Panamakrankheit bedroht Bananen weltweit

Eine große
Gefahr kehrt zurück

Panamakrankheit: Eine große Gefahr kehrt zurück
Panamakrankheit: Eine große Gefahr kehrt zurück
Sie breitet sich weltweit aus und ist bislang nicht behandelbar: Die Panamakrankheit bedroht Bananenplantagen. Experten erklären, was notwendig ist, um die beliebte Frucht zu retten.

Bananen sind beliebt: Sie sind in den meisten Küchen vorrätig, eignen sich als Snack für unterwegs oder als süße Nachspeise. Ein Leben ohne Bananen ist heutzutage kaum vorstellbar. Weltweit sind Cavendish-Bananen die Standardsorte. Nach Reis, Weizen und Milch gelten sie als das viertwichtigste landwirtschaftliche Produkt. Bananen werden in über 130 Ländern angebaut und sind Grundnahrungsmittel für mehr als 400 Millionen Menschen. Sie sind reich an Nährstoffen wie etwa Vitamin B und C, enthalten wertvolle Ballaststoffe und Magnesium – ein gesunder Snack für zwischendurch oder vor dem Sport.

100 Milliarden

Jährlich werden weltweit mehr als 100 Milliarden Bananen konsumiert. Damit ist die Banane die viertwichtigste Nahrungspflanze nach Weizen, Reis und Mais in Entwicklungsländern.

Quelle: Wageningen University and Research

Doch die beliebte Frucht ist in Gefahr: Ein neuer, aggressiver Stamm (Tropical Race 4 – TR4) des Erregerpilzes löst die Panamakrankheit aus und bedroht die Bananenplantagen. „Momentan greift die Krankheit überwiegend Bananenpflanzen auf den Philippinen und in China an“, sagt Kai Wirtz, Global Crop Manager Fruit bei Bayer. „Weitere Hotspots sind Malaysia, Indonesien, Australien und Ostafrika. Erst kürzlich entdeckten Landwirte die Krankheit in Israel.“ Wirtz befürchtet, dass sich die Krankheit auf andere Anbauregionen ausbreiten wird – vor allem in Lateinamerika. „Es ist bloß eine Frage der Zeit“, fügt er hinzu. Wird die Panamakrankheit nicht bekämpft, könnten Bananen aussterben.
Fusarium oxysporum kolonisiert die Zellen im Inneren des Bananen-Scheinstamms, die Wasser und Nährstoffe zur Pflanze transportieren. Zu den äußerlichen Symptomen der Krankheit gehört die Gelbverfärbung der Blätter.

Ein Pilz bedroht Bananen

Professor Gert Kema untersucht eine Bananenpflanze.
Professor Gert Kema untersucht eine Bananenpflanze.
Professor Gert Kema untersucht eine Bananenpflanze.

Ausgelöst wird die Panamakrankheit durch den bodenbürtigen Pilz Fusarium oxysporum. Wenn der Erreger eine Plantage befällt, können die Sporen Jahrzehnte im Boden überleben. „Die ruhenden sogenannten Chlamydosporen dieses Pilzes haben sehr dicke Wände. Dadurch sind sie widerstandsfähig gegen Trockenheit und halten extreme Wetterbedingungen aus“, erklärt Professor Gert Kema, Vorsitzender der Tropischen Phytopathologie und Forschungsabteilung der Universität Wageningen. „Anders als bei der Behandlung von Black Sigatoka, der anderen großen Pilzbedrohung für Bananen, gibt es derzeit keine Produkte gegen die Panamakrankheit – obwohl der Pilz empfindlich gegenüber einer Vielzahl von Chemikalien ist“, fügt Kema hinzu. „Die große Frage wird sein, wie Fungizide in Kontakt mit dem verheerenden Pilz bringen – insbesondere im Boden. Die Art der Anwendung ist also ein wichtiges Forschungsgebiet.“

Eine philippinische Farm, die kürzlich von der Panamakrankheit heimgesucht wurde, ist die Marsman Estate Plantation. „Vor ein paar Jahren hat die Panamakrankheit einige unserer Tochterhöfe befallen“, sagt Joerge T. Yamuyam, Leiter und Forscher der Pflanzenschutz-Division der Plantage. „Unsere Bananen verfärbten sich rapide schwarz. Die Krankheit blockierte das Leitbahnsystem der Pflanzen. Deshalb bildeten sie keine neuen Früchte.“

„Uns blieb nichts anderes übrig als befallene Pflanzen zu verbrennen. Dadurch verloren wir einen großen Teil unseres Einkommens“, fügt er hinzu. „Zum Schutz unserer anderen Pflanzen, konzentrierten wir uns anschließend darauf, die Bodenqualität zu verbessern. Wir setzten dabei auch nützliche Mikroorganismen ein und versuchten einen gesunden Bodenhorizont zu schaffen, der offensichtlich dazu beitrug die Bananenpflanzen zu schützen“, erklärt Yamuyam.

Eine weitere Verbreitung der Krankheit hätte ernsthafte wirtschaftliche Folgen: Laut FAO beläuft sich der globale Bananenhandel auf etwa sieben Milliarden US-Dollar. Eine geringere Bananenproduktion führe zu schweren Einkommenseinbußen für Farmer. Besonders betroffen wären Kleinbauern, die 90 Prozent der weltweiten Bananenproduktion abdecken.

Ähnliche Artikel

Erneute Gefahr

Historisch gesehen tritt die Panamakrankheit nicht zum ersten Mal in Erscheinung. Bis in die 1950er Jahre kultivierten Farmer weltweit die Bananensorte Gros Michel. Ein anderer Erregerstamm namens „Race 1“ dezimierte damals diese Sorte.

In der Folge schwanden Bananenlieferungen weltweit. Gros-Michel-Bananen mussten durch einen neuen Klon ersetzt werden: Cavendish-Bananen. Obwohl diese Sorte weniger geschmacksintensiv ist und zur Fleckenbildung neigt, schaffte es die Banane zurück auf den globalen Speiseplan. Doch seit den 1990er Jahren ist auch diese Bananensorte in Gefahr. Sie ist sehr anfällig für den Erregerstamm TR4, der zuerst in Südostasien entdeckt wurde.

Wird die Panamakrankheit nicht bekämpft, könnten Bananen aussterben.

Kai Wirtz, Global Crop Manager Fruit bei Bayer, arbeitet an der Entwicklung fungizider Wirkstoffe gegen den Erreger der Panamakrankheit.

Zurückschlagen

Juan Aycart ist leitender Forschungsmanager bei Dole, einem der weltweit größten Bananenproduzenten. Um den Bananenanbau zu retten, betont er, sei es wichtig, dass alle beteiligten Akteure an einem Strang ziehen. Dieser Ansatz erfordert die Mitarbeit aller Bananen-Exportländer und Vertretern der Wissenschaft. „Vor kurzem habe ich an einem Fusarium-Workshop in Kansas teilgenommen. Dort lernte ich, dass Vertrauen und Respekt zwischen allen Teilnehmern der Forschungsgruppen essenziell sind, um Initiativen gemeinsam voranzubringen“, sagt er.

Zum Glück arbeiten viele Forscher bereits zusammen, um gegen die Bedrohung anzukämpfen. Ein Ansatz: Sorten entwickeln, die gegen die Krankheit resistent sind. „Wir identifizieren beispielsweise resistente Gene von Wildbananen und setzen sie in essbare Bananensorten ein, um diese widerstandsfähig zu machen“, erklärt Professor Gert Kema. Darüber hinaus arbeiten Kai Wirtz und ein Team von Bayer-Wissenschaftlern an der Entwicklung fungizider Wirkstoffe gegen den Erreger der Panamakrankheit. „Bis 2019 können wir hoffentlich neue Produkte auf dem Markt einführen“, sagt Wirtz.

Moderne Bananenkrankheit

Weltkarte: Moderne Bananenkrankheit
Weltkarte: Moderne Bananenkrankheit
In den 1950er Jahren zerstörte die Panamakrankheit Bananenfarmen weltweit. Heute ist die Krankheit aggressiver zurückgekehrt. Der moderne Erregerstamm (TR4) trat erstmals in den 1990er Jahren in Südostasien in Erscheinung. Nachdem er Australien erreichte, gelangte der Erreger weiter westlich. Mittlerweile tritt er in den Ländern Malaysia, Indonesien, China, Taiwan, den Philippinen, Mosambik, Libanon, Oman, Pakistan und Indien auf. Die Herausforderung ist, die Krankheit zu kontrollieren und bisher nicht infizierte Landflächen zu schützen. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck daran, die Entwicklung aufzuhalten.
Quelle: ProMusa

Bayer hilft Farmern bereits mit Präventivmaßnahmen bei der täglichen Arbeit. In Ecuador, dem weltweit führenden Bananenexporteur, starteten neue Projekte: „Gemeinsam mit lokalen Züchtern etablierten wir Hygienemaßnahmen“, erklärt Wirtz. „Zusätzlich zu eingezäunten Plantagen errichteten Züchter Quarantänezonen. Wenn Arbeiter mit dem Auto in diese Bereiche fahren, werden mögliche Spuren pathogener Sporen abgewaschen. Das gleiche machen sie mit den Schuhen.“

Wenn Bananen-Experten, Wissenschaftler und Farmer weiterhin gemeinsam an einem Strang ziehen, um wirksame Lösungen gegen die Panamakrankheit zu finden, besteht Hoffnung, dass wir leckere und nährstoffreiche Bananen auch weiterhin genießen können.

Aktuelle Bewertungen (14)
Kommentar
Integriertes Vegetations-Management - Natur und Technologie: Eine schöne Partnerschaft