Kartoffel: Nahrungsmittel für die Kochtöpfe der Welt

Die globale Knolle

Kartoffel: Nahrungsmittel für die Kochtöpfe der Welt - Die globale Knolle
Kartoffel: Nahrungsmittel für die Kochtöpfe der Welt - Die globale Knolle
Kartoffeln sind Multitalente und werden weltweit immer beliebter: als Pommes Frites, Kloß oder Krokette. Mit einem Rundum-Service tragen Landwirtschaftsexperten von Bayer dazu bei, dass die Knollen auf ihrem Weg vom Feld in die Küche Qualität und Geschmack behalten.

Die Felder im niederländische Rutten sind leer – doch der riesige Kartoffelkeller von Stefan Reijntjens ist prall gefüllt: In anderthalb Meter hohen Kisten lagert der Landwirt seine Knollen, die Behälter stapeln sich bis unter die Decke – sieben Meter hoch. Doch in Reijntjens Lager ist nicht jede Kartoffel gleich: „Das ist zum Beispiel die Sorte Musica“, erklärt er und holt eine tiefgelbe Knolle aus einer der vielen Kisten. „Sie ist festkochend und eignet sich zum Beispiel als Pellkartoffel oder für Aufläufe.“ Musica ist eine von ungefähr 4.000 verschiedenen Kartoffel-sorten, die weltweit angebaut werden. Die Eigenschaften der Knollen sind so vielfältig wie ihre Zubereitungsarten.

Die unterschiedlichsten Ansprüche von Köchen und Verbrauchern fordern allerdings die volle Flexibilität der Farmer: „Deshalb planen die Landwirte bereits vor dem Anbau, ob sie ihre Kartoffeln nach der Ernte eher für die Saat, als Frischkartoffeln oder zur Weiterverarbeitung verwenden wollen“, sagt Albert Schirring, bei Bayer zuständig für Fungizide in Kartoffeln und Gemüse. Viele Bauern handeln deshalb auch Verträge mit Unternehmen in ihrer direkten Nachbarschaft aus: So bekommen Weiterverarbeiter beispielsweise ihre bevorzugten Sorten und garantieren den Farmern im Gegenzug feste Abnahmemengen und Preise. „Farmer, die Saatkartoffeln anbauen, müssen sogar schon zwei Jahre im Voraus erahnen, welche Wünsche die Kartoffelverarbeiter in Zukunft haben werden“, erklärt Schirring. Speisekartoffeln kommen nach der Ernte als Pellkartoffel auf unsere Teller oder landen geschnitten, frittiert oder gestampft in Fertigprodukten. Die kleineren Saatkartoffeln dienen aber als Saatgut, aus ihnen wachsen im nächsten Jahr neue Speisekartoffeln.

Landwirt Stefan Reijntjens
Landwirt Stefan Reijntjens
Landwirt Stefan Reijntjens 
hat sich auf die Produktion von Saatkartoffeln spezialisiert und erntet jährlich etwa 45 Tonnen pro Hektar.
4.000

verschiedenen Kartoffelsorten werden weltweit angebaut. Die Knollen sind nach Mais, Weizen und Reis die wichtigsten Nahrungspflanzen und enthalten so gut wie kein Fett, dafür viel Stärke, Vitamine und Mineralstoffe. Wegen dieser Qualitäten will die FAO Produktion, Kultivierung und Erforschung der Pflanze vorantreiben.
Quelle: World Atlas, FAO, 2017

Bewusst und gesund ernähren

Aber egal in welcher Form, die vielseitige Knolle ist auf ihrer Erfolgstour rund um die Welt kaum aufzuhalten: Beispielsweise auch in Indien spielt die Feldfrucht eine bedeutende Rolle. Das Land produziert zusammen mit China mehr als ein Drittel der weltweiten Ernte. „Kartoffeln sind für unsere Landwirte eine sehr wichtige Kultur, die vor allem in Nord-, Zentral- und Ostindien auf einer Fläche von etwa zwei Millionen Hektar angebaut wird“, sagt Amit Sharma, Regionalmanager bei Bayer in Indien. Die Landwirte pflanzen die Kultur in den Wintermonaten von November bis Februar. „So können sie den Zeitraum zwischen zwei Reisernten ideal ausnutzen“, erklärt Sharma.

Doch es reicht nicht allein aus, möglichst hohe Ernten in vielen Ländern zu fördern. Auch ein nachhaltiger Anbau qualitativ hochwertiger Kartoffeln sowie geeignete Transport- und Verarbeitungsketten sind nötig, um den Herausforderungen der Ernährungssicherung zu begegnen. Denn auch das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung steigt – und damit die Nachfrage nach hochwertigem Gemüse. Deshalb stärkt Bayer die Zusammenarbeit in der Lebensmittelkette zwischen Kartoffelanbauern, Händlern und Verarbeitern. In mehr als 240 sogenannten Food Chain Partnership-Initiativen unterstützt der Konzern Landwirte weltweit, Ernten mit bestmöglicher Qualität zu erzeugen. In Zusammenarbeit mit dem multinationalen Nahrungsmittelunternehmen PepsiCo schult Bayer beispielsweise Kartoffellieferanten aus Südamerika in nachhaltiger Landwirtschaft. Das Programm startete in Kolumbien, Argentinien, Ecuador und Chile und wurde inzwischen auf weitere Länder ausgedehnt.

Amit Sharma und Shivaji Shavan
Amit Sharma und Shivaji Shavan
Der Bayer-Regionalmanager Amit Sharma (rechts) und der Landwirt Shivaji Shavan inspizieren geerntete Kartoffeln. Sharma unterstützt die Landwirte durch seine regelmäßigen Besuche.

Wasserverbrauch für die Produktion von einem
Kilogramm Lebensmittel

Da die Kartoffel-Poduktion mit vergleichsweise wenig Wasser auskommt, könnte sie helfen, die Lebensmittelversorgung zu verbessern.

Quelle: Unesco-IHE for Water Education, Water Footprint Netork

Hohe Qualitätsstandards

Albert Schirring, Global Crop Manager bei Bayer
Albert Schirring, Global Crop Manager bei Bayer
Albert Schirring, Segmentmanager Fungizide für Kartoffeln und Gemüse

Aber die Topqualität der Kartoffelknollen ist durch verschiedene Krankheiten und Schädlinge gefährdet. Das weiß auch Stefan Reijntjens: Er hat sich auf die Produktion von Saatkartoffeln spezialisiert und holt jährlich pro Hektar etwa 45 Tonnen aus der Erde. Nur mit größter Sorgfalt kann der Landwirt die hohen Qualitätsstandards erfüllen, die von seinen Saatkartoffeln gefordert sind. Dabei liegt die Messlatte sogar noch höher als bei Speisekartoffeln. Denn damit aus den kleinen -runden Knollen im kommenden Jahr wiederum hoch wertige Speisekartoffeln wachsen, müssen die Saatkartoffeln absolut perfekt sein. Aber nur ein wirkungsvoller Schutz schafft die Voraussetzung für gesunde und ertragreiche Kartoffelpflanzen. „Und der beginnt schon, bevor die Kartoffeln überhaupt in die Erde gepflanzt werden, bei der Behandlung des Saatguts“, sagt Albert Schirring. Saatkartoffeln werden dabei gleichmäßig mit einem Beizmittel überzogen, das als Schutzschild gegen Pilze oder Insekten dient.

Ein wirkungsvoller Schutz ist die Voraussetzung für gesunde und ertragreiche Kartoffelpflanzen.

Albert Schirring

Wichtige Kartoffel-Produzenten rund um den Globus

Kartoffeln wachsen unter beinahe allen Klimabedingungen: von den kalten Hängen der Anden bis ins tropische Flachland Asiens. Deshalb bietet die Knolle beispielsweise gerade für Kleinbauern in Entwicklungsländern eine gute Basis. Der Spitzenproduzent ist China: Dort wächst ein Viertel der weltweiten Ernte.

Quelle: FAOSTAT 2014

Gesündere Pflanzen

Diese Substanzen verhelfen den Knollen zu einem erfolgreichen Start im Boden: Die Pflanze keimt früher und wächst schneller als ihre unbehandelten Kollegen. „Für die Landwirte bedeutet das also nicht nur gesündere Pflanzen, sondern auch höhere Erträge – bei geringer Aufwandmenge“, erklärt Roland Gallow, bei Bayer zuständig für Beizmittel in Gemüse und Kartoffeln. Doch auch nach der Ernte sind die Kartoffeln gefährdet, etwa von Lagerpilzen, die sich während der monatelangen Aufbewahrung auf den Knollen breit machen können. Deshalb achten die Landwirte auf eine korrekte Lagerung des Ernteguts. Denn nur frisch und gesund darf eine Kartoffel vom Feld auf den Teller und trägt wirklich zur Nahrungssicherung bei.

„Das Interesse an Kartoffelsorten steigt“

Wie hat sich die Kartoffelindustrie in den letzten 20 Jahren verändert?
Es gab eine sehr starke Konsolidierung, die noch nicht abgeschlossen ist. Die Abnehmer der Kartoffelindustrie sind größer geworden, und ihre Zahl hat sich verringert. Entsprechend hat sich auch die Industrie selbst verdichtet. Außerdem ist der Konkurrenzdruck extrem gestiegen – sowohl im Bereich der Erzeugung als auch darüber hinaus. Im Jahr 2016 bot ein durchschnittliches Einzelhandelsgeschäft etwa 600.000 verschiedene Artikel an. Das sind 18 Prozent mehr Waren als noch im Jahr 2012. Auf den Speiseplänen von Restaurants konkurrieren Kartoffeln zudem immer mehr mit Gemüsesorten und stärkehaltigen Beilagen. Trotzdem ist der Gemüsekonsum insgesamt nur leicht gestiegen. Kartoffeln müssen trotzdem stetig um ihren Anteil am Verbrauch und am Marktvolumen kämpfen.

Welche Veränderungen gab es am Convenience-Markt?
Die Geschäfte sind voll mit neuen Lebensmittelprodukten. Hersteller liefern zahlreiche Produkte, die Verbraucher einfach und schnell zubereiten können. Dazu zählen sowohl frisch verarbeitete Lebensmittel als auch Produkte, die Konsumenten in der Mikrowelle erhitzen. Die Kartoffel spielt hierbei noch eine eher kleine Rolle, obwohl das Segment stetig wächst. Das Verkaufsvolumen frischer Kartoffelprodukte für die Mikrowelle ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 29 Prozent gestiegen, was zu einer Umsatzsteigerung von 47 Prozent führte. Auf diese Produktgruppe entfielen 1,6 Prozent des Umsatzes mit Frischeprodukten. Auf dem Ernährungsplan US-amerikanischer Konsumenten stehen am häufigsten Kartoffeln (inklusive Chips). Mit etwa 41 Prozent werden Kartoffeln dort häufiger gegessen als Nudeln (40 Prozent), Reis (36 Prozent) oder Geflügel (31 Prozent). Kartoffeln sind im dritten Jahr in Folge die am häufigsten zum Abendessen verzehrte Beilage.

Welche Trends erwarten Sie für die Zukunft?
Wir konnten bereits beobachten, dass das Interesse an Kartoffelsorten in Großbritannien steigt – und zwar sowohl im Einzelhandel als auch in der Gastronomie. Und es gab Anzeichen, dass sich der US-Einzelhandel in eine ähnliche Richtung bewegt. US-Amerikaner legen weiterhin zunehmend Wert auf gesunde Ernährung und erkennen dementsprechend immer deutlicher die Nährwertvorteile der Kartoffel. Doch wenn dieser Trend voll ausgeschöpft werden soll, müssen auch neue Sorten und Produktformen berücksichtigt werden. Kartoffeln sind die ideale Wahl für Verbraucher, die sich gesünder und gleichzeitig preisgünstiger ernähren möchten. Wir werden erleben, dass dieser Trend der Branche zugutekommt.

Quellen:
2017 Consumer A&U, Potatoes USA
Nielsen FreshFacts Data, Stable Store - Historical Data, 2012-2016
Nielsen FreshFacts Data, 2015-2016

Kathleen M. Triou
Kathleen M. Triou
Kathleen M. Triou ist Präsidentin und Geschäftsführerin von Fresh Solutions Network, LLC und kennt die Trends am Kartoffelmarkt.

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