Neue Ideen für verbesserte Sicherheit auf den Feldern

Sicherheit steckt
im Detail

Neue Ideen für verbesserte Sicherheit auf den Feldern - Sicherheit steckt im Detail
Neue Ideen für verbesserte Sicherheit auf den Feldern - Sicherheit steckt im Detail
Um Pflanzenschutzmittel noch sicherer ausbringen zu können, arbeitet Bayers Geschäftsfeld Crop Science an neuen Methoden. Sie sollen helfen, mögliche Risiken zu minimieren und die Wirkungen zu verbessern.

Pflanzenschutzmittel müssen so angewendet werden, dass sie für Landarbeiter, Verbraucher und die Umwelt sicher sind. Genau das will Bayer mit innovativen Technologien erreichen – wie etwa speziellen Düsen oder einer Art „Ackerstaubsauger“ für die Ausstattung von Sämaschinen. „Wir Landwirte müssen uns der Umwelt und den Anforderungen der Öffentlichkeit stellen und darauf achten, dass wir Pflanzenschutzmittel auch so schonend wie möglich anwenden“, sagt Stephan Münks, Landwirt aus Meerbusch bei Düsseldorf. Verlassen kann er sich dafür auf die Arbeit von Reinhard Frießleben, Leiter der Applikationstechnik bei Crop Science.. Seine Tätigkeit besteht darin, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu optimieren, ohne ihre Wirkung zu beeinträchtigen. Die technischen Ansätze sind so verschieden wie die Kulturen selbst.

Präzise Sicherheit

Die Bemühungen von Bayer in Sachen Umweltschutz beginnen lange bevor das Produkt auf die Felder gelangt. Die easyFlow-Technologie verbindet Kanister und Tank sicher miteinander, wenn der Gerätetank mit Spritzflüssigkeit befüllt wird. „Das verhindert, dass kleinste Mengen daneben gehen“, sagt Frießleben. Gemeinsam mit agrotop – Spezialist für Düsentechnik – hat Bayer diesen Adapter entwickelt. easyFlow setzt sich aus zwei Ge­brauchsteilen zusammen: dem Tank- und dem Kanisteradapter. Beide Elemente greifen wie Schlüssel und Schloss ineinander. Die Flüssigkeit kann dadurch dosiert und kontaminationsfrei umgefüllt werden. Das vermeidet Punkteinträge in den Boden, in umliegende Gewässer oder in die Abwassersysteme. Auch für den Landarbeiter bringt die Technologie zusätzlichen Schutz: Er kommt nicht in Kontakt mit dem Produkt. Mithilfe eines angeschlossenen Wasserschlauchs lässt sich der Kanister nach einer Teilentnahme auch zwischenspülen oder nach Komplettentleerung vollständig reinigen. So wird jeder Tropfen des Pflanzenschutzmittels verwertet und wird nicht zum schädlichen Abfall.

Hightech auf dem Feld: Neue Entwicklungen tragen zum Umweltschutz bei. Reinhard Friessleben, Leiter der Applikationstechnik bei Crop Science (links), und sein Kollege Karl-Hans Hebbecker sprechen vor einem Feldversuch über die Verbesserungen der SweepAir-Technologie.
Hightech auf dem Feld: Neue Entwicklungen tragen zum Umweltschutz bei. Reinhard Friessleben, Leiter der Applikationstechnik bei Crop Science (links), und sein Kollege Karl-Hans Hebbecker sprechen vor einem Feldversuch über die Verbesserungen der SweepAir-Technologie.
Hightech auf dem Feld: Neue Entwicklungen tragen zum Umweltschutz bei. Reinhard Friessleben, Leiter der Applikationstechnik bei Crop Science (links), und sein Kollege Karl-Hans Hebbecker sprechen vor einem Feldversuch über die Verbesserungen der SweepAir-Technologie.

Dass easyFlow für die Landwirte eine vielversprechende Option darstellt, konnte die Technologie bereits unter Beweis stellen. Frießleben berichtet, dass die Technologie auf der Agritechnika in Hannover 2013 mit der Silbermedaille ausgezeichnet wurde. Er ist zudem stolz darauf, dass sie auf der Internationalen Fachmesse im Bereich Landwirtschaft und Tierzucht (SIMA) im Februar 2015 in Paris ebenfalls „eine sehr positive Resonanz“ erzielte.

Schutz im großen Stil

Weil zu jeder Pflanzenschutzmaßnahme auch das richtige Applikationsgerät gehört, arbeitet Bayer auch an weiteren Innovationen für die Landwirtschaft, wie zum Beispiel daran, die sogenannte Dropleg-Technologie für den Rapsanbau zu etablieren. Die Düsentechnik hat sich bereits in Anbaukulturen wie Baumwolle oder Gemüse bewährt. Bei Dropleg handelt es sich um eine Spritzvorrichtung mit tiefer liegenden Düsen. Dadurch werden die Pflanzen nicht wie bislang von oben, sondern von unten mit den Pflanzenschutzmitteln benetzt: „Das verringert das Abdriften von Pflanzenschutzmitteln und die Spritzflüssigkeit gelangt nicht auf die Blütenebene. Das schont Bienen und andere Bestäuber“, erklärt Frießleben. Die Dropleg-Technologie befindet sich bereits kurz vor Abschluss der Testphase – und zeigt positive Ergebnisse. Für eine breite Markt­einführung arbeitet Frießleben nun eng mit Behörden und Geräteherstellern zusammen.

Die Saatgutbehandlung ist eine besondere Form des Pflanzenschutzes, der schon bei jungen Pflanzen ansetzt. Dadurch lassen sich die Samen und Keimlinge einer Kulturpflanze schützen, um sie nach der Aussaat möglichst lange frei von Schädlingen und Pilzkrankheiten zu halten. „In der Folge können später Insektizid- oder Fungizidbehandlungen eingespart werden“, erklärt Frießleben.

Bei unsachgemäßer Anwendung der Beizmittel können sich diese jedoch abreiben und während der Aussaat in die Umwelt gelangen. Die Anwendung mancher Mittel wurde deswegen schon untersagt. Für viele Landwirte bedeuten diese Restriktionen allerdings immense Ernte­verluste. Mit dem Projekt „Zero Dust“ setzt sich Bayer für eine sichere Ausbringung gebeizter Samen ein – und reduziert so mögliche Gefahren für die Umwelt. In dem Projekt sollen Beizmittelformulierungen und -beschichtungen so verbessert werden, dass sie zuverlässig an den Saatkörnern haften.

Frühjahrsputz auf dem Feld

Und auch die Sämaschinen lassen sich in dieser Hinsicht noch verbessern. Die modernen Geräte funktionieren mit Saugluft: Die Samen werden dabei an eine Säscheibe angesogen – durch dieses Prinzip kann sich auch schädlicher Staub in der Umwelt verteilen. „Nur ein kleiner Bestandteil dieser Partikel ist Beizstaub, aber genau den gilt es zu eliminieren“, erklärt Frießleben. Die Experten von Bayer arbeiten deshalb an einer innovativen Luftaufbereitungstechnologie: SweepAir ist ein Aufsatz, der auf dem Sägerät montiert wird. Wie ein Staubsauger fängt er den Beizstaub direkt bei der Aussaat wieder auf. Die aufgesogene Luft wirbelt durch den Zyklon. Durch die entstehenden Zentrifugalkräfte fällt der Staub nach unten, wird aus dem Zyklon befördert und zusammen mit dem Saatgut im Ackerboden vergraben. Die gefilterte Luft pustet das Gerät nahe am Boden wieder aus.

Reinhard Friessleben

Wir müssen dafür sorgen, dass Pflanzenschutzmittel nur dorthin gelangen, wo sie wirken.

Reinhard Friessleben,
Leiter der Applikationstechnik bei Crop Science.

Karl-Hans Wellen ist Lohnunternehmer für landwirtschaftliche Dienstleistungen in Krefeld. Er hat den SweepAir-Prototyp im Jahr 2014 bei der Aussaat von über hundert Hektar Mais getestet. Seiner Meinung nach ist die Anwendung riesige Schritte vorangekommen. Wellen: „Die schädlichen Staubpartikel konnten um 99 Prozent verringert werden. Das System funktioniert also. Jetzt müssen wir es nur noch verfeinern.“ Wellen berät interessierte Landwirte, die das Gerät kaufen möchten. „Die Technologie ist mit einem spürbaren Kostenaufwand verbunden. Deshalb ist es wichtig, dass ihnen die Vor- und Nachteile bewusst sind“, ergänzt er.

Landwirt Stephan Münks verspürt eine moralische Verpflichtung, die Entwicklung voranzutreiben. Er hat seine Ackerflächen für die Tests zur Verfügung gestellt und ist überzeugt, dass die Anwendung klare Vorteile bietet: Sie reduziert deutlich die Gefahr, dass schädliche Staubpartikel in die Umwelt gelangen. Er glaubt an das Potenzial von SweepAir, die Umwelt zu schonen, und erlaubt auch weitere Testversuche auf seinem Ackerland.

Gemeinsam mit vier Kollegen arbeitet Frießleben daran, ein globales Netzwerk von Fachleuten zu etablieren. „Die Zusammenarbeit ist extrem wichtig“, sagt er. „Unter anderem arbeiten wir mit Umweltverantwortlichen aus vielen Ländern. So wollen wir die verschiedenen Technologien erfolgreich auf dem Markt etablieren und Landwirte schulen.“ Und so stehen auch für die nächsten Jahre bereits neue Projekte in den Startlöchern, die Fortschritte bei der Sicherheit für Mensch und Umwelt erzielen sollen und die Anwendung von Bayer-Produkten verbessern helfen.

Als Landwirt muss ich sehen, dass die Umwelt intakt bleibt.

Stephan Münks, Landwirt aus Meerbusch, spricht über die SweepAir-Technologie

Wie die SweepAir-Technologie funktioniert

Die SweepAir-Technologie trägt dazu bei, dass Beizmittel nicht in die Luft entweichen. Das System trennt die Abluft aus der Saatmaschine, indem es das Luft-Staub-Gemisch 1 in einen Zyklon bläst, in dem Zentrifugalkräfte die Staubpartikel an die Innenwände drücken 2. Die Partikel sammeln sich dann in einem Trichter 3 und werden, wie das Saatgut, in der Erde vergraben 4. Die gefilterte Luft wird in Bodennähe freigesetzt 5.
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Von Sonnenblumen und Bohnenfeldern