Herz eines Farmers

Verliebt
in Soja

Adair Boldrin und seine Frau Arci sind verliebt in Soja
Adair Boldrin und seine Frau Arci sind verliebt in Soja
Für viele brasilianische Landwirte hat die Sojapflanze einen grundlegenden Lebenswandel herbeigeführt. Heute sind südamerikanische Sojaproduzenten wie Adair Boldrin wahre Experten im Anbau.

Adair Antonio Boldrin streicht mit seinen Händen über die hüfthohen Sojapflanzen. Sein Blick schweift zum Horizont – bis dorthin reicht dieses Feld. Doch dieses Land umfasst nur einen Bruchteil von Boldrins landwirtschaftlich genutzten Flächen. Denn dem Farmer gehören noch vier weitere Produktionseinheiten für Soja und Mais. Zusammengenommen umfassen seine Ackerflächen mehr als 10.000 Hektar. Damit gilt Boldrin in Brasilien heutzutage als mittelgroßer Farmer. In Westeuropa würde seine Farm als Großbetrieb gelten.

Ein Lebenswerk

Die vier Farmen des Landwirtes Adair Boldrin umfassen mehr als 10.000 Hektar Ackerfläche.
Die vier Farmen des Landwirtes Adair Boldrin umfassen mehr als 10.000 Hektar Ackerfläche.

Heute ist Boldrin spürbar stolz auf sein Lebenswerk. Das Gefühl teilt auch seine Frau Arci, die auf dem langen Weg zum Erfolg immer an seiner Seite stand. Dabei haben die Boldrins ihre Bodenständigkeit nie verloren. Und obwohl das Ehepaar heute im großen Stile Soja produziert, sind auch auf dem Betriebsgelände überall noch kleine Details einer typischen Kleinfarm zu erkennen: Die Auffahrt zum Haupthaus ist gepflegt und mit Wegsteinen und hohen Bäumen umsäumt. Dazwischen picken frei laufende Hühner nach Körnern und irgendwo grunzen einige Hausschweine. Schaf- und Rinderzucht sind Boldrins Leidenschaft. Die Kuhmilch wird überwiegend zu Käse weiterverarbeitet. An jeder Ecke ist eine warme Herzlichkeit zu spüren – eine Liebe für das Land und für die Leute.

Dieses Glück haben sich die Boldrins hart erarbeitet. Als er und seine Frau nach Rio Verde im Bundesstaat Goiás kamen, hatten sie nichts. „Am Anfang fehlte es uns an allem. Es gab weder Kalk noch Dünger – und es gab weder Straßen noch Silos“, erinnert sich Boldrin. Das ist etwa 30 Jahre her. Damals war der zentrale Westen Brasiliens noch eine typische Savannenlandschaft – das sogenannte „Cerrado“: weite und unbewohnte Flächen, die günstig zu haben waren. Wie die Boldrins, kamen viele aus dem Süden Brasiliens, um hier ihr Glück zu finden. Die natürliche Vegetation ließ sich in Ackerflächen umwandeln, und die zunächst unfruchtbaren Böden wurden mit Kalk und Phosphor fruchtbar gemacht. Heute ist die Region weltweit die größte Produktionsstätte für Soja.

Rio Verde in Goiás; eine Teil der ausgedehnten Savannenlandschaft Zentralbrasiliens (Cerrado)
Rio Verde in Goiás; eine Teil der ausgedehnten Savannenlandschaft Zentralbrasiliens (Cerrado)
Die Landwirtschaftsbetriebe von Arci und Adair Boldrin und deren Familie liegen in der Nähe von Rio Verde in Goiás. Die Region ist Teil der ausgedehnten Savannenlandschaft Zentralbrasiliens (Cerrado) und umfasst die zentralen Gebiete des Landes. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Landwirte nutzbares Land in Ackerland umgewandelt.

Leidenschaft für das Land

Bevor Boldrin ins Cerrado kam, arbeitete er in den 1970er und 1980er Jahren in der Verwaltung einer großen Kooperative im Süden Brasiliens. Als der Zustrom auf die Region im zentralen Westen begann, zog es zunächst seine Brüder und Eltern nach Goiás. Boldrin half aus der Ferne bei der Finanzverwaltung ihrer Agrarunternehmungen. 1988 folgte er mit seiner eigenen Familie und machte sich wenige Jahre später mit eigenen Agrarbetrieben selbstständig. Heute ist Boldrin auch einer der größten Multiplikatoren für neue Saatgutsorten.

Herausforderungen der Zukunft

Trotz seiner Erfolgsgeschichte klagt Boldrin über dieselben Probleme wie andere Getreidefarmer: „Wir sind 950 Kilometer vom Hafen Santos entfernt und etwa 1.600 Kilometer von Paranagua. Unsere Ernte auf den Weltmarkt zu schaffen ist also nicht so einfach und deshalb relativ teuer.“ Tatsächlich macht die Logistik der Ernteprodukte, neben den Landmaschinen und dem Treibstoff, den größten Kostenfaktor aus. Bis zu 25 Prozent des Sojapreises gehen laut Boldrin dafür verloren. „Wenn wir niedrigere Kosten hätten, könnten wir mehr auf den Feldern investieren und unsere Rentabilität steigern“, sagt er. Im Süden des Landes sei das Problem nicht so ausgeprägt, weil man dort näher an den Häfen sei und die Ernteerträge auch mit Zügen transportieren könne.

Trotz dieser Herausforderungen möchten die Boldrins um nichts in der Welt tauschen: „Er ist verliebt in Soja“, sagt Arci Boldrin über ihren Ehemann. „Es fasziniert ihn, den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen. Wenn sie unter Dürre leiden, dann leidet er mit.“ Und wenn der Regen kommt und die Sojafelder wieder Kraft schöpfen, dann geht auch Adair Antonio Boldrin das Herz auf.

Adair Antonio Boldrin

Am Anfang fehlte es uns an allem. Es gab weder Kalk noch Dünger – und es gab weder Straßen noch Silos.

Adair Antonio Boldrin über die die Anfänge der Landwirtschaft im Cerrado

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