Nachhaltige Landwirtschaft in der Praxis

Innovationen für
Wasser und Boden

Innovationen für Wasser und Boden
Innovationen für Wasser und Boden
Der nachhaltige Umgang mit Wasser spielt in der Landwirtschaft eine große Rolle. Das Phytobac-System schützt die wertvolle Ressource vor unerwünschten Verunreinigungen.

Landwirt Bernd Olligs hat Feierabend – der anstrengende Tag auf dem Acker nahe Köln ist vorbei. Aber für Millionen winziger Mikroorganismen fängt die Arbeit jetzt erst an. Denn wenn Bauer Olligs am Ende des Arbeitstages seine Spritzmaschine reinigt, fließt das Abwasser vom Waschplatz in ein ganz besonderes Auffangbecken: PhytobacTM – ein biologisches System zur nachhaltigen Entsorgung von Restflüssigkeiten im Pflanzenschutz. In dem Becken gehen dann sofort Millionen von Mikroorganismen ans Werk und beginnen ganz freiwillig mit der Reinigung des Wassers. „Frischwasser ist die wichtigste Ressource in der Landwirtschaft“, sagt Olligs. „Und jetzt kann ich auch als Farmer beim Gewässerschutz mit anpacken.“

Denn Phytobac reduziert die Menge an Fremdstoffen, die sonst in die Gewässer gelangen können. Dazu gehört beispielweise das Waschwasser, das beim Reinigen der Spritzmaschinen anfällt. „Solche sogenannten ‚Punkteinträge’ können mit dem Phytobac-System komplett vermieden werden“, sagt David Lembrich, der in der Zentrale von Crop Science in Monheim diese Systeme betreut.

Und das Konzept ist einfach: Die wasserdichte Grube ist mit einem Substrat aus Erde und Stroh gefüllt. Es soll den mikrobiellen Helfern als optimaler Lebensraum dienen. Ist das Substrat ausreichend feucht, machen sich die Mikro­organismen über die Reste der Pflanzenschutzmittel im Waschwasser her und zersetzen sie. Das Waschwasser wird über eine Tröpfchenbewässerung über dem Subs­trat verrieselt und verdunstet letztlich von der Oberfläche wieder in den Wasserkreislauf. Mittlerweile gibt es in ganz Europa bereits rund 2.500 Phytobac-Anlagen – Tendenz steigend. Und schon bald soll das nachhaltige System den großen Schritt nach Asien machen. „Auch Landwirte aus Südamerika haben bereits ihr Interesse bekundet“, erklärt Lembrich.

Auch Landwirte aus Südamerika haben bereits ihr Interesse bekundet.

David Lembrich, Crop Science in Monheim
2.500

Phytobac-Anlagen gibt es mittlerweile bereits in ganz Europa.

Ganzheitliches Konzept

Ursprünglich in Schweden als Biobed erfunden, entwickelte ­Bayer das Konzept unter dem Namen Phytobac weiter. „Phytobac ist mehr als eine einfache Sickergrube. Es wird für jeden Einsatz maßgeschneidert“, erklärt Jens Husby, der bei Bayer in Dänemark die Entwicklung von Biobeds in den vergangenen Jahren maßgeblich vorangetrieben hat.

So funktioniert das Phytobac-System

Anfallendes Waschwasser wird aufgefangen und im sogenannten Phytobac auf ein Substrat aus Erde und Stroh verrieselt 1. Produktreste werden darin biologisch abgebaut 2 und das Waschwasser verdunstet 3. Der Strohhäcksel im Phytobac 4 dient den Mikroorganismen als Nahrungsquelle und wird jährlich ergänzt. Einmal angelegtes Substrat kann daher über viele Jahre genutzt werden.

Einfache Mittel für eine nachhaltige Landwirtschaft

Bevor das biologische Aufbereitungssystem installiert wird, analysieren die Experten von Bayer den Boden vor Ort, prüfen die klimatischen Bedingungen und ermitteln außerdem die Verdunstungsraten. Zu diesen Daten fließen noch die Waschwassermengen und die Häufigkeit der Pflanzenschutzbehandlungen ein. Damit wird die Größe der benötigten Anlage festgelegt. Und wenn der Landwirtschaftsbetrieb wächst, lässt sich auch die Phytobac-Anlage flexibel erweitern. Zudem bietet das System zahlreiche Ergänzungen: zum Beispiel ein Regenwasser-Auffangbecken zur Speisung des Spritzenfülltanks oder einen Ölabscheider für die Reinigung der kompletten Landmaschinen. „Phytobac ist ein exzellentes Beispiel dafür, dass man schon mit verhältnismäßig einfachen Mitteln eine nachhaltigere Landwirtschaft betreiben kann“, sagt Lembrich.

Zwei Fragen an Bernd Olligs
„Mehr Bewusstsein beim Gewässerschutz“

Bernd Olligs
Bernd Olligs
Bernd Olligs, Landwirt auf dem Damianshof in Rommerskirchen

Was können Landwirte für den Gewässerschutz tun?
Wir müssen zum Beispiel beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln noch mehr Verantwortung übernehmen und das Bewusstsein für den Gewässerschutz stärken. Wir wissen, dass hier und da Punkteinträge entstehen können, aber wir müssen auch daran arbeiten diese zu reduzieren. Das Phytobac-System ist dafür eine sehr sinnvolle Lösung.

Gibt es Gründe, die Reinigung der Spritzanlagen vom Feld auf die Hoffläche zu verlegen?
Auf der Hoffläche sind die Wege einfach kürzer, und ich habe alles, was ich brauche: Vom Hochdruckreiniger bis zu den Werkzeugen und Ersatzteilen falls eine Reparatur an der Landmaschine notwendig ist. Das optimiert meine Arbeitsabläufe, und gleichzeitig schone ich damit eine wertvolle Ressource: das Wasser.

Ähnliche Artikel

Aktuelle Bewertungen (1)
Kommentar
Von Sonnenblumen und Bohnenfeldern