Youth Ag-Summit 2017

Das Potenzial einer
Generation fördern

Liam Condon
Liam Condon
Der Youth Ag-Summit fand 2017 im belgischen Brüssel statt. Dort sprach Liam Condon, Leiter der Division Crop Science von Bayer, mit der Teilnehmerin Risper Njagi aus Kenia über dringend notwendige Veränderungen in der Landwirtschaft.
Die kenianische Teilnehmerin Risper Njagi spricht mit Liam Condon über die Herausforderungen der Landwirtschaft.

Liam Condon Im Jahr 2050 werden voraussichtlich fast 10 Milliarden Menschen auf der Welt leben. Wenn wir die Nahrungsmittelknappheit stoppen und den wachsenden Bedarf decken wollen, müssen wir die Nahrungsproduktion um 50 Prozent steigern. Der Klimawandel, schrumpfende Ackerflächen und die fortschreitende Verstädterung stellen uns vor weitere Probleme: Wir müssen mehr Lebensmittel mit weniger Ressourcen auf nachhaltige Weise herstellen. Deshalb ist es wichtig, heute in die landwirtschaftlichen Fachkräfte von morgen zu investieren. Und genau das macht der Youth Ag-Summit. Risper Njagi, welche Berührungspunkte haben Sie mit der Landwirtschaft?

Risper Njagi Dank eines Stipendiums der Equity Group Foundation studiere ich zurzeit zwar Jura – eigentlich komme ich aber aus einer Region in Kenia, in der fast jeder Landwirt wird. Diese Gegend hat die besten klimatischen Voraussetzungen, um Landwirtschaft zu betreiben. Viele Menschen hier sind Selbstversorger ohne eigenes Land. Das bedeutet, dass sie kein sicheres Einkommen haben und oft darum kämpfen, über die Runden zu kommen. Meine Mutter war schon immer Kleinbäuerin. Somit habe auch ich schon mein ganzes Leben mit dem Thema Landwirtschaft zu tun.

Liam Condon Kleinbauern, wie Ihre Mutter, sind das Rückgrat der globalen Lebensmittelproduktion. Sie bewirtschaften 80 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Subsahara- Afrika und Asien. Die Höfe decken bis zu 80 Prozent des lokalen Lebensmittelbedarfs. Aber mangelnde Ressourcen, eine geringe Produktivität und fehlende Marktanbindung stellen die Betriebe vor große Herausforderungen.

Liam Condon

Wir müssen jungen Menschen zeigen, wie faszinierend, verantwortungsvoll und interessant eine Karriere in der Landwirtschaft sein kann.

Liam Condon

Risper Njagi Das stimmt. In Kenia werden moderne Verfahren der Landbewirtschaftung kaum unterrichtet. Es ist oftmals sehr schwierig neue Techniken einzuführen und zu finanzieren. Deshalb nutzen viele kenianische Bauern traditionelle Anbaumethoden. Diese bringen geringere Ernten und Einkommen.

Liam Condon Das ist ein guter Punkt. Schwierige Finanzierungsmöglichkeiten schränken viele Farmer in Entwicklungsländern ein. Partnerschaften, die über den landwirtschaftlichen Sektor hinausgehen, können da helfen. Unsere ‚Farm to Market‘ Allianz mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen fördert den Verkauf der Kleinbauern. Dadurch vernetzen sie die Kleinbauern mit der Wertschöpfungskette. Aber zukünftig muss ein stärkerer Fokus auf Investitionen liegen.

Risper Njagi Richtig. Momentan möchten nur wenige junge Menschen in der Landwirtschaft arbeiten – das ist zu ‚Old School‘. Junge Kenianer möchten Ingenieure, Banker oder Ärzte werden. Keine Bauern. Gleichzeitig ist Kenia ein sehr junges Land. Junge Menschen haben die meiste Energie und wissen viel. Sie haben das Know-how, die Landwirtschaft voranzutreiben. Doch das wollen sie oft nicht. Der Sektor ist gebrandmarkt.

Liam Condon Aus meiner Sicht müssen wir den jungen Menschen zeigen, wie faszinierend, verantwortungsvoll und interessant eine Karriere in der Landwirtschaft sein kann. So überzeugen wir sie, dass sie an genau der Stelle gebraucht werden. Die Landwirtschaft ist nicht nur aufregend, Berufe in diesem Bereich sind erfüllend und bieten ein sicheres Einkommen.

Risper Njagi Wir sollten Schüler ansprechen, aber auch versuchen, arbeitslose oder schlecht ausgebildete Jugendliche zu erreichen. Wir können zeigen, dass ihnen nach oben keine Grenzen gesetzt sind, indem wir ihnen Arbeitsmöglichkeiten in landwirtschaftlichen Projekten bieten oder sie umschulen. Ich möchte meine Erfahrungen nutzen, um meine Generation in meinem eigenen Umfeld zu erreichen. Ich möchte darauf aufmerksam machen, wie cool Landwirtschaft sein kann – in Kenia und andernorts. Ich möchte die Jugend weltweit animieren, sich stärker in der Landwirtschaft einzubringen. Ich bin auch aufgeregt, mit neun meiner Kollegen das Projekt ‚Thrive for Change‘ voranzutreiben. Wir glauben, dass unsere Idee nachhaltig und praktikabel ist – und freuen uns sie umzusetzen.

Liam Condon Bayer unterstützt das ‚Thrive for Change‘-Projekt, an dem Sie auf dem Youth Ag-Summit arbeiteten. Es soll die Geschlechterkluft in der Landwirtschaft verkleinern. Frauen stellen in Entwicklungsländern fast 50 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskraft. Dennoch müssen sie hart dafür kämpfen, die gleichen Möglichkeiten wie Männer zu bekommen.

Risper Njagi In der Tat. Kleinbäuerliche Landwirtschaft wird in Kenia seit jeher häufig von Frauen wie meiner Mutter betrieben. Die Erträge reichen zum Überleben, aber nicht, um ein ganzes Land zu ernähren. Wir verwenden traditionelle Methoden – die gleichen alten Werkzeuge und das gleiche alte Saatgut. Weibliche Landwirte brauchen Hilfsmittel, um besser zu werden. Ich bin optimistisch, dass sich die Zukunft für Frauen in der Landwirtschaft positiv entwickelt.

Liam Condon Vor kurzem bin ich auf beeindruckende Zahlen der FAO gestoßen: Hätten weibliche Landwirte den gleichen Zugang zu Land, Bildung und Krediten wie ihre männlichen Berufskollegen, stiegen ihre Ernten um bis zu 30 Prozent. Es ist also eine Frage der Bildung und der Möglichkeiten. Unser Unternehmen zeigt jeden Tag seine soziale Verantwortung durch Kooperationen mit Kleinbauern auf der ganzen Welt. Wir unterstützen Farmer und helfen ihnen, mehr Lebensmittel anzubauen und effektiver zu wirtschaften. Für die Zukunft und Ihr Projekt wünschen wir Ihnen alles Gute. Behalten Sie Ihre Begeisterung für die Landwirtschaft und lassen Sie uns in Kontakt bleiben.

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