unter Druck.

Matt Hood, einer von Australiens größten Gemüseproduzenten.

Australiens Gemüsefarmer müssen sich noch einer weiteren Herausforderung stellen: „Unsere Lohnkosten sind die dritthöchsten der Welt, sie machen ein Drittel unserer Gesamtkosten aus”, führt Matt Hood aus, der diesen Druck vor allem in den asiatischen Exportmärkten spürt. „Derzeit liefern wir nach Singapur, Malaysia und Neuseeland. Vor 15 Jahren haben wir noch mehr Länder beliefert, unter anderem Taiwan, Japan und Hongkong. Aber steigende Lohnkosten verschlechtern unsere Chancen im internationalen Wettbewerb und haben unsere Asien-Exporte verringert.” Für australische Farmer ist diese Situation eine echte Herausforderung, denn Asien bleibt aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums und des steigenden Wohlstands eine attraktive Exportregion.

60%

Australiens Landwirte exportieren etwa 60 Prozent ihrer Erzeugnisse.

Quelle: National Farmers' Association, Australia

Auch Darren Schreurs, ein Gemüseanbauer aus Devon im Bundesstaat Victoria, im Süden des Kontinents, steht vor dem Problem, asiatische Exportmärkte zu verlieren. „Obgleich wir nach wie vor Erzeugnisse nach Japan ausfliegen, verlieren wir diesen Markt nach und nach, da er einfach keine Gewinne mehr abwirft. Jahrelang haben unsere japanischen Kunden uns gebeten, die Preise zu senken. Aber wir müssen an unseren Preisen festhalten, weil die Kosten kontinuierlich steigen.“

Clevere Strategien

Schreurs kann der Situation dennoch einen positiven Aspekt abgewinnen: „Diese Herausforderung motiviert australische Landwirte, besonders innovativ zu denken.” Schreurs und seine Familie entwickelten Strategien, um ihre Ausgaben in anderen Geschäftsbereichen zu senken, indem sie auf Methoden des Integrierten Pflanzenbaus setzten. Diese nachhaltige Anbaumethode vereint die Nutzung aller biologischen, biotechnischen, züchterischen, anbau- und
kulturtechnischen Maßnahmen, um den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß zu beschränken. „Wir verteilen beispielsweise kompostierten Hühnermist zwischen den Lauchbeeten. In diesem Hühnermist lebende Milbentragen dazu bei, den Lebenszyklus anderer Schädlinge zu kontrollieren. Das hilft uns, die Schädlingszahlen gering zu halten. Im Laufe der Jahre hat sich diese Methode bewährt.“

Gemüseexport-Statistiken für eine Auswahl asiatischer
Länder

Ein Anhänger des integrierten Pflanzenbaus ist auch Paul Gazzola, Landwirt in dritter Generation im australischen Somerville in Victorias Süden. Mit der Unterstützung von Pflanzenbau-Experten und Insektenforschern kontrolliert Gazzola seine Äcker wöchentlich und praktiziert modernen Pflanzenschutz. „Wir nutzen jedes uns mögliche Mittel, um die Natur zu unterstützen. Wir helfen der Natur gewissermaßen uns zu helfen. Es wurden zum Beispiel eine Reihe neuer Wirkstoffe entwickelt, die dem integrierten Pflanzenschutz nützen”, sagt er. „Erledigt die Natur ihre Aufgabe gut, dann müssen wir nicht spritzen. Doch wenn sie Hilfe benötigt, verwenden wir Produkte, die ganz spezifisch auf den jeweiligen Schädling abzielen. Wir überlegen sehr genau, wie wir unseren Einsatz verringern und das Ergebnis verbessern können”, führt Gazzola weiter aus. Dieses Konzept scheint auf der Gazzola Farm gut zu funktionieren: „Wir setzen das ganze Jahr über wöchentlich zwischen 800.000 und 900.000 Pflanzen in den Boden.”

Die Natur unterstützen

Gazzola Farm, Koala Farm, Schreurs Farm und Rugby Farm – diese Gemüsebaubetriebe an Australiens Ostküste machen sich innovative Methoden zunutze. Durch clevere Strategien sind sie in der Lage, Herausforderungen zu meistern, die typisch für Australien sind, doch zugleich Landwirte in aller Welt betreffen. Dank ihres Einfallsreichtums können sie zwölf Monate im Jahr frische Produkte erzeugen.

Auf seinem Betrieb in Somerville sitzt Paul Gazzola unter dem regnerischen Himmel. Er bringt das Rezept für erfolgreichen Gemüseanbau in Australien auf den Punkt: „Du musst dein Gemüse behandeln wie dein Baby: Du musst nach ihm schauen, es füttern und ihm zu trinken geben. Wer das versäumt, erzielt am Ende kein gutes Ergebnis. Ich glaube fest an die Zukunft des Gemüsebaus in Australien.”

Wir nutzen jede uns mögliche Methode, die Natur zu unterstützen. Wir helfen der Natur uns zu helfen.

Paul Gazzola, australischer Landwirt aus Somerville

Ähnliche Artikel

Aktuelle Bewertungen (22)
Kommentar
Von Sonnenblumen und Bohnenfeldern