Insektenbestäubung: wichtiger Service für die Landwirtschaft

Biene im Fokus

Insektenbestäubung: wichtiger Service für die Landwirtschaft - Biene im Fokus
Insektenbestäubung: wichtiger Service für die Landwirtschaft - Biene im Fokus
Bienen gehören zu den wichtigsten Insekten in der Landwirtschaft: Sie tragen mit ihrer Bestäubung zur weltweiten Nahrungssicherheit bei. Aber die fleißigen Flieger müssen sich vielen Herausforderungen stellen.

Bienen und Pflanzen haben eine Abmachung: Die Insekten dürfen sich am süßen Nektar bedienen – und verteilen dafür den Blütenpollen. Gemeinsam mit Fliegen, Schmetterlingen oder Käfern helfen die Bienen so, einen großen Teil unserer Nahrungsgrundlagen zu sichern. Die fleißigen Flieger steigern in den meisten Teilen der Welt die Qualität und auch die Erträge von Obst, Gemüse oder Ölsaaten. In Kanada zum Beispiel helfen die gestreiften Insekten bei der Rapsproduktion. Denn sie sorgen mit ihrem Bestäubungsservice dafür, dass sich bei bestimmten Rapssorten mehr Schoten mit größeren Samen bilden. Die Hybrid-Rapssorten InVigor™ von Bayer sind gänzlich auf die Hilfe der kleinen Tiere angewiesen. Dafür versorgen die gelben Blüten die Bienen rund einen Monat lang mit ausreichend Nahrung.

Kanadas Rapsfelder sind jedoch nur ein Beispiel. Auch in vielen Teilen Europas, wie zum Beispiel in Südtirol, helfen die Bienen im Frühjahr, weitläufige Apfelplantagen zu bestäuben. In ihnen summt es geschäftig, denn die in der Region ansässigen Imker bauen ihre Bienenstöcke in der Nähe auf. Das freut die Farmer: „Wir wollen Qualitätsobst produzieren. Dafür brauchen wir Wildinsekten und auch Bienen“, erklärt Klaus Weissenegger, Betriebsleiter eines Obstanbaubetriebs in Bozen. „Deshalb achten wir darauf, so insektenschonend wie möglich zu produzieren.“ Die Insekten danken es ihnen und ermöglichen es Südtirols Landwirten, rund zehn Prozent der EU-weiten Apfelproduktion herzustellen. Die Bienenhalter profitieren wiederum in Form des Honigs, den sie von den gut genährten Bienenvölkern erhalten. Auch in Australien setzen die Farmer auf die Hilfe der Bienen: 65 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion hängen dort von der Bestäubung durch Honigbienen ab. Ebenso setzen die Landwirte in Down Under auf die kommerzielle Bestäubung mit stachellosen Bienen – beispielsweise für die Produktion von Macadamianüssen, Mangos und Litschis.

Seit Tausenden von Jahren halten Menschen Honigbienen als Nutztiere und bis heute sind die Bestäuber ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaften.
Seit Tausenden von Jahren halten Menschen Honigbienen als Nutztiere und bis heute sind die Bestäuber ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaften.
Seit Tausenden von Jahren halten Menschen Honigbienen als Nutztiere und bis heute sind die Bestäuber ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaften.

„Eine effiziente Landwirtschaft braucht beides: gesunde Bienen und modernen Pflanzenschutz“, so Dr. Christian Maus, Bienenexperte beim Bayer Bee Care Center in Monheim am Rhein. Die Mitarbeiter von Bayer arbeiten deshalb stets daran, den kleinen Helfern das Leben zu erleichtern. Zum Beispiel arbeiten die Forscher an Methoden, einen Hauptfeind der Honigbiene zu bekämpfen: die Varroa-Milbe. Sie hat sich über die vergangenen Jahrzehnte von Asien aus in fast der ganzen Welt verbreitet. Der Parasit saugt wie eine Zecke an den Bienen und überträgt dabei tödliche Krankheiten. „Varroa kann ganze Bienenvölker auslöschen“, erklärt Maus.

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aller Nahrungspflanzen hängen bis zu einem gewissen Grad von der Bestäubungsleistung der Bienen ab.

Viele Einflussfaktoren

Weltweit ist die Zahl an Honigbienenvölkern während der vergangenen 50 Jahre laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zwar um etwa 45 Prozent gestiegen – „aber auf regionaler Ebene werden negative Trends beobachtet, besonders in einigen europäischen Ländern und in Nordamerika“, so Bienenexperte Maus. Das hat viele verschiedene Gründe, die beispielsweise auch Krankheiten, widriges Wetter und ein zu geringes Nahrungsangebot einschließen. In den USA etwa macht den Tieren außerdem eine besonders intensive landwirtschaftliche Praxis zu schaffen: die Bestäubung der Mandelbäume. Dabei geht es um viel Geld, denn im westlichen Bundesstaat Kalifornien wachsen rund 80 Prozent der weltweit hergestellten Mandeln. Die Plantagen sind so groß, dass Wildinsekten oder einzelne Honigbienenvölker nicht ausreichen, um alle Bäume zu bestäuben. Stattdessen bringt man Bienenvölker gezielt in die Plantagen. Mehr als die Hälfte aller amerikanischen Bienenvölker brausen so jedes Jahr auf Lastwagen nach Kalifornien. Der Transportstress ist für die Tiere enorm. Und in den riesigen Schwärmen breiten sich Krankheiten rasant aus – und können zum schnellen Ende der Bienen und ihrer Bestäubungsleistung führen.

Eine effiziente Landwirtschaft braucht gesunde Bienen und modernen Pflanzenschutz.

Dr. Christian Maus, Bienenexperte im Bayer Bee Care Center in Monheim am Rhein

Vielflieger Bienen

Honigbienen suchen ihre Nahrung in einem Umkreis von drei bis vier Kilometer. Auf den Menschen übertragen hieße dies, für die Nahrungsbeschaffung rund 2.500 Kilometer zu reisen. Das entspricht der Entfernung von Stockholm nach Madrid.

Pflanzen- und Bienenschutz

Auch Pflanzenschutzmittel stehen regelmäßig in Verdacht, den nützlichen Bestäubern zu schaden. „Pflanzenschutz ist essenziell, um die Weltbevölkerung zu ernähren“, sagt Maus. „Aber wir haben dafür zu sorgen, dass der Schutz der Pflanze nicht zu Lasten nützlicher Insekten geht.“ Bevor ein Pflanzenschutzmittel eine Zulassung erhält, wird sein Einfluss auf Bienen oder andere nützliche Insekten in Labor- und Feldstudien gründlich und umfassend untersucht. Nur Produkte, die bei guter landwirtschaftlicher Praxis als unbedenklich einzustufen sind, werden auch zugelassen. Manche Produkte dürfen außerdem nicht zur Blüte der Kultur ausgebracht werden. Bei sachgerechter Anwendung gewährleistet das die maximale Sicherheit für pollensammelnde Insekten. Trotz dieser Vorsorgeleistungen gerät die Landwirtschaft immer wieder in die Kritik – vor allem die Neonikotinoide, also bestimmte Insektizide, die auf Saatgut von Mais, Ölsaaten, Soja oder Weizen aufgebracht werden. „Es gab gelegentlich Fälle, in denen Bienenvölker durch die falsche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu Schaden kamen“, erklärt Maus, „aber viele wissenschaftliche Studien, Daten aus Langzeitfeldbeobachtungen und Risikoeinschätzungen zeigen, dass Neonikotinoide unter realistischen Feldbedingungen Bienenvölker nicht schädigen, sofern sie vorschriftsmäßig entsprechend der Hinweise in Gebrauchsanleitungen eingesetzt werden.“ Dessen ungeachtet wurde der Einsatz von Neonikotinoiden in der Europäischen Union eingeschränkt. Das ist ein herber Schlag für die Landwirte. Denn ihnen fehlen jetzt Alternativen, um ihre Felder vor hungrigen Schadinsekten zu schützen. Bayer-Forscherarbeiten deshalb an neuen Wegen, die Produkte besser anwendbar zu machen.

Bienen müssen 2.000.000 Blüten ansteuern, um 0,5 Kilogramm Honig produzieren zu können.
Bienen müssen 2.000.000 Blüten ansteuern, um 0,5 Kilogramm Honig produzieren zu können.
Bienen müssen 2.000.000 Blüten ansteuern, um 0,5 Kilogramm Honig produzieren zu können.
Quelle: Bayer Crop Science
Ohne die Hilfe von Honig- oder Wildbienen würden viele Blütenpflanzen – wie dieser Apfelbaum – wenig oder keine Früchte tragen.

Einflüsse auf die Bienengesundheit

Es existieren viele Faktoren, die sich auf die Bienengesundheit auswirken. Deshalb sollten sich alle – Bauern, Imker, Politiker, Veterinäre, Gartenbauexperten und Landschaftsarchitekten – für die Bienengesundheit einsetzen.

Weniger Staub, mehr Bienen

Im Projekt „Zero Dust“ etwa, analysieren die Forscher und Entwickler den gesamten Prozess der Anwendung von Produkten: „Wir wollen zum Beispiel die Zusammensetzung der Beizmittelformulierungen und -beschichtungen so optimieren, dass sie zuverlässig auf den Saatkörnern haften“, erklärt Björn Schwenninger, der das Projekt bei Baye leitet. „Dass Produktbestandteile abreiben, wenn sie nicht exakt am Korn haften, kann nicht komplett verhindert werden. Der Staub kann dann auch in die Umwelt gelangen“, so Schwenninger weiter. Deshalb werden auch Anwendung, Lagerung, Transport oder Aussaat im Rahmen des Projekts überarbeitet.

Die Schonung der Nützlinge wird auch zukünftig ein zentrales Kriterium bei der Erforschung und Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln bei Bayer sein, um die Rolle der Bienen und Bestäuber für die Ökosysteme der Welt zu erhalten. Denn die Landwirtschaft ist auf die Honigbiene und ihre Bestäuberkollegen angewiesen – und sie auf die gemeinsame Hilfe von Farmern und Imkern.

Dialog und Kooperation

Die Bayer Bee Care-Zentren in Monheim und in North Carolina, USA, ­widmen sich der Gesundheit und dem Schutz von Bestäubern wie den Honigbienen.

Beide Zentren vereinen die Erfahrung und Kompetenz von Bayer im Bereich Bienengesundheit. Sie arbeiten mit Forschungsinstituten, Universitäten, Imkern und Partnern der Industrie an gemeinsamen Projekten zum Schutz von Bienen und anderen Bestäubern. Die Zentren dienen aber auch als Kommunikations- und Weiterbildungsplatt­formen für Imker, Landwirte, Forschungs- und Bildungseinrichtungen und für alle anderen, denen die Gesundheit und das Wohlergehen der Bienen ein Anliegen ist.

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