Anbau einer beliebten Frucht

Rundum leckere
Äpfel

Rundum leckere Äpfel
Rundum leckere Äpfel
Die Erzeugung hochwertiger Äpfel ist nicht einfach. Die Ansprüche der Verbraucher wachsen stetig, und eine Vielzahl von Schädlingen und Krankheiten bedrohen den weltweiten Apfelanbau. Obstbauern stehen somit vor großen Herausforderungen.
Mark Boyer
Mark Boyer
Mark Boyer ist Obstbauer in Fishertown im US-amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania. Er führt den Familienbetrieb bereits in dritter Generation.

Auf den ersten Blick scheint es ein entspannter Tag zu sein: mit Sonnenschein und Vogelgesang. Doch dem Apfelbauern Mark Boyer ist die Anspannung anzumerken, mit der er durch Reihen von Apfelbäumen geht und die Früchte nach schadhaften Stellen absucht. Bereits in der dritten Generation führt seine Familie die Farm in Fishertown im US-amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania. Zusammen mit seinem Bruder steht er kurz davor, die Plantage Ridgetop Orchards von den Eltern zu übernehmen. „Ich dachte immer, mein Vater könne bereits perfekte Äpfel anbauen“, sagt Boyer. „Aber die Anforderungen des Marktes wachsen stetig. Verbraucher wollen Äpfel, die süß, knackig und dabei auch noch wochenlang haltbar sind. Dazu kommt der Kampf gegen Schädlinge und Krankheiten – es steckt eine Menge Arbeit hinter einer hochwertigen Ernte.“

Ich glaube nicht, dass ein Apfel allen Vorstellungen gerecht werden kann. Aber wir tun unser Bestes, um gesunde Äpfel zu produzieren.

Mark Boyer

Eine besondere Herausforderung sind die starken Wetterumschwünge an der feuchten US-amerikanischen Ostküste. Es kann passieren, dass auf Kälteperioden und Frost im Frühjahr während der Wachstumsperiode im Sommer Hagelstürme folgen. Diese Extreme können die Ernte der Äpfel stark beeinträchtigen. „Vor zwei Jahren mussten wir im Sommer mit einer schweren Dürre umgehen. Dann brachte ein Hurrikan Regenstürme von der Ostküste. Das hat die Ernte verzögert.“ Trotz der schwierigen Bedingungen gelingt es auf Ridgetop Orchards, konstante Produktionsmengen zu erzielen. „Das wechselhafte Wetter können wir nicht beeinflussen“, sagt Boyer. „Aber worauf wir einen Einfluss haben, sind Schädlinge und Krankheiten. Wir nutzen klassische Pflanzenschutzmittel, sonst könnten wir keine Premium-Früchte erzeugen.“ Auf 200 Hektar Land baut Boyer Pfirsiche, Kirschen und Äpfel an. Fragt man ihn, was er an Äpfeln schätzt, ist Boyers Antwort klar: „Sie sind gesund und bereiten Freude: ein großartiges Produkt, das jedem schmeckt.“

Ein fruchtiger Gesundheitshelfer

Dank Produzenten wie Mark Boyer können Menschen auf der ganzen Welt täglich Äpfel genießen. Äpfel sind nicht nur wegen ihres Geschmacks beliebt, sondern auch wegen ihrer Eigenschaften. „Äpfel haben wenig Kalorien und enthalten kein Fett, Natrium oder Cholesterin“, sagt Jennifer Maloney, Food Chain Sustainability Manager der Division Crop Science bei Bayer. „Es hat sich gezeigt, dass die Antioxidantien und Pflanzeninhaltsstoffe von Äpfeln vor bestimmten Krankheiten schützen. Außerdem enthalten Äpfel viele Vitamine und tragen zum Wohlbefinden bei.“

Um heranwachsenden Generationen die gesunden Eigenschaften von Äpfeln näher zu bringen, unterstützt Bayer das United Fresh Start Programm des US-amerikanischen Ernährungsverbands United Fresh Association, das Kindern den Zugang zu frischem Obst ermöglicht. „Schulen in den USA versorgen Kinder normalerweise mit warmem Essen, aber nicht alle bieten frisches Obst und Gemüse“, sagt Maloney. Das Programm hat bereits positive Veränderungen bewirkt. „Viele Kinder probierten neue Apfelsorten, die ihnen so gut schmeckten, dass sie noch mehr davon wollten“, erinnert sich Maloney mit einem Lächeln.

Überall auf der Welt sind Äpfel beliebt. Die Menschen bevorzugen sie je nach Gegend in verschiedenen Größen, Farben und Geschmacksrichtungen. „Wir exportieren viele Äpfel nach Zentralamerika, wie etwa Nicaragua, Costa Rica und Panama“, sagt Obstbauer Mark Boyer. „Diese Länder mochten schon immer kleinere Fürchte. Diesen Trend beobachten wir nun auch in den USA. Die Kunden fangen an, Äpfel in Baseball-Größe zu bevorzugen. Und in manchen Ländern wollen sie Äpfel mit einem leicht rosa oder rötlichen Ton, während andere gar keine Rottöne möchten.“

Jennifer Maloney

Menschen auf der ganzen Welt genießen Äpfel. Täglich. Äpfel haben wenig Kalorien und enthalten kein Fett, Natrium oder Cholesterin.

Jennifer Maloney, Food Chain Sustainability Manager der Division Crop Science bei Bayer
Die Wünsche und Ansprüche der Verbraucher wachsen stetig. Deshalb kommt der Produktion hochwertiger Äpfel, die die Geschmäcker der Verbraucher treffen, eine besondere Bedeutung zu.

So unterschiedlich die Wünsche der Verbraucher auch sein mögen, sie alle wünschen sich gesunde und ansehnliche Früchte. Im Kampf gegen Schädlinge und Krankheiten setzen die Erzeuger als Teil einer integrierten Anbaustrategie auch auf nützliche Pflanzen und Insekten wie Schmetterlinge, Bienen und Spinnen. Diese schützen Äpfel auch vor Feinden wie Apfelschorf, Mehltau und Blattläusen, die die Qualität der Früchte beeinträchtigen können. „Qualität ist mehr als Aussehen und Geschmack“, sagt Birte Tschentke, Globale Key Relations Managerin der Bayer Food Chain Partnership (FCP). „Eine integrierte Anbaustrategie besteht aus drei Ansätzen: Zum einen müssen die Anbaumethoden nachhaltig sein. Für den Bauern beginnt Nachhaltigkeit bei der Auswahl der passenden und gesunden – gegen Krankheiten resistenten – Sorte sowie der Schonung nützlicher Insekten. Darauf aufbauend muss er die Früchte vor Schädlingen und Krankheiten schützen und setzt dafür hilfreiche Diagnose- und Prognose-Werkzeuge ein“, fährt Tschentke fort. „Der Grundsatz ist: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Landwirte und Berater müssen gesetzliche Rückstandvorgaben ebenso beachten und einhalten wie die noch strengeren Anforderungen vieler Handelsketten.“

Gemeinsam gesunde Äpfel anbauen

Die Förderung nützlicher Pflanzen und Insekten wie Bienen ist wesentlicher Bestandteil eines nachhaltigen Apfelanbaus.
Die Förderung nützlicher Pflanzen und Insekten wie Bienen ist wesentlicher Bestandteil eines nachhaltigen Apfelanbaus.
Die Förderung nützlicher Pflanzen und Insekten wie Bienen ist wesentlicher Bestandteil eines nachhaltigen Apfelanbaus.
Birte Tschenke
Birte Tschenke
Birte Tschenke, Global Key Relations Manager für Food Chain Partnership (FCP) bei Bayer

Die Food Chain Partnership-Initiative von Bayer setzt auf die Zusammenarbeit der Partner entlang der Wertschöpfungskette: Landwirte, Händler, weiterverarbeitende Betriebe, Zertifizierungsstellen und auch einige nichtstaatliche Organisationen. Die Teilnehmer stellen sich gemeinsam den Herausforderungen, die der Anbau von Äpfeln mit sich bringt. Das Ziel: gute Anbaupraktiken durchzusetzen, um die Anforderungen der Verbraucher hinsichtlich Nahrungsqualität, -sicherheit, und Rückverfolgbarkeit zu erfüllen sowie Ertrag und Qualität der Ernten zu verbessern. Die damit verbundenen nachhaltigen landwirtschaftlichen Prinzipien steigern Produktivität und Effizienz der Wertschöpfungskette. Die FCP organisiert örtliche sowie weltweite Initiativen ebenso wie Plattformen für den Austausch von Informationen. Je nach Bedarf der teilnehmenden Gruppen werden unterschiedliche Projekte durchgeführt. „Einige unserer Initiativen unterstützen beispielsweise Bauern dabei, Zertifizierungen zu erhalten und bestimmte Qualitätsstandards zu erreichen“, sagt Tschentke. „Kleinerzeuger, die sich zertifizieren lassen, können für ihre Früchte neue Märkte erschließen und zu höheren, dem Marktniveau angepassten Preisen verkaufen. Wenn wir mit größeren Unternehmen zusammenarbeiten, konzentrieren wir uns darauf, den Einsatz chemischer Mittel zu reduzieren und die Artenvielfalt und Nachhaltigkeit zu fördern.“ Derzeit laufen gemeinsame Projekte mit Apfelerzeugern in Westeuropa, der Türkei, Brasilien, Chile, China und Südafrika.

Qualität sichtbar machen

Damit der Einzelhandel hochwertige Äpfel verkaufen kann, müssen die Erzeuger strenge Handelsvorgaben erfüllen. „Die so genannten ‚Sekundären Standards‛ schreiben vor, wie eine bestimmte Frucht beschaffen sein muss, insbesondere was Rückstände angeht. Der verantwortungsvolle und korrekte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hilft uns, diese vom Handel festgelegten Standards einzuhalten. Zusätzlich müssen wir uns an viele Farbstandards halten“, sagt Boyer. „Die Oberfläche von Honey-Crisp-Apfelsorten muss beispielsweise zu 50 Prozent rot sein. Gala-Äpfel benötigen eine zu 90 Prozent farbige Oberfläche.“ Zudem sollten Äpfel weder Schorfflecken noch Schadstellen aufweisen, denn sonst können auch bei der Lagerung weitere Schäden durch Schädlinge und Krankheiten entstehen. Für den Erzeuger sind Pflanzenschutzmittel ein unentbehrliches Hilfsmittel, um diese Standards zu erreichen.

Das Ergebnis der Anstrengungen einer langen Anbausaison: schön anzuschauende, gesunde, erntereife Äpfel.
30.000

Weltweit gibt es mehr als 30.000 Apfelsorten.

Quellen: plant-wissen.de; shz.de

Ein verantwortungsvoller Pflanzenschutz sorgt für gesunde Früchte. „Besonders in Europa wird der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kritisch gesehen“, sagt Tschentke. „Die Risikobewertung hat aber oft mehr mit persönlichem Empfinden als mit fundiertem Fachwissen zu tun. Obwohl es zahlreiche Daten dazu gibt, werden Informationen oft falsch interpretiert. Daher kommunizieren wir bei Bayer unsere integrierten Lösungsansätze.“ Neben der Food Chain Partnership-Initiative geschieht das auch durch Bayer ForwardFarming. „Bayer ForwardFarming ist eine Wissensplattform, die zeigt, wie nachhaltige Landwirtschaft in der Praxis funktioniert“, erklärt Tschentke. „Gemeinsam mit unabhängigen Landwirten schafft die Initiative auf Betrieben Anlässe weltweit für Feldbesichtigungen, Wissensaustausch und Zusammenarbeit.“

Umfangreiches Apfel-Wissen

Verbraucher darüber aufzuklären, wie Obstbauern ihre Äpfel produzieren, ist eine der Aufgaben der U.S. Apple Association, dem Dachverband der US-amerikanischen Apfelproduzenten. „Pflanzenschutzmittel sind notwendig für den Anbau“, sagt Erzeuger Boyer. Er kennt sich in der Branche aus. Boyer ist Apfelbauer und Vorsitzender der U.S. Apple Association, der Stimme der US-amerikanischen Apfelindustrie, die einen jährlichen Warenwert von 4,5 Milliarden Dollar und eine Gesamtwertschöpfung von etwa 15 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der Dachverband vertritt 7.500 Mitglieder, darunter Erzeuger, weiterverarbeitende Betriebe, Händler und andere US-amerikanische Apfel-Unternehmen. „Die jüngsten staatlichen Messwerte zeigen, dass Pflanzenschutzmittelrückstände in US-amerikanischen Äpfeln weit unter den vorgegebenen Grenzwerten der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA liegen. Die Früchte kann man also bedenkenlos essen. Das sind öffentliche Informationen, alles ist sehr transparent“, erklärt Boyer.

Apfel
Apfel
Die Anforderungen an vermarktungsfähige Äpfel sind umfangreich und häufig in sogenannten Sekundären Standards festgelegt. Diese beinhalten maximale Rückstandsmengen ebenso wie die Farbe, die ein Apfel haben soll.

Die Ansprüche von Verbrauchern und Einzelhändlern setzen Apfelbauern stark unter Druck, perfekte Äpfel zu produzieren. „Genau wie mein Vater weiß ich auch noch nicht, wie genau man den perfekten Apfel produziert“, sagt Boyer. „Und ich bin auch nicht sicher, ob das überhaupt möglich ist. Die weltweiten Anforderungen sind ganz unterschiedlich. Ich glaube nicht, dass ein Apfel allen Vorstellungen gerecht werden kann. Aber in einem Punkt bin ich mir sicher: Äpfel müssen gesund sein. Mit den heutigen Apfel-Anbaumethoden und Strategien zum Pflanzenschutz können wir dieses Ziel erreichen.“

Interview

Hand in Hand für nachhaltigen Apfel-Anbau

Dr. Olaf Krieghoff ist Anbauberater der Veos Vertriebsgesellschaft für Obst GmbH in Dresden. Gemeinsam mit dem Apfelerzeuger Obstbau Ebenheit, der Erzeugerorganisation Dresdener Obst und der Food Chain Partnership-Initiative von Bayer setzt er sich für eine nachhaltige Apfelproduktion ein. Er erklärt, welche Maßnahmen notwendig sind, um gesunde Äpfel unter nachhaltigen Bedingungen anzubauen.

Was waren die Hauptziele Ihres Projektes?
Es ging in erster Linie darum, die Artenvielfalt auf dem Dresdener Betrieb Obstbau Ebenheit zu erhöhen. Zunächst legten wir Blühstreifen an mit einjährigen Pflanzen, um Unkräuter einzudämmen. In den folgenden Jahren dehnten wir die Blühstreifen weiter aus. Außerdem werteten wir die umliegenden Hecken mit Sträuchern auf und errichteten „Nützlings-Hotels“, also Brut- und Nistkästen für Bienen, Vögel, Florfliegen und Fledermäuse. Das hat sich als erfolgreich erwiesen. Der Betrieb behandelt die Bäume etwa 16 Mal im Jahr mit Pflanzenschutzmitteln – stets in Absprache mit den örtlichen Imkern.

Was hat sich seither verändert?
Trotz der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf einem Blühstreifen, der mitten durch die Pflanzungen führt, hat sich die Vielfalt an nützlichen Organismen nicht verringert. Insgesamt haben wir eine höhere Artenvielfalt als vor dreißig Jahren. Wir haben die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit der Food Chain Partnership auch auf andere Apfelerzeuger übertragen können. Inzwischen denken die Bauern nicht nur an die Aufzucht von Äpfeln, sondern auch an die Artenvielfalt insgesamt.

Wie stehen Sie zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Apfelanbau?
Die Natur kommt gegen viele Schädlinge und Krankheiten alleine nicht an – der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist daher sinnvoll. Allein durch die Förderung von Nützlingen lassen sich Pflanzenschutzmittel nicht ersetzen. Wir verfügen über Prognose-Modelle für verschiedene Schädlinge und Krankheiten. Daher beraten wir die Betriebe, wann eine Schutzmaßnahme nötig ist und wann sie die größte Wirksamkeit entfaltet. Was passiert, wenn wir das nicht machen, zeigt ein Projekt, bei dem wir auf bestimmten Feldern gar keinen Pflanzenschutz anwendeten. Die Folgen: Unkraut überwucherte die Bäume, Nager schädigten das Holz. Und wenn dann noch ein Apfelschorf-Erreger dazu kommt, zerstört das rasch 80 Prozent der Ernte.

Wie können Erzeuger die Qualitäts-Standards für Äpfel erfüllen?
In den vergangenen zwanzig Jahren sind die Qualitäts-Standards relativ stark gestiegen, insbesondere im Lebensmittel-Einzelhandel. Das zeigt sich besonders deutlich in unseren Auslese-Ergebnissen: In unserer Gegend gehen etwa 30 Prozent der Ernte in die Herstellung von Apfelwein oder Apfelmus, weil sie für den Verkauf als ganze Frucht ungeeignet sind. Die örtlichen Wettergegebenheiten verursachen weitere Ernte- und Qualitätseinbußen. Genau wie Menschen können auch Äpfel einen Sonnenbrand bekommen. Und Regen, Hagel und Frost schaden den Äpfeln ebenso sehr wie übertriebene Hitze. Viele Bauern nutzen Hagelnetze oder Foliendächer, um ihre Bäume zu schützen. Diese kostenintensiven Maßnahmen erlauben es den Erzeugern, ihre Erträge stabil zu halten.

Olaf Krieghoff
Olaf Krieghoff
Dr. Olaf Krieghoff ist Anbauberater der Veos Vertriebsgesellschaft für Obst GmbH in Dresden.

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