Effiziente Strategien im australischen Getreideanbau

Innovationsgeist
auf den Feldern

Innovationsgeist auf den Feldern
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Der trockenste Kontinent der Erde stellt Getreide-Erzeuger vor extreme Herausforderungen. Drei Experten erklären, mit welchen Mitteln sie dennoch ihre Erträge sichern.

Es ist glühend heiß in der westaus­tralischen Stadt Bolgart. Stickige, trockene Luft erschwert das Atmen. Landwirt Trevor Syme betrachtet den roten, ausgetrockneten Boden unter seinen Füßen. Vor kurzem hat er sein Getreide geerntet – unter extremen Bedingungen: „Australien ist der trockenste Kontinent der Erde. Unser Betrieb liegt in einer besonders niederschlagsarmen Gegend mit geringer Bodenfruchtbarkeit. Das strapaziert unsere Böden und auch unsere Pflanzen.“

Umschichtung gegen Bodentrockenheit

Syme lässt sich von diesen Umständen aber nicht entmutigen. Im Gegenteil: Auf seinem 3.800 Hektar großen Ackerland, auf dem er Getreide und Hülsenfrüchte anbaut, arbeitet er mit einer Methode, die der oberen, trockenen Schicht des Bodens mehr Feuchtigkeit zuführt. Bei diesem Verfahren durchdringt eine landwirtschaftliche Maschine, genannt Grubber, den Boden und bricht den Lehm auf. Tonhaltiger Unterboden gelangt so in die trockene, obere Bodenschicht. Dies verbessert den Ackerboden, weil der Lehm nützliche Feuchtigkeit enthält und die Speicherung von Nährstoffen fördert. „Der größere Anteil an Feuchtigkeit im Mutterboden, der durch das Umschichten des Lehms entsteht, wirkt sich günstig auf die Samenkeimung und das Wachstum des Getreides aus”, erklärt Syme. „Das Lehm-Grubbern kostet mich nur halb so viel wie traditionelle Verteilungsmethoden. Für meinen Betrieb sind das spürbare Ersparnisse”, fährt er fort.

Mithilfe einer Präzisionskarte bestimmt Syme auf seinem Feld genau die Stellen, die eine Bearbeitung mit dem Grubber benötigen. „So finde ich heraus, wo der Boden besonders trocken ist und vom Umschichten des Lehms profitiert, und erhöhe die Chance, auch in diesen Bereichen höhere Erträge zu erzielen.”

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Wie viele Hektar Weizen sind nötig, um eine vierköpfige Familie zehn Jahre lang mit Brot zu versorgen?

Falsch! 0,4 Hektar mit Weizenanbau können eine vierköpfige Familie fast zehn Jahre lang mit Brot versorgen. Quelle: Bayer
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Kreis-Bewässerung

Will Ronald
Will Ronald
Will Ronald

Etwa 4.000 Kilometer östlich von Bolgart betreibt Will Ronald im australischen New South Wales den 2.000-Hektar-Betrieb „The Point”. Auch er hat eine Strategie entwickelt, trockenen Böden entgegenzuwirken: „Wir bewässern eine 400 Hektar große Fläche für unseren Weizen-, Hirse- und Baumwoll­anbau mit Kreis-Beregnungsanlagen.”

Bei dieser Bewässerungstechnik rotieren Sprinkler um eine zentrale Drehachse und bewässern die Pflanzen. Benetzt wird eine kreisförmige Fläche rund um den Drehpunkt, wodurch häufig runde Muster auf dem Acker entstehen. „Diese Pivot-Methode versorgt meine Pflanzen regelmäßig mit einer konstanten Wassermenge. Dadurch kann ich exakt bestimmen, wie viel und wie oft die Pflanzen Wasser bekommen. Das gibt mir Planungssicherheit und spart Ressourcen.”

Abgesehen von dem trockenen Klima, das zu Wasserknappheit führen und seine Böden strapazieren kann, muss sich Ronald auf seinem Betrieb auch mit Herbizid-Resistenzen auseinandersetzen. „Unsere Kulturen leiden vor allem unter resistentem Weidelgras.” Ronald bekämpft sie mit Applikationsgeräten, die mit Hilfe digitaler Technologie Unkraut aufspüren: Jede der Sprühdüsen ist mit einer Infrarot-Kamera ausgestattet, die den Zustand des Getreides erkennt. Die Düsen schalten sich automatisch an oder ab, je nachdem ob Unkraut sichtbar ist oder nicht. „Dieses Präzisionsinstrument spart Geld und hilft, Unkraut-Resistenzen vorzubeugen.”

Diese Pivot-Methode versorgt meine Pflanzen regelmäßig mit einer konstanten Wassermenge. Dadurch kann ich exakt bestimmen, wie viel und wie oft die Pflanzen Wasser bekommen. Das gibt mir Planungssicherheit und spart Ressourcen.

In New South Wales baut Landwirt Will Ronald auf seinem 2000-Hektar-Betrieb Weizen, Sorghum und Baumwolle an.
50%

der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in Australien entfällt auf die Weizenproduktion.

Quelle: Bayer Australien

Unterstützung erhalten Australiens Getreide-Landwirte zudem vom Verband der Getreideproduzenten Australiens (GPA). Andrew Weidemann, Landwirt in dritter Generation ist Vorsitzender des GPA und kennt die Branche sehr genau: „Die Getreideindustrie spielt eine wichtige Rolle für Australiens Wirtschaft. Sie trägt zur Nahrungssicherheit bei und macht fast ein Viertel aller landwirtschaftlichen Exporte aus. Derzeit bauen Landwirte in Australien auf 22 Millionen Hektar Getreide professionell an”, erklärt er.

Interessen stärken

Weidemann und die GPA unterstützen Australiens Getreide-Bauern mit Aktivitäten, zu denen auch die Zusammenarbeit mit der Regierung gehört, um die Stimme und Interessen der Landwirte zu stärken. Beispielsweise plädierte Weidemann bei der Regierung dafür, stärker in die Infrastruktur zu investieren. „Im Getreidesektor sind die Transportkosten enorm hoch.” Zum Beispiel ist das australische Eisenbahnnetz fast 60 Jahre alt. „Derzeit sind Australiens Getreidezüge langsamer und kleiner als die vieler internationaler Mitbewerber wie Kanada. Das kostet Australiens Getreideproduzenten Zeit und Geld und bringt Wettbewerbsnachteile”, erklärt Weidemann. Die Transportkosten im Getreidesektor machen durchschnittlich 30 Prozent der gesamten Produktionskosten aus, wie das Australian Export Grain Innovation Centre, eine Organisation zur Unterstützung der lokalen Getreidewirtschaft, berechnete.

Die Getreideindustrie spielt eine wichtige Rolle für Australiens Wirtschaft. Sie trägt zur Nahrungssicherung bei und macht fast ein Viertel der landwirtschaftlichen Exporte aus.

Andrew Weidemann ist Landwirt in dritter Generation und Vorsitzender der Organisation australischer Ge­treideproduzenten (GPA).

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Weidemann bewertet die hohen Produktionskosten als extrem belastend: „Diese Kosten haben sich in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt. Unser Produktivitätsniveau ist jedoch nicht gleichzeitig gestiegen.” Der Landwirt und die GPA kämpfen daher für Getreidepreise, die die Rentabilität des australischen Getreidesektors steigern. „Wir arbeiten dabei eng mit dem Landwirtschaftsministerium der Regierung zusammen.”

Um der Branche langfristig mit angewandter Getreideforschung zu helfen, arbeitet die GPA mit australischen Organisationen wie der Gesellschaft für Getreide- und Forschungs-Entwicklung (GRDC) sowie der staatlichen Wirtschaftsforschungs-Organisation CSIRO zusammen. Außerdem kooperiert sie mit international tätigen Unternehmen wie Bayer. Australiens Getreide-Erzeuger und die öffentliche Hand bündeln ihre Aktivitäten, um diese Forschung zu unterstützen. „Im Fokus unserer Anstrengungen stehen Krankheiten, Unkraut-Forschung und Australiens schwierige Bodenbedingungen”, erklärt Weidemann.

Die Getreideexperten Trevor Syme, Will Ronald und Andrew Weidemann belegen, wie australische Landwirte den extremen Herausforderungen des trockensten Kontinents der Erde widerstehen. Sie motivieren Landwirte und Experten, darüber nachzudenken, mit welchen cleveren Lösungen und mit Hilfe der Forschung sie die schwierigen Bedingungen auf dem Feld und in der Öffentlichkeit meistern können.

Getreideforschung Down Under

Das Centre of Excellence for Translational Photosynthesis des Australischen Forschungsrats ARC bringt Wissenschaftler von Universitäten und anderen Einrichtungen aus ganz Australien zusammen. Gemeinsam arbeiten sie in einem Forschungsprogramm, das sieben Jahre lang läuft. Professor Robert Furbank, Direktor des Zentrums, erklärt was die Getreideforscher erreichen wollen und welche Erfolge sie bereits erzielt haben.

Welche Forschungsziele verfolgen Sie?
Das Hauptziel ist es, neue, ertragreichere Sorten zu entwickeln. Hierbei versucht das Zentrum die Art und Weise zu verbessern, wie die Nutzpflanzen Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre und Energie über die Sonne aufnehmen. Wir wollen die Effizienz steigern, mit der die Pflanzen CO2 in Zucker umwandeln. Die natürlichen fotosynthetischen Anlagen in Getreidesorten wie Weizen und Reis sind nicht optimal. Leistungsfähigere Sorten haben daher das Potential, Erträge zu steigern.

Könnten Sie ein Beispiel einer aktuellen Getreidestudie nennen?
Forscher unseres Zentrums haben vor kurzem eine neue Sensor-Technologie ange­wendet, um großflächige Zuchtversuche mit Hirse-Sorten in Queensland durchzuführen. Bei diesen Experimenten haben sie Veränderungen der fotosynthetischen Merkmale identifiziert, die dafür genutzt werden können, neue, verbesserte Hirse-Sorten zu züchten.

Wie gestalten sich Ihre Kooperationen – beispielsweise mit der wissenschaftlichen Forschungsbehörde CSIRO und der Ge­­sellschaft für Getreide- und Forschungs-Entwicklung (GRDC)?
Das Zentrum vernetzt CSIRO-Forscher aus dem Agrar- und Ernährungsbereich mit Wissenschaftlern der Australian National University (ANU), um die Fotosynthese von Weizen und Reis zu verbessern. Zusätzlich untersuchen zwei neue Projekte mit der GRDC die Genetik der Atmung und Fotosynthese von Weizen. Wenn wir die Fotosynthese verbessern, eröffnen wir einen neuen, bislang noch unerschlossenen Weg, Erträge zu steigern.

Robert Furbank

Leistungsfähigere Getreide-Sorten haben das Potential, Erträge zu steigern, während Ressourcen wie Wasser und Nährstoffe, geschont werden.

Professor Robert Furbank, Direktor des Centre of Excellence for Translational Photosynthesis des Australischen Forschungsrats ARC
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