Indische Kleinbauern

Kleine Betriebe,
große Erfolge

Indische Kleinbauern
Indische Kleinbauern
Kleinbauern produzieren 80 Prozent der in Entwicklungsländern konsumierten Lebensmittel. Oft stehen sie vor der Herausforderung, eine ausreichende Produktivität zu erreichen. Schon ein wenig Unterstützung kann dabei einen großen positiven Einfluss haben.

Indien ist bekannt für seinen roten und grünen Chili – sowohl in der heimischen Küche als auch als weltweiter Exporteur. Die meisten Chilis werden von Kleinbauern angebaut und an lokale Märkte verkauft, wo sie national und sogar international weiterverkauft werden. Doch trotz der weiten und globalen Verteilung dieser Ernte stehen die Chili-Kleinbauern vor einer großen Herausforderung: ein ausreichendes Einkommen zu erzielen.

Der 53-jährige Landwirt Rajesh Kumar Singh, „Pappu", wie er von Freunden genannt wird, lebt und arbeitet in Uttar Pradesh, einem bevölkerungsreichen Bundesstaat Nordindiens, in dem auch das weltberühmte Taj Mahal steht. Während Touristen die großen Denkmäler des Staates besuchen, arbeitet Singh von morgens bis abends auf seinen Feldern und kümmert sich um seine grünen Chili-Pflanzen. Da diese Pflanzen nicht allzu viel Feuchtigkeit vertragen, muss er besonders vorsichtig bewässern. Sein Ackerland selbst ist fast zwei Hektar groß, also etwas kleiner als drei Fußballfelder: Auf diesem Land muss Singh genug produzieren, um seine Familie ernähren zu können.

Indien und Chilis
Indien und Chilis

Singh ist einer der vielen Kleinbauern Indiens. Sie sorgen für eine stabile Nahrungsversorgung in Indien und weltweit – nicht nur mit Chili, sondern auch mit einer Vielzahl anderer Kulturpflanzen. Trotz der Nachfrage nach ihren Produkten haben Singh und andere Bauern Probleme, erklärt er. „Im vergangenen Jahr hatten wir wenig Geld, um unsere Ausgaben zu tätigen und neue, moderne Pflanzenschutzmittel zu kaufen, die effizient arbeiten. Uns fehlt oft das Wissen der effektivsten Anbaumethoden.“ Im Vergleich zu Landwirten mit größeren finanziellen und materiellen Ressourcen sind Kleinbauern einem höheren Risiko ausgesetzt, unzureichende Erträge oder einen Totalverlust zu erleiden.

Aber auch eine gute Ernte kann keinen ausreichenden Gewinn garantieren: Da Kleinbauern oft keinen direkten Zugang zum Weltmarkt haben, müssen sie ihre Ernten oft zu niedrigen Preisen an Zwischenhändler auf lokalen Märkten verkaufen. „Diese Situation verärgert mich zusehends, weil wir nicht verstehen können, wie die Preise berechnet werden“, sagt er. Die Kombination dieser Faktoren belastet indische Kleinbauern und erschwert es, eine ausreichende Produktivität zu erzielen – ein Problem für das ganze Land und die Nahrungsmittelversorgung weltweit.

Im vergangenen Jahr hatten wir wenig Geld für unsere inländischen Ausgaben, geschweige denn neue, moderne Pflanzenschutzmittel, die effizient arbeiten. Und uns fehlt oft das Wissen über die effektivsten Anbaumethoden.

Pappu Rajesh Kumar Singh, Kleinbauer aus Indien
80%

80 Prozent der Anbauflächen in Afrika und Asien südlich der Sahara werden von Kleinbauern bewirtschaftet.

Quelle: FAO

Vielfalt auf dem Feld

Indiens Boden ist fruchtbar und das Klima eignet dank seiner warmen Temperaturen und feuchten Monsun-Monate ideal für den Gemüseanbau. Reis ist eine der wichtigsten Nutzpflanzen, aber auch Zuckerrohr, Ölsaaten, Getreide, Baumwolle, Hülsenfrüchte, Heilpflanzen, Tee, Obst und Gewürze werden angebaut. „Großbauern konzentrieren sich meist auf wenige Kulturen, während Kleinbauern eine Vielzahl von Agrar-Erzeugnissen in relativ kleinen Mengen anbauen“, erklärt Dr. Mahesh Chander vom Indian Council of Agricultural Research an seinem Institut in Uttar Pradesh. Als Leiter der Abteilung Extension Education unterstützt Chander das Ziel der Organisation, landwirtschaftliche Forschung und Bildung zu etablieren und auszubauen.

Heimat der Gewürze

Indien, die „Heimat der Gewürze“ produziert jährlich rund fünf Millionen Tonnen an Gewürzen. Von den weltweit aufgelisteten 86 Gewürzsorten werden 52 in Indien angebaut. 90 Prozent ihrer Gewürzproduktion konsumieren die Inder selbst – der Rest wird exportiert. Indien ist auch der größte Produzent von Chilis mit Schärfegraden von extra scharf bis gemäßigt mild.

Home of Spices: India
Home of Spices: India

Chander und seine Kollegen sprechen ein riesiges Publikum an: Es gibt 250 Millionen indische Bauern, die auf rund 140 Millionen Farmen mit einer Gesamtfläche von 160 Millionen Hektar arbeiten. Der durchschnittliche indische Landwirt ist ein Kleinbauer mit etwa 1,15 Hektar Land. Kleinbauern haben eine große Bedeutung, wie Chander betont: Sie produzieren etwa 80 Prozent der indischen Lebensmittel. „Kleinbauern stehen unter enormem Druck durch ihre Marktsituation und wirtschaftliche Entwicklung. Das führt oft zu großen Problemen“, sagt er. Und mit Indiens 1,3 Milliarden Einwohnern wächst auch die Zahl der Kleinbauern. Viele von ihnen, sagt Chander, teilen Pappu Singhs Probleme.

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Von den 2,5 Milliarden Menschen in Entwicklungsländern, die im Lebensmittel- und Landwirtschaftssektor arbeiten, leben 1,5 Milliarden in Kleinbauernhaushalten.

Quelle: FAO

Hier setzt die Smallholder Farming-Initiative von Bayer an. Sie wurde im Jahr 2015 gestartet, unterstützt Kleinbauern in Schwellen- und Entwicklungsländern und zielt darauf ab, das landwirtschaftliche Potenzial der Kleinbauern zu erschließen. Sie entwickelt maßgeschneiderte Geschäftsmodelle, die die Bedürfnisse der Landwirte ganzheitlich berücksichtigen. Diese Bedürfnisse können ganz unterschiedlich sein: vom Zugang und der korrekten Nutzung landwirtschaftlicher Betriebsmittel und Bewässerung über den Zugang zu Krediten, Versicherungen oder Dienstleistungen bis hin zum Marktzugang. Dr. Lino Miguel Dias, Global Head of Smallholder Farming am Hauptsitz der Crop Science Division von Bayer in Monheim am Rhein, erklärt: „Ein spannender Meilenstein der Initiative war die weltweite Einführung von Better Life Farming, einer langfristigen Partnerschaft von Bayer, IFC (International Finance Corporation), Netafim und Swiss Re Corporate Solutions. Sie zielt darauf ab, in verschiedenen Regionen lokale Partnerschaften zu bilden“, so Dias. „Zusammen wollen wir Kleinbauern helfen, ihre Betriebe zu rentablen und nachhaltig wirtschaftende Betrieben zu entwickeln. Dies wird die finanzielle Sicherheit fördern, das Know-how erhöhen und ihr Leben positiven beeinflussen." In der Pilotphase der Initiative, die in Indien und Kenia begann, sollte gezeigt werden, wie durch den integrierten Einsatz moderner Technologie und Know-how Erträge verbessert werden können. Nach der ersten erfolgreichen Saison wurde das Programm auf weitere Regionen ausgedehnt, und die Landwirte kaufen die Betriebsmittel nun selbst ein.

Lino Miguel Dias

Ich bin stolz darauf, ihnen mehr Zuversicht für ihre Zukunft zu geben.

Lino Miguel Dias,
Global Head Smallholder Farming, Bayer

Farmgrößen im Vergleich (in Hektar)

Die durchschnittlichen Farmgrößen variieren rund um den Globus. Während die durchschnittliche Farm in Kanada 332 Hektar groß ist, sind es in Vietnam nur 0,5 Hektar. In Indien ist die durchschnittliche Farm mit 1,2 Hektar etwas größer.

„Die Entwicklung des Kleinbauernsegments ist ein langer und anspruchsvoller Weg. Aber es lohnt sich“, sagt Dias. „Wir wollen den Kleinbauern helfen, ihre Erträge zu verbessern, professioneller zu werden und eine echte Chance zu erhalten, ihr Einkommen nachhaltig zu steigern.“

43%

Durchschnittlich 43 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte in Entwicklungsländer sind Frauen. In Ost- und Südostasien und Afrika südlich der Sahara sind es sogar fast 50 Prozent.

Quelle: FAO

Ernteerträge verdoppelt

Saatgut und Pflanzenschutzmittel sind Teil einer ganzheitlichen Lösung. Bildung ist ein weiterer Schlüssel, wie Pappu Singhs Chili-Farm gezeigt hat. „Unsere Pflanzen litten oft unter Pilz- und Viruskrankheiten und brachten nur eine geringe oder gar keine Ernte“, sagt Singh. Die Better Life Farming Alliance informierte ihn über neue Technologien im Pflanzenschutz und Saatgut, sowie über Nährstoffmanagement und Tröpfchenbewässerung: „Jetzt weiß ich, wie ich meine Pflanzen richtig schützen kann. Ich dokumentiere jeden Schritt während des Wachstumsprozesses und kontrolliere die Gesundheit der Pflanzen. Ich kann wirklich einen Unterschied sehen.“ Harmanpreet Singh, Leiter Smallholder Farming bei Bayer in Indien, ergänzt: „Dank unseres Programms konnte Pappu Singh seinen Ertrag im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr verdoppeln und seine Profitabilität verdreifachen. Und dieses Jahr sieht es noch besser aus.“ Die Bayer-Experten haben ihn mit neuen Lebensmitteleinzelhändlern bekannt gemacht, so dass er bessere Preise für seine Produkte erhielt. Diese Produktions- und Vertriebserfolge lassen Pappu Singh optimistisch in die Zukunft blicken. „Ich kann die Ausbildung meiner beiden Töchter bezahlen und mein Ackerland erweitern. Ich will zwei Hektar Land kaufen und den Menschen in meinem Dorf neue Arbeitsplätze bieten.“

Mehr Informationen

Ajay Singh ist ein weiterer indischer Chili-Bauer, der von der Initiative profitiert hat. Über seinen Hof, ebenfalls in Uttar Pradesh, erzählt er: „Bevor ich mich dem Programm anschloss, konnte ich trotz aller Anstrengungen meine Erträge nicht über eine bestimmte Grenze hinaus steigern und mit meinen Produkten kein ausreichendes Einkommen erzielen.“ Singh nahm im Mai 2016 an der Pilotphase der Smallholder-Farming-Initiative von Bayer teil. Bayer hat Singh mit Produkten und Beratung unterstützt. Heute ist er in seinem Dorf dafür bekannt, dass er seine Erträge innerhalb einer Saison verdoppelt und sein Einkommen verdreifacht hat. Dieser Erfolg hat andere Landwirte dazu motiviert, mehr zu lernen und sich an der Kleinbauerninitiative von Bayer zu beteiligen – um auch ihre Erträge und Einkommen nachhaltig zu steigern.

Die Top-5-Chili-Produzenten

Indien ist der weltweit führende Produzent von getrockneten Chilis und Paprika. Grüne Chilischoten hingegen werden hauptsächlich in China angebaut.

Während die nationalen und internationalen Märkte weiterhin die berühmte indische Chilischote sowie Gemüse und andere Nutzpflanzen genießen, erhalten die Kleinbauern des Landes mehr professionelle Unterstützung. „Ich habe gesehen, wie die Kleinbauern kämpfen, aber so viele von ihnen sind gierig nach Wissen, wenn sie die Gelegenheit dazu haben“, sagt Dr. Lino Miguel Dias. „Ich bin stolz darauf, ihnen mehr Zuversicht für ihre Zukunft geben zu können.“

Interview

„Unsere Erfahrung wird den Farmern helfen“

Harmanpreet Singh (links) kennt die Herausforderungen und Bedürfnisse der indischen Bauern. Er ist Smallholder Farming Manager für Indien bei Bayer und ein treibender Teil der Global Agricultural Initiative in Indien.

Warum müssen Kleinbauern unterstützt werden?
Kleinbauern bewirtschaften begrenzte Flächen. Große Unternehmen sind oft nicht daran interessiert, mit ihnen zusammenzuarbeiten und investieren selten in Schulungen oder den Aufbau eines Vertriebsnetzes. Die Arbeit mit vielen einzelnen Landwirten statt mit einem großen landwirtschaftlichen Betrieb erfordert Aufwand und Ressourcen. So gibt es viele wertvolle Praktiken, von denen Kleinlandwirte nie erfahren haben, wie z.B. moderne Technik, Mulchen oder guter Dünger und richtige Bewässerung.

Was sind die bisherigen Ergebnisse?
Das Ergebnis unseres Green-Chili-Projekts war erstaunlich. Die an unserer Initiative beteiligten Landwirte konnten ihren Ertrag verdoppeln und ihr Einkommen verdreifachen. Obwohl wir nur mit einer Pilotgruppe von 20 Landwirten arbeiteten, konnten wir zeigen, dass der Zugang zu hochwertigem Saatgut, besseren Pflanzenschutzmitteln und den richtigen Düngemitteln einen spürbaren Schub auslösen kann. Darüber hinaus haben wir die Tröpfchenbewässerung eingeführt, bei der früher die von den Landwirten verwendete Flutbewässerung die Pflanzen belastete. Jede Woche besuchte ein Bayer-Außendienstmitarbeiter die Landwirte, um bei der Umsetzung der neuen Praktiken zu helfen. Im Jahr 2017 vergrößerte sich die Gruppe auf 250 Bauern. Ein weiterer Partner kam hinzu: ein Abnehmer, der die Produkte den Bauern abkaufte. Dadurch brach das Team das Oligopol der Zwischenhändler, die den Bauern in der Vergangenheit die Preise diktiert hatten. Plötzlich gab es Konkurrenz, und innerhalb weniger Tage boten die Händler den Bauern gute Preise an. Im Jahr 2018 plant das Projektteam eine Erweiterung auf 1.500 Chilibauern und die Ausdehnung auf den Anbau von Tomaten.

Welche Maßnahmen sind zukünftig geplant?
Wir haben ein neues Projekt mit Tomatenbauern im Bundesstaat Jharkhand im Osten Indiens. Die Ergebnisse des neuen Projekts sind noch beeindruckender als bei der grünen Chilischote. Dort sind die Gesamterträge insgesamt um bis zum Dreieinhalbfachen gestiegen. Es ist spannend, weil die nächste Saison für sie ganz anders sein wird als die vorherige. Ich bin sicher, dass unsere Erfahrung den Bauern dort genauso helfen wird wie in Uttar Pradesh.

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Aktuelle Bewertungen (16)
Alle Kommentare

Matthias Hahn
Freitag 06. Juli 2018, 06:21

Danke für das Engagement und die guten Nachrichten.
Die Unterstützung der Kleinbauern bietet einen großen Hebel zur Beseitigung des Hungers in der Welt.
Weiter so, Lino!

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Mathias Kremer
Freitag 06. Juli 2018, 03:00

Super Beitrag!!!

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Kommentar
Landwirtschaft im Wandel - Die nächste Generation ist bereit