Austausch unter Agrar-Experten

Dialog schafft Wachstum

Internationale Teilnehmer suchten den landwirtschaftlichen Dialog.
Internationale Teilnehmer suchten den landwirtschaftlichen Dialog.
Direkte Kommunikation ist entscheidend: Der Future of Farming Dialog 2017 von Bayer bot Experten aus der Landwirtschaft eine Diskussionsplattform.

Fokussierte Debatten und Zuschauer, die sich eifrig Notizen machten und Fragen stellten – dies war die Kulisse der Crop Science Zentrale von Bayer in Monheim während des Future of Farming Dialogs 2017. Der Veranstaltungssaal im Tropicarium-Palmenhaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Bis zu 200 Teilnehmer folgten der Einladung von Bayer, ihre Gedanken über die Zukunft der Landwirtschaft auszutauschen. Mit dabei waren Landwirte, Wissenschaftler, Unternehmer, Journalisten und Ernährungsexperten aus aller Welt.

Die Podiumsgäste diskutierten eine Vielzahl landwirtschaftlicher Themen: vom Vertrauensaufbau bei Verbrauchern über die Relevanz von Innovationen bis hin zur Notwendigkeit einer nachhaltigen Agrarpraxis. Der Future of Farming Dialog 2017 bot verschiedenen landwirtschaftlichen Ansichten eine Plattform zum lebhaften Austausch. Liam Condon, Leiter der Division Crop Science von Bayer, betonte in seiner Eröffnungsrede, wie wichtig diese partnerschaftliche Stimmung sei: „Lebensmittel sind ein emotionales Thema und die Landwirtschaft benötigt viele unterschiedliche Akteure, um die Innovationen der landwirtschaftlichen Zukunft zu fördern.“

Vier Podiumsgäste – zwei Landwirte, ein Unternehmer und ein Ernährungsexperte – tauschten sich aus über den Stand der Landwirtschaft und berichteten von den Herausforderungen, die bewältigt werden müssen.

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Vielfalt in der Landwirtschaft
Ein Beruf mit vielen Facetten

Kontakt zum Verbraucher pflegen

„Das Gespräch offen mit den Verbrauchern zu führen, ist sehr wichtig“, sagt Markus Holtkötter, Landwirt aus dem Münsterland. Für ihn ist Landwirtschaft nicht nur ein Beruf, sondern seit seiner Kindheit auch Berufung. Um seine Arbeit bestmöglich zu erledigen, stellt er sich regelmäßig den Fragen der Öffentlichkeit – und vermittelt sein Wissen zum Thema Landwirtschaft.

Holtkötter beobachtet dabei oft falsche Vorstellungen: „Viele Verbraucher kennen die Grundlagen der Landwirtschaft nicht mehr, wie etwa die Menge an Pflanzenschutzmitteln, die wir auf dem Feld ausbringen. Das führt in der Öffentlichkeit zu falschen Vorurteilen.“ Über seine Social-Media-Plattform Frag den Landwirt diskutiert Holtkötter die Fragen der Öffentlichkeit und bietet Antworten. „Wir starteten die Plattform nachdem wir häufig Nachfragen zu unseren Social-Media-Beiträgen erhielten. Dabei erkannten wir, dass wir die Grundlagen der Landwirtschaft verständlich machen müssen, um etwa die Notwendigkeit des Pflanzenschutzes zu erklären.“ Diese Art der direkten Kommunikation zahlt sich aus, sagt Holtkötter. „Wir kommunizieren direkt und ehrlich. Viele unserer Fans erzählen uns, dass sie unsere Informationen und Motivation sehr schätzen. Genau darum geht es uns: den Dialog mit der Öffentlichkeit suchen und Vertrauen in die Landwirtschaft gewinnen.“ Holtkötter respektiert die Fragen und Bedenken der Menschen. „Wir können es nicht jedem recht machen, aber die meisten verstehen, dass unsere Arbeit weder mysteriös noch gefährlich ist. So vermitteln wir zum Beispiel die Gründe für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.“

Marcus Holtkötter

Genau darum geht es uns: den Dialog mit der Öffentlichkeit suchen und ihr Vertrauen in die Landwirtschaft gewinnen.

Marcus Holtkötter

Lebensmittelwahl der Verbraucher unterstützen

Karen Buch
Karen Buch
Karen Buch

Einzelhandels- und Ernährungsexpertin Karen Buch legt ebenfalls Wert auf eine transparente Kommunikation mit der Öffentlichkeit. „Ich möchte die Leute über die Wahl ihrer Lebensmittel aufklären und ihnen dabei helfen, ihre Familien gesund zu ernähren.“ Bei ihrer Arbeit als Direktorin einer amerikanischen Supermarktkette half Buch dabei, Programme und Dienstleistungen zu schaffen, die Verbraucher bei ihren Kaufentscheidungen unterstützen. „Indem wir die Verbraucher über Lebensmittel, landwirtschaftliche Methoden und Produktion informieren, erhalten sie ein besseres Verständnis dafür, woher ihre Lebensmittel stammen.“ Dank ihres engen Kundenkontakts bemerkt Buch häufig falsche Vorstellungen bei Verbrauchern: „Viele Menschen glauben beispielsweise, dass bei Bio-Lebensmitteln keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Doch das stimmt nicht“, sagt Buch. „Meine Aufgabe in der Nahrungsmittelkette ist es, über Fakten und Missverständnisse aufzuklären.“ Buch erkennt für Landwirte die Chance, falschen Vorstellungen der Verbraucher durch klare Kommunikation entgegenzuwirken. „Je mehr Landwirte ihr Wissen teilen und je häufiger sie dies tun, desto besser fühlen sich Verbraucher informiert. So werden Entscheidungen für Lebensmittel nicht mehr von Missverständnissen geleitet.“

Ich möchte die Leute über die Wahl ihrer Lebensmittel aufklären und ihnen dabei helfen, ihre Familien gesund zu ernähren.

Podiumsgast Karen Buch, führende Einzelhandels- und Ernährungsexpertin aus den USA, vermittelte ihre Ansichten aus der Welt der Ernährungswissenschaft und des Einzelhandels.

Gespräche über Daten und High-Tech

Um ihre Unternehmen weiterzuentwickeln, ist für Landwirte die Kommunikation mit den Verbrauchern ebenso wichtig wie der Austausch mit Technologieexperten. Allison Kopf, eine junge Start-Up-Unternehmerin und Podiumsgast der Veranstaltung, erklärt: „Landwirte benötigen technische Grundkenntnisse. Sie müssen wissen, welche Innovationen in der Entwicklung sind und welche Technologien ihnen weiterhelfen. Technologieunternehmen müssen im Gegenzug von Landwirten und der Industrie erfahren, was sie benötigen.“ Kopf sagt: „Ich glaube, dass sich spannende Möglichkeiten für die zukünftige Nahrungsmittelproduktion bieten, in der nicht nur Landwirte, sondern auch Wissenschaftler, Ernährungs- und Technologieexperten entscheidend sein werden.“

Kopf spricht aus Erfahrung: 2016 wurde sie als ‚Changemaker des Jahres‘ von der Association of Vertical Farming ausgezeichnet und vom Technologiemagazin Technical.ly Brooklyn zur Unternehmerin des Jahres gekürt. Sie ist Vorsitzende von Agrilyst, einer Management- und Analyseplattform für Indoor-Farmen, gegründet 2015 in Brooklyn, New York, USA. Um ihre Rentabilität zu erhalten und zu steigern, müssten Landwirte ihre Datenanalyse verbessern, sagt Kopf. „Viele Farmer arbeiten mit niedrigen Gewinnspannen. Neueinsteiger benötigen bis zu sieben Jahre, um profitabel zu wirtschaften. Datenanalysen helfen ihnen, diese Zeit auf ein bis zwei Jahre zu verkürzen, wodurch mehr Landwirte ihre wertvolle Arbeit fortsetzen können.“

Daten tragen ebenfalls dazu bei, den Gewinn zu verbessern. „Wenn Landwirte zehn Prozent ihrer verfügbaren Fläche nicht nutzen, kann das einen Einkommensverlust von hunderten oder tausenden US-Dollar bedeuten“, sagt Kopf. „Zu verstehen, wie man die verfügbare Fläche optimal nutzt, kann über den Verbleib in der Branche entscheiden.“

Allison Kopf
Allison Kopf

Für Kopf gibt es einen klaren Trend: Datenanalyse ist für die Landwirtschaft längst mehr als eine optionale Komponente. „Unternehmen ohne Datenstrategie werden scheitern. Landwirte sind darauf angewiesen, um schneller reagieren zu können und ihre Pflanzenpflege und ihre Umsätze zu optimieren.“ Zum Beispiel müssen Farmer die Bedürfnisse sowie Verhaltens- und Ernährungsweisen der Verbraucher kennen. „Daten, die dokumentieren, wer diese Verbraucher sind und wie sie konsumieren, helfen Landwirten, Pflanzenpflege und Anbauzyklen anzupassen. Diese Informationen können sie nutzen, etwa indem sie festlegen, welche Nutzpflanzen sie wie anbauen, wie viel diese kosten werden und welche Produkte sie liefern können.“

Voraussetzungen für digitale Landwirtschaft schaffen

Marco Parzianello, brasilianischer Landwirt und Geschäftsmann
Marco Parzianello, brasilianischer Landwirt und Geschäftsmann
Marco Parzianello

Ein weiterer Podiumsgast und Verfechter der digitalen Landwirtschaft ist Marco Parzianello, Landwirt der dritten Generation. Sein Unternehmen Parzianello Agro befindet sich im brasilianischen Sorriso in der Region Mato Grosso. Dort baut er auf einer Fläche von 11.000 Hektar Getreide und auf 10.000 Hektar Eukalyptus an. Seit seinem Bachelor-Abschluss in Agrar- und Konsumökonomie an der Universität Illinois in Champaign-Urbana widmet er sich der Weiterentwicklung seines Unternehmens. „Mit den Instrumenten der digitalen Landwirtschaft könnte ich wesentlich präziser arbeiten und genauer planen“, sagt Parzianello. Doch bevor Farmer diese Instrumente in Brasilien etablieren können, muss sich das Land einer anderen Herausforderung stellen: „Im Gegensatz zu vielen Industrieländern haben wir Probleme mit der Internetverbindung. Nicht alle Betriebe in Brasilien haben schon Zugang zum Internet.“ Genau wie die digitale muss auch die physische Infrastruktur Brasiliens erneuert werden. „Viele Straßen sind nicht fertig gestellt. Das beeinflusst unsere Logistik und führt dazu, dass wir Teile unserer Ernte verlieren.“

Einige der hier vertretenen Länder, wie die USA und Deutschland, sind Pioniere auf dem Gebiet der digitalen Landwirtschaft.

Marco Parzianello, brasilianischer Landwirt und Geschäftsmann, sprach aus der Sicht eines Landwirts, der seine Produktion mittels Technologien steigern möchte.

Trotzdem ist der Future of Farming Dialog für Parzianello eine Möglichkeit, um mehr über Potenziale und Herausforderungen der digitalen Landwirtschaft zu erfahren. „Einige der hier vertretenen Länder, wie die USA und Deutschland, sind Pioniere auf dem Gebiet der digitalen Landwirtschaft“, sagt Parzianello. „Es ist für mich sehr wertvoll, mehr über Anwendungsmöglichkeiten zu lernen, um sie selbst einmal in meinem Betrieb anwenden zu können.“ Parzianello betont, wie wichtig es für sein Land ist, die derzeitigen technischen Hürden zu beseitigen. „Wir brauchen den intensiven Informationsaustausch mit Anbietern, die uns Landwirte unterstützen, um mit digitalen Lösungen an den Problemen der Infrastruktur arbeiten zu können.“

Die Podiumsgäste machten deutlich, dass das Teilen von Einsichten und das Erklären der Landwirtschaft das Wissen und Vertrauen innerhalb der gesamten Nahrungsmittelkette stärkt. Allison Kopf stellte fest: „Es gibt unzählige Möglichkeiten für Innovationen in der Landwirtschaftsbranche, vom Verbraucher bis zum Produzenten und umgekehrt.“ Die Förderung dieser Innovationen ist wesentlich leichter, wenn die Landwirtschaftsexperten direkt zusammenarbeiten und sich austauschen.

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