Unterstützung für Kleinbauern in Afrika

Per SMS zu
besseren Ernten
und mehr Einkommen

Fatou Faye, Kleinbäuerin aus dem Senegal
Fatou Faye, Kleinbäuerin aus dem Senegal

Das Start-Up myAgro hilft westafrikanischen Landwirten, Geld anzusparen, um Saatgut und Dünger kaufen können und ihre Lebensgrundlagen nachhaltig zu verbessern. Alles, was sie dafür benötigen, ist etwas Kleingeld – und ein Handy. Bayer unterstützt diese soziale Innovation.

Das Geschäftsmodell von myAgro basiert darauf, Kleinbauern in Westafrika – vornehmlich in Mali und im Senegal –, die Möglichkeit zu eröffnen, Dünger und Saatgut zu kaufen. 70 Prozent der Landwirte in der Region sind Frauen. Sie haben zumeist weder ein Bankkonto noch Zugang zu Krediten. Es ist ihnen faktisch unmöglich, sich Geld zu leihen. Weil ihr Durchschnittseinkommen nur ein bis zwei Dollar pro Tag beträgt, haben sie kein Geld für teure Anschaffungen wie Saatgut und Dünger übrig. Gleichwohl haben die meisten von ihnen ein Handy – und damit können sie das Angebot von myAgro nutzen.

Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: Die Landwirte kaufen in ihrem Dorfladen eine myAgro-Card für beispielsweise umgerechnet 50 Cent oder einen Dollar. Das sind Summen, die sie kurzfristig immer wieder verfügbar haben. Die Karte ist mit einem Code versehen, den sie per SMS an myAgro schicken. Anschließend ist der Betrag auf dem myAgro-Konto gut geschrieben. Damit können die Landwirte schon kleinste Beträge einzahlen. Pünktlich zum Start der Anbausaison liefert myAgro Saatgut und Dünger an die Landwirte im jeweiligen Dorf.

Karte von Afrika
Karte von Afrika

Je besser die Ernte, umso einfacher ist es für mich, meine Familie zu versorgen

Fatou Faye, Kleinbäuerin aus Senegal
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Nur 7 Prozent aller Kleinbauern haben Zugang zu Finanzierungen durch traditionelle Banken.

Quelle: myAgro

Landwirtschaftliches Wachstum fördern

Die Senegalesin Fatou Faye aus dem Dorf Mbellengout, 120 Kilometer von der Hauptstadt Dakar entfernt, war eine der ersten Bäuerinnen, die myAgro ausprobierten. „Es war für mich unmöglich, auf einen Schlag 4.000 CFA-Francs (umgerechnet 14 Dollar) aufzubringen, um Dünger zu kaufen“, erzählt sie. Minibeträge zu überweisen und auf diese Weise das erforderliche Geld anzusparen, das jedoch passte zu den finanziellen Möglichkeiten der Witwe und Mutter von sieben Kindern. Ihre erste Anschaffung bestand aus Dünger für Erdnüsse und Hibiskus. „Als mein Feld in Blüte stand, war ich überwältigt“, sagt sie. Andere Frauen kamen herbei und waren ebenfalls begeistert. Folge: Sie wurden myAgro-Kunden. Mittlerweile nutzen 34.000 Kleinbauern in Westafrika myAgro und steigern ihren Wohlstand: Mit dem innovativen Pre-Paid-System für landwirtschaftliche Produkte verdoppeln sie sowohl ihre Nettoerträge auf dem Feld als auch ihr Einkommen.

Das Geschäftsmodell hilft, den Teufelskreis aus Missernten und Armut zu durchbrechen. „Kleinbauern müssen damit ihr Verhalten nicht mehr an ein veraltetes Finanzsystem anpassen. Wir verändern vielmehr das Finanzsystem und passen es den Kleinbauern an“, sagt Anushka Ratnayaka, die myAgro im Jahr 2011 gründete. Damals hatte sie sich gefragt: Warum kann man in den ländlichen afrikanischen Regionen zwar Öl oder Zucker in kleinen Mengen und für wenig Geld kaufen, aber Saatgut und Dünger – die wichtigsten Erzeugnisse für die Arbeit der Landwirte – nur in großen Mengen, die bisweilen 100 Dollar kosten? Das war für sie der Ausgangspunkt, um nach Mikrofinanzierungsmodellen zu suchen.

Gute Ernten eröffnen Chancen.
Gute Ernten eröffnen Chancen.
Gute Ernten eröffnen Chancen.

Heute geht es bei myAgro längst nicht mehr nur um Finanzierungshilfen, sondern auch um Know-how-Transfer. „Unsere Mitarbeiter beraten vor Ort und geben den Landwirten Tipps für eine ertragreichere Landwirtschaft“, sagt die Gründerin. Denn das Wissen um Ernährung, Hygiene und Nutzpflanzen ist ebenso wichtig wie der Dünger und das Saatgut, um die Lebensbedingungen der Menschen nachhaltig zu verbessern. Und um sie in die Lage zu versetzen, sich aus eigener Kraft aus der Armut herauszuarbeiten. Für die Vor-Ort-Seminare, die fast ausschließlich von Frauen besucht werden, entwickelte myAgro fünf verschiedene Module zu den Themen „Eine gesunde Mahlzeit“, „Dehydration“, „Hygiene bei der Essenszubereitung“, „Wie kocht man ein gesundes Porridge?“ und „Warum Okra und Erdnüsse so nahrhaft sind“. Bislang haben schon mehr als 16.000 Frauen an den Seminaren teilgenommen.

„Indem wir mit sozial engagierten Unternehmen zusammenarbeiten, wollen wir globale Systeme umgestalten helfen und Fortschritte beschleunigen, vor allem, wenn es um Ernährung und Gesundheit geht“, sagt Dr. Monika Lessl, Head of Corporate Innovation bei Bayer, das myAgro mit 600.000 US-Dollar unterstützt. Ein weiteres wichtiges Element, die Lebensbedingungen zu verbessern, besteht darin, gesundheitliche Probleme in den Griff zu bekommen. So leiden viele Familien in den ländlichen afrikanischen Regionen unter epidemieartigen Wurminfektionen. Vor allem Kinder sind betroffen. Die Medikamente sind für die Betroffenen oft unerschwinglich. Deshalb unterstützen myAgro und Bayer eine Entwurmungsinitiative, in deren Rahmen allein in Mali von Mai bis Ende Juni 2018 in 488 Dörfern insgesamt 31.000 Kinder behandelt wurden. „Durch die kostenlosen Medikamente werden auch die Familien insgesamt gestärkt, sodass sie ihre landwirtschaftlichen Betriebe weiter entwickeln können und einen Weg aus der Armut finden“, so Monika Lessl.

Unsere Mitarbeiter beraten vor Ort und geben den Landwirten Tipps für eine ertragreichere Landwirtschaft.

Anushka Ratnayaka, die myAgro im Jahr 2011 gegründet hat
34.000

myAgro-Landwirte konnten mit Hilfe von myAgro Ihre Lebenssituation verbessern.

Quelle: myAgro

Technische Lösung für ein besseres Leben

„Nahrungsmittel von Kleinbauern ernähren einen Großteil der Weltbevölkerung“, sagt Liam Condon, Vorstandsmitglied der Bayer AG und Leiter der Division Crop Science. „Viele dieser Landwirte leben jedoch in großer Armut. Daher unterstützen wir myAgro, das mit seinem innovativen sozialen Geschäftsmodell Großes bewegen kann.“ Der Erfolg von myAgro ist nachhaltig. Und er erregt Aufsehen. Bill Gates, Microsoftgründer, Multimilliardär und Philanthrop, berichtete in seinem Blog darüber. Im April 2018 erhielt das Unternehmen den Skoll Award, der mit 1,25 Millionen Dollar dotiert ist und als „Nobelpreis“ für soziales Unternehmertum gilt. Mit dem Skoll Award werden Firmen ausgezeichnet, die bewiesen haben, dass ihr Geschäftsmodell eines der dringlichsten globalen Probleme zu lösen beiträgt. Im Fall von myAgro ist es der Kampf gegen Armut und Hunger.

„Je besser die Ernte, umso einfacher ist es für mich, meine Familie zu versorgen“, sagt Fatou Faye, die Kleinbäuerin. Zu diesem Ergebnis sollen nach den Wünschen von myAgro so viele Landwirte wie möglich kommen. Bis zum Jahr 2020 soll die Zahl der myAgro-Kunden auf 200.000 wachsen und bis zum Jahr 2025 auf eine Million. Außer im Senegal und in Mali will das Unternehmen, das derzeit 300 Mitarbeiter beschäftigt, künftig auch in Tansania aktiv werden. Langfristiges Ziel: Das tägliche Einkommen der Landwirte soll um 1,50 Dollar wachsen. Damit würden sie die Armutsgrenze hinter sich lassen – und in die „Middle Class“ der Gesellschaft aufsteigen.

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Landwirtschaft im Wandel - Die nächste Generation ist bereit