Landwirtschaft in Paraguay

Hofnachfolger
verbinden Hightech
mit Nachhaltigkeit

Familie Lovera aus Paraguay
Familie Lovera aus Paraguay
Verschiedene Generationen von Landwirten benutzen Hightech-Geräte und -Software, um produktiver und nachhaltiger zu wirtschaften. Damit wollen sie ihr Agrarunternehmen später erfolgreich an ihre Kinder übergeben können.
Hans Heinrich Ruser, seine Tochter Annemarie und Hund Gaspar
Hans Heinrich Ruser, seine Tochter Annemarie und Hund Gaspar
Hans Heinrich Ruser, seine Tochter Annemarie und Hund Gaspar

Wenn Hans Heinrich Ruser heute sein Ackerland im Bezirk Carlos Antonio López im Süd-Osten von Paraguay betritt, hat er Begleiter dabei, die er damals, als er 1983 anfing, nicht hatte: Seinen vierbeinigen Freund, den Hund Gaspar und seine Tochter Annemarie. Seine neuesten Begleiter aber sind Technologien, die viele Meter über der Agrarfläche fliegen und die Ackerflächen seines Agrarunternehmens, der YBY PORÃ Group überwachen.

Auf diesen Ackerflächen produziert Ruser im Sommer Soja und Mais und im Winter Weizen und Hafer. Die Entwicklung der Landwirtschaft der vergangenen 35 Jahren erfreut ihn sehr: „Die Anwendungen für die Produkte werden immer genauer. Heutzutage säen wir direkt, haben technische Unterstützung und unsere Kenntnisse haben sich stark verbessert.“

Die drei profitabelsten landwirtschaftlichen Exportgüter Paraguays sind Soja, Baumwolle und Rindfleisch
Die drei profitabelsten landwirtschaftlichen Exportgüter Paraguays sind Soja, Baumwolle und Rindfleisch
Die profitabelsten landwirtschaftlichen Exportgüter Paraguays sind Soja, Baumwolle und Rindfleisch.
Quelle: CIA

Generation Hightech

Wenn Ruser irgendwann in den Ruhestand geht, wird der Agrarbetrieb in der Familie bleiben – und er ist stolz darauf, dass die nächste Generation bereits in den Startlöchern steht. Denn von allen Agrar-Ingenieuren, die ihn unterstützen, ist seine Tochter Annemarie zweifellos seine rechte Hand. Nachdem sie im Jahr 2014 ihren Abschluss an der National University of Asunción in Paraguay absolviert hat, gehörte sie zu den Personen, die für die vielen technischen Neuerungen in Rusers Agrarbetrieb verantwortlich waren. „Mittlerweile betreiben wir seit sieben Jahren Präzisionslandwirtschaft. Außerdem nutzen wir jetzt Drohnen für die Kontrolle des Bodens und der Bodenverdichtung, sowie für die Analyse der Blätter und der Ernte”, erklärt die 25-jährige Ingenieurin.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis der YBY PORÃ Group steckt schon im Namen: In Guaraní, der Sprache der Einheimischen, bedeutet „yby“ nämlich Land und „porã“ steht für fruchtbar. Durch eben dieses fruchtbare Land kann Ruser Sojabohnen so produktiv anpflanzen, dass er 4.300 kg pro Hektar erntet. Hierfür beschäftigen er und seine Tochter 23 Mitarbeiter, die sie beim Anbau, der Ernte und beim Managen der Plantagen unterstützen.

Darüber hinaus verfolgen Ruser und seine Tochter noch ein weiteres Ziel: Die vielfältige, natürliche Landschaft sowie eine dazugehörige Quelle kristallklaren Wassers auf dem Gelände des Unternehmens zu schützen. Der Schutz der Landschaft ist in Paraguay sogar gesetzlich vorgeschrieben. So sind Landwirte, die mehr als 20 Hektar Land besitzen, dazu verpflichtet, mindestens 25 Prozent davon als Schutzgebiet zu bewahren. Da die YBY PORÃ Group aber besonderen Wert auf den Naturschutz legt, schützen sie ganze 40 Prozent ihres Grundstücks. „Im Jahr 1983 gab es hier noch nichts außer Sträuchern“, erklärt Ruser. „Uns ist bewusst, dass es ohne Natur keine Landwirtschaft gäbe, und ohne Landwirtschaft keine Nahrung.“

Die neue Generation setzt Drohnen und Präzisionslandwirtschaft für die Entwicklung des Bodens und andere technische Produkte ein.

Annemarie Ruser, YBY PORÃ Group
45%

Knapp 45 Prozent der Bevölkerung Paraguays ist auf Selbstversorgung durch die eigene Landwirtschaft angewiesen.

Quelle: CIA

Drei Verbündete

60 Kilometer weiter südlich lebt die Familie von „Don“ Luciano Lovera, die auf ihre eigene Geschichte der landwirtschaftlichen Entwicklung zurückblickt. Nachdem der Paraguayer Lovera fünf Jahre lang im Bauwesen in Argentinien gearbeitet hat, kehrte er im Jahre 1973 in seine Heimat zurück. Dort kaufte er seinen ersten Lastwagen und begann in den Regionen María Auxiliadora und Natalio Karotten zu verkaufen. Das markierte den Beginn einer wahrhaftigen Erfolgsgeschichte.

Zwei Jahre später kaufte Lovera seine ersten zehn Hektar Land und gründete die Santa Librada Group, die mittlerweile zu den größten Getreideproduzenten Paraguays gehört. „Angefangen haben wir mit Soja. Dann kamen Sonnenblumen und Baumwolle hinzu. Zwar ist unsere Erde rot, aber dennoch ist sie sehr fruchtbar“, sagt der 70-jährige Landwirt.

Seit damals hat sich bei der Santa Librada Group viel geändert. Heute gehören zu dem Agrarbetrieb nicht nur 6.000 Hektar Land, sondern auch die Verwaltung eines Hafens für Exporte, eine Flotte von 20 Lastwagen sowie die Lagerung von mehr als 10.000 Tonnen Getreide. Um das alles zu bewältigen, beschäftigt Don Luciano mehr als 100 Mitarbeiter. Am meisten vertraut er aber auf die Unterstützung von zwei ganz bestimmten Menschen: Seine Söhne Alberto, Vorstand des Betriebs, und Rodolfo, technischer Direktor.

Obwohl Rodolfo der jüngste Sohn ist, besitzt er als Agrar-Ingenieur bereits viel Erfahrung im Umgang mit den neuesten Technologien und Maschinen. „Ich darf entscheiden, welches Saatgut wir für unsere Saat benutzen und womit wir die Kulturpflanzen schützen“, erzählt er. Zu den Technologien, die er für den Schutz der Pflanzen nutzt, gehören auch Drohnen und Apps. Mithilfe von Satellitentechnik können Schädlinge überwacht werden. Da die Ernte in Paraguay jedes Jahr von schädlichen Organismen wie dem Asiatischen Rost oder Getreidewanzen bedroht wird, ist die Kontrolle der Schädlinge besonders wichtig.

Auf den Feldern der Santa Librada Group sind Technologie und Umwelt im Einklang miteinander. Um komplett unabhängig zu sein, baut das Unternehmen seit sieben Jahren sogar seinen eigenen Eukalyptus an. „Wo es nicht möglich war, etwas zu säen, haben wir begonnen aufzuforsten, um Energie für unsere Silos zu produzieren. In den Gebieten, in denen wir aber etwas anbauen können, betreiben wir Konturpflügen; wir folgen der Form der Landschaft, statt in geraden Bahnen zu arbeiten. Bewahrt man die Struktur des Geländes, kann man das Regenwasser effizienter nutzen und Erosionen vermeiden”, erklärt Alberto Lovera, welcher als ältester Sohn schon seit 14 Jahren mit seinem Vater zusammen arbeitet.

Durch die Kombination aus Tradition und moderner Technik ist Don Lucianos Unternehmen zu einem Vorbild der Landwirtschaft in Paraguay geworden: Mit dieser gelungenen Mischung konnten sie von 1980 bis heute die Sojabohnen-Ernte von 3.000 kg auf 6.000 kg pro Hektar verdoppeln. Ein Großteil der Produktion von Soja, Weizen, Mais, Raps, Hirse und Sonnenblumen wird auf Grund der hohen Nachfrage mittlerweile an Märkte auf der ganzen Welt verschickt. Um die hohen Ansprüchen der internationalen Kunden zu erfüllen, hat sich Luceros Unternehmen im Rahmen des „2BS Sustainable Farmers“-Programms von Cargill zertifizieren lassen. Das Zertifikat steht unter anderem dafür, dass die Produktion nicht in Gebieten stattfindet, in denen aufgeforstet wird, und dass alle Mitarbeiter ein erwerbsfähiges Alter erreicht haben, um legal beschäftigt werden zu können.

"Don" Luciano Lovera
"Don" Luciano Lovera
Landwirt "Don" Luciano Lovera ist stolz auf sein familiengeführtes Agrarunternehmen.

Mit seinen Söhnen inspiziert Don Luciano jeden Tag die Plantage. Auch heute überwältigen ihn die Gefühle, wenn er sich zurückerinnert, was er durchmachen musste, um den heutigen Status zu erreichen. Jungen Landwirten würde er denselben Tipp geben, den er auch seinen Söhnen gibt: „Um in der Landwirtschaft zu arbeiten, musst du Leidenschaft für das Land haben. Selbst wenn du das Wissen, die Technik und die Ausrüstung hast – ohne Herzblut geht es nicht.“

Als Landwirte müssen wir uns immer weiterentwickeln, um alle in der Stadt mit Nahrung zu versorgen.

Rodolfo Lovera, Santa Librada Group

Asiatischer Sojabohnenrost – eine verheerende Pilzkrankheit

Die ersten Symptome des Sojabohnenrosts sind kleine braune Flecken auf den Blättern. Mit zunehmender Anzahl der Flecken nimmt der befallene Bereich eine gelbe Farbe an. Schließlich wirft die Pflanze das Blatt ab. Die Ertragseinbußen können sich bis auf 30 bis 80 Prozent belaufen. Solange die verwendeten Sojasorten keine ausreichende Resistenz oder Toleranz aufweisen, lässt sich der Asiatische Sojarost nur mithilfe von Fungiziden wirksam bekämpfen.

Asiatischer Sojabohnenrost
Asiatischer Sojabohnenrost
Asiatischer Sojabohnenrost ist eine verheerende Pilzkrankheit, die Ernteverluste verursacht.
Aktuelle Bewertungen (8)
Kommentar
Landwirtschaft im Wandel - Die nächste Generation ist bereit